Während arbeitgeberseitig manche Propagandaabteilungen nach wie vor destruktiv herumnölen, dass junge Menschen, die heutzutage neu auf dem Arbeitsmarkt erscheinen, immer fauler und dümmer seien, gibt es ersten Hoffnungsschimmer, dass ein Umdenken stattfindet. Kein Wunder, denn die demografische Entwicklung zwingt dazu. Bereits im Jahr 2020 droht ein Fachkräftemangel von zwei Millionen Menschen! Und das ist erst der Anfang. Was also liegt näher, als das vorhandene Potenzial so gut wie möglich auszunützen. Bislang konnten es sich die Bestimmer auf dem Arbeitsmarkt leisten, sog. schwer vermittelbare junge Arbeitnehmer links liegen zu lassen. Doch mehr und mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass man auch als „anspruchsvolles“ Unternehmen nicht mehr länger darauf vertrauen könne, wie bisher die Sahnehäubchen der ins Arbeitsleben strömenden Generation einfach so abzuschöpfen.

Fakt ist, dass junge Menschen immer weniger werden. Und somit wird unweigerlich auch die Gruppe der Einser-Schüler und Begabten schrumpfen. Andererseits bleibt der Bedarf an guten Abgängern auf dem Arbeitsmarkt auch zukünftig unverändert hoch. Eine Lösung liegt auf der Hand: Viel mehr Unternehmen als bisher müssen damit beginnen, Berufsanfänger wesentlich stärker zu fördern. Seit einigen Jahren geschieht dies bereits vereinzelt im Rahmen von Modellen sog. betrieblicher Einstiegsqualifizierung. Auf diese Weise konnten bisher immerhin rund 30.000 Jugendliche ein bis zu zwölfmonatiges Praktikum bei Firmen absolvieren, das von der Bundesagentur für Arbeit finanziell bezuschusst wurde.

Gemeinsam mit der Deutschen Telekom wurde von der Bundesagentur nun ein sehr interessantes Pilotprojekt abgeschlossen. Das Ergebnis lautet: „Keiner ist talentfrei“. Und das sah so aus: 61 junge Arbeitnehmer aus sog. schwierigen Verhältnissen erhielten vor knapp einem Jahr die Gelegenheit, ein Langzeitpraktikum bei der Deutschen Telekom zu absolvieren. Ziel war es, im Anschluss einen Ausbildungsplatz zu ergattern: Immerhin 50 haben das geschafft! Ein so großer Erfolg, dass nun weitere 270 junge Leute auf diese Art neu gefördert werden sollen. Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger zeigt Weitblick: „Es ist an der Zeit, die Talentgewinnung breiter aufzustellen. Individuelle Begabungen müssen entdeckt werden. Der Schlüssel für eine wettbewerbsfähige Belegschaft ist eine qualifizierte Erstausbildung. Wer frühzeitig dafür die Strukturen schafft, braucht später nicht zu jammern.“

Problemschüler fördern, um deren häufig verborgene Begabungen frei zu legen. Die Wirtschaft kann es sich langfristig nicht mehr leisten, Arbeitnehmer einfach brach liegen zu lassen. Das Umdenken scheint begonnen zu haben. Natürlich machen das die Unternehmen in erster Linie nur für sich selbst.  Aber die Schwächeren werden davon profitieren. Und das ist gut.

Peter



Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 27. Juli 2010 um 10:35 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Arbeitsmarkt, Ausbildung, Demografie abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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