von Peter am 06.03.2008, 15:36 Uhr , Kategorie: Ausbildung

Der Gesetzentwurf zum Ausbildungsbonus wurde Ende Februar vom Bundeskabinett verabschiedet. Jetzt regt sich immer mehr Kritik, angeführt von Industrieverbänden, Parteien und Gewerkschaften.

Um was geht es beim Ausbildungsbonus?

Wie in diesem Blog berichtet, soll der Ausbildungsbonus dafür sorgen, dass bis zum Jahr 2010 weitere 100.000 zusätzliche Ausbildungsplätze entstehen. Diese richten sich an Jugendliche, die schlecht qualifiziert oder lernbehindert sind und sich seit mindestens einem Jahr erfolglos um eine Lehrstelle bemühen. Stellt ein Arbeitgeber einen solchen Jugendlichen ein, erhält er eine Förderung zwischen 4.000 und 6.000 Euro pro Stelle, sofern er nachweisen kann, dass er mehr Bewerber einstellt als er es ohne das Förderprogramm getan hätte. 450 Millionen Euro sollen dafür von der Bundesagentur für Arbeit bis 2012 bereitgestellt werden.

Martin Wansleben vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) bezweifelt gegenüber der Süddeutschen Zeitung, dass tatsächlich so viele neue Lehrstellen entstehen werden. Er befürchtet, dass es stattdessen zu Mitnahmeeffekten durch die Unternehmen kommen werde, ohne dass die angepeilte Zielgruppe sonderlich davon profitiert.

Die IG Metall setzt mit ihrer Kritik bereits bei der rechtlichen Definition der neu geschaffenen Lehrstellen an. Der neue §421r Abs. 4 Sozialgesetzbuch SGB III des Regierungsentwurfs soll lauten: “ Die Ausbildung erfolgt zusätzlich, wenn bei Ausbildungsbeginn die Zahl der Ausbildungsverhältnisse […] in dem Betrieb aufgrund des mit dem Auszubildenden abgeschlossenen Ausbildungsvertrags höher ist, als sie es im Durchschnitt der drei vorhergehenden Jahre jeweils am 31. Dezember war.“ Hoppla, hier muss gerechnet werden, Bürokraten also aufgepasst. Die Gewerkschaft argumentiert jetzt, dass es wegen dieser sehr speziellen Art der Betrachtungsweise recht gut sein kann, dass ein Betrieb sogar weniger Lehrstellen anbietet als im Vorjahr und trotzdem die Förderung erhält.

Schließlich noch die Partei Die Linken, welche den Ausbildungsbonus generell als völlig ungeeignet einstuft um Jugendlichen einen Job zu verschaffen und einen völlig anderen Ansatz verfolgt, nämlich die Verankerung eines Grundrechts auf Ausbildung in der Verfassung.

Ja was man nicht alles in die Verfassung schreiben könnte. Aber wenn das der Königsweg wäre, dann wäre unser Grundgesetz mittlerweile bis an den Rand voll mit diversen sicher sehr vernünftigen sozialen und sonstigen Zielen und Absichtserklärungen. Welch schöne Scheinwelt wäre das wieder. Wichtiger, weil praktisch relevanter, ist dagegen neben der an sich sehr begrüßenswerten staatlichen Förderung, wie sie der Ausbildungsbonus vorsieht, eine zusätzliche Begleitung und Unterstützung lernschwächerer Jugendlicher während und auch nach der Ausbildungsphase im pädagogischen Bereich sowie im direkten Berufsumfeld. Denn was ist schon gewonnen, wenn ein Jugendlicher nur des Geldes wegen durch eine Lehre geschleust wird. Am Ende wird er vielleicht ein wenig mehr vorweisen können als vorher und im günstigsten Fall auch einen Ausbildungsabschluss in der Tasche haben, im Endeffekt wird er aber recht schnell wieder auf der Straße stehen. Und das kann nicht das Ziel sein.

Peter



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