Ausbildungsplätze wären an sich genug vorhanden: Mehr als 50.000 freie Stellen für das in Kürze beginnende Ausbildungsjahr gibt es angeblich noch, so Hans Heinrich Driftmann, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) in einem Gespräch mit der Zeitung Welt am Sonntag. Nur können diese nicht besetzt werden, weil es an geeigneten Bewerbern fehle. Moment mal: Fehlt es an Bewerbern oder fehlt es an geeigneten Bewerbern? Würde es generell an Bewerbern fehlen, dann wäre dies ein beunruhigendes Indiz für die beginnende Überalterung unserer Betriebe. Der demografische Wandel, also die Tatsache, dass es immer weniger junge Leute gibt, wirkt sich Jahr für Jahr mehr aus. Fehle es jedoch an geeigneten Bewerbern, dann hieße das nur, dass es durchaus noch junge Menschen gäbe, die man – mühsamer als bisher- anlernen müsste, diese den Betrieben jedoch scheinbar nicht gut genug sind. Genau das wäre der Grund, warum der DIHK nun erneut in eines seiner Lieblingshörner stößt: Dass den jungen Menschen heutzutage die Ausbildungsreife fehle. Mit beeindruckender Regelmäßigkeit wird immer wieder diese Leier herausgeholt und über die Faulheit und Dummheit der heutigen Azubi-Generation genölt. Unternehmen würden am Ende zu Reparaturbetrieben verkommen, so Driftmann. Unsere Meinung zu diesem sprachlichen Unsinn haben wir anläßlich der letzten DIHK-Attacke bereits in diesem Beitrag deutlich gemacht: Fertige Erwachsene gibt es nun mal nicht. Jeder muss sich in einer Ausbildung anstrengen, auch die Ausbilder.

FDP-Wirtschaftsminister Rainer Brüderle eilt zur Hilfe: Kein Jugendlicher dürfe für den Ausbildungsmarkt verloren gegeben werden, junge Leistungsträger müsse man angemessen fördern. Na ja, um die jungen Leistungsträger mache ich mir nicht so viele Sorgen, viel mehr um das andere Ende des Spektrums. Für das ist die FDP nur nicht zuständig. Die CDU ein wenig mehr. Deswegen kündigt deren Bildungsministerin Annette Schavan an, dass Jugendliche mit Schwierigkeiten verstärkt individuell gefördert werden sollen. Neue „Berufslotsen“ sollen beim für viele schwierigen Übergang von der Schule in den Beruf helfen. Eine gute Idee, das wird auch schon seit Jahren in etlichen Gemeinden mit Hilfe Ehrenamtlicher praktiziert, die jungen Menschen vor allem aus sozial schwächeren Familien bei der oft immer noch schwierigen Suche nach einer passenden Lehrstelle tatkräftig unter die Arme greifen.

Für Industrie und Handel sind die von ihnen so mühsam zu reparierenden Jugendlichen das kleinere Problem. Mittel- und langfristig wird der demografische Faktor Schneisen der Verwüstung in die Altersstruktur unserer Arbeitswelt schlagen: Viele Betriebe werden vergreisen. Hegt Eure Jugendlichen also, fördert sie, helft Ihnen bei der Suche nach einem guten Job, zeigt Ihnen Eure Wertschätzung, aber bitte beleidigt sie nicht! Das ist nicht nur respektlos, es ist auch noch dumm: Ihr werdet sie alle noch dringend brauchen.

Peter



Dieser Beitrag wurde am Montag, 19. Juli 2010 um 16:07 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Arbeitsmarkt, Ausbildung, Demografie abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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