Wie sieht es aktuell auf dem Lehrstellenmarkt aus? Die Industrie- und Handelskammern haben deutsche Unternehmen befragt und herausgefunden, dass im kommenden Herbst voraussichtlich zehn Prozent weniger Lehrstellen angeboten werden. Die Wirtschaftskrise wird somit auch zur großen Herausforderung für den Ausbildungsmarkt, so DIHK-Chef Martin Wansleben. Besonders betroffen sollen Regionen sein, die stark vom Export abhängig sind, wie etwa Bayern und Baden-Württemberg. Jedes vierte Unternehmen plant angeblich eine Verringerung der Anzahl der Ausbildungsplätze.

Aber vielleicht macht das ja gar nichts? Denn auf Grund der geburtenschwachen Jahrgänge (Stichwort: Demografischer Wandel) geht auch die Zahl der Bewerber aktuell zurück. In Ostdeutschland etwa gibt es 2009 15,5 Prozent weniger Schulabsolventen als noch im Vorjahr. Martin Wansleben dazu: „Der demografische Wandel ist da und wird konkret.“

Dass es hier zu einer Art „Nullsummenspiel“ kommt, kann sich Ingrid Sehrbrock, stellvertretende DGB-Vorsitzende dagegen nicht vorstellen. Sie sorgt sich über den prognostizierten Rückgang der Lehrstellen und will kaum glauben, dass sich die Zahlen hier die Waage halten werden. Stattdessen fordert sie die Industrie- und Handelskammern auf, tatkräftig bei den Arbeitgebern um Lehrstellen zu werben.

Letztes Jahr wurden im Rahmen des Ausbildungspaktes über 86.000 zusätzliche Lehrstellen geschaffen. Das war der richtige Weg. Der Ausbildungsbonus, über den in diesem Blog schon hier und auch hier geschrieben wurde, ist von den Unternehmern dagegen nur schleppend angenommen worden. Ich bin der Meinung, man darf bei diesem ganzen Thema Ausbildung kein bißchen nachlassen. Gute und umfassende Ausbildungen sind das A und O der persönlichen beruflichen aber auch unserer gemeinsamen wirtschaftlichen Zukunft. Bei der Umfrage der DIHK kam heraus, dass jedes siebte Unternehmen sogar Ausbildungsplätze aufbauen will. Trotz der Krise! Genau das ist der richtige Weg. Natürlich nur, solange die Azubis nicht als Billig-Arbeitskräfte mißbraucht werden. Und das ist leider oft der Fall. Die Krise entbindet Arbeitgeber nämlich nicht von ihrer sozialen Verantwortung. Auch wenn dies sicherlich momentan sehr verlockend erscheint. Betriebsräte sollten deshalb ihren Arbeitgebern beim Thema Ausbildung weiterhin genau auf die Finger schauen. Auch wenn es in vielen Unternehmen einen Einstellungs-Stopp gibt: Dies sollte nicht für den Ausbildungsbereich gelten. Die Folgen wären langfristig für uns alle fatal!

Peter



Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 09. April 2009 um 07:13 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Ausbildung, Demografie, Wirtschaftskrise abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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