Gleich vorweg: Mit dem Thema Betriebsrat hat dieser Beitrag nicht im entferntesten zu tun! Heute wollen wir eine neue Reihe im Blog begründen, in der wir Begriffe erklären, die es irgendwie über Nacht geschafft haben und plötzlich überall zu lesen sind. Und wo man noch nicht so ganz genau weiß, was es eigentlich bedeutet. Mit sowas haben wir bislang gute Erfahrungen gemacht. Kollegin Ines erklärte vor einigen Jahren an dieser Stelle den harmlosen Begriff „zeitnah„. Was als kleines ironisches Intermezzo für zwischendurch gedacht war, entwickelte sich bis heute, den Suchmaschinen sei Dank, zu unserem erfolgreichsten Blogbeitrag überhaupt!

Aber zurück zum „Slutwalk„: Am morgigen Samstag 13.08.2011 finden in vielen deutschen Städten (darunter auch in Berlin und München) Slutwalks statt. Übersetzt heisst das Schlampenmärsche. Darunter versteht man eine Form der öffentlichen Demonstration, bei der Frauen, Männer und sog. Transgender in teils sehr freizügiger Kleidung auf die Straße gehen, um für ihr Recht auf freie Kleiderwahl zu kämpfen. Freie Kleiderwahl? Richtig gelesen! So ganz stimmt der Begriff nur leider nicht. Dazu aber im nächsten Absatz noch ein Wort. Vorher etwas Geschichte: Der erste Slutwalk fand im April 2011 im kanadischen Toronto statt. Vorausgegangen war die nur schwer erträgliche Bemerkung eines Polizeibeamten, der sinngemäß meinte, Frauen die Opfer von sexuellen Übergriffen und Vergewaltigungen werden, seien daran selber Schuld, sie bräuchten sich ja nicht wie „Schlampen“ anzuziehen.

Schlampenmärsche sind bei weitem nicht frei von Kritik: Zum einen ist die Verwendung des Begriffs „slut“ (Schlampe) schon sehr fragwürdig – sehen sich die DemonstrantInnen denn als solche? Wohl eher nicht! Warum bezeichnen sie sich dann so? Zum anderen geht es um die zum Teil äußerst freizügige Kleidung, die dort getragen wird. Dies führte bislang gerne zu dem Irrtum, es gehe vor allem um das Recht, sich sexy kleiden zu dürfen. Aber das ist Unsinn: Denn es geht einzig und allein um das Recht auf sexuelle Selbstbestimmtheit. Fragt sich also, welchen Zweck  Demonstrationsutensilien wie Highheels und Minirock tatsächlich verfolgen? Die Erregung purer Aufmerksamkeit? Mehr Event, weniger Demo? Wie ernsthaft ist das dann? Ein Effekt ist schon garantiert: Die Medien werden morgen die Slutwalks mit ihren Kamerateams wie verrückt anspringen, jeden Zentimeter werden sie abfilmen. Warmes Wetter verspricht viel nackte Haut, das lässt sich dann am Abend prima senden. Die Medienhölle sabbert dem schon entgegen. Deswegen: Wirklich alles so gewollt oder vielleicht doch ein wenig kontraproduktiv?

Noch was: Seit kurzem verwenden wir hier im Blog Motivbilder zur optischen Auflockerung. Wir verzichten bei diesem Beitrag darauf! Das Motiv wäre zu eindeutig ausgefallen. Hätte sicher etliche gute Klicks gebracht. Darf man gerne als solidarische Unterstützung sehen.

Peter



Dieser Beitrag wurde am Freitag, 12. August 2011 um 11:08 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Betriebsrat Blog erklärt abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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