Eins ist schon mal klar: Der Begriff an sich besitzt eine nur wenig mitreißende Wirkung. Die Vorsilbe „Euro“ versetzt eh gerade kaum jemanden in positive Grundstimmung und bei Bond, na ja, wer nun an James Bond denkt, beweist zumindest noch ein Mindestmaß an Fantasie, Witz und … Ahnungslosigkeit! Denn Euro-Bonds, auch EU-Anleihen genannt, sind in Zusammenhang mit der aktuellen Wirtschafts- und Staatsschuldenkrise in aller Munde. Manche halten sie für die letzte Rettung hochverschuldeter Staaten wie Griechenland oder Portugal, denen niemand mehr noch Geld leihen mag. Euro-Bonds sind sehr umstritten: Für viele sind sie nichts anderes als nutzloses wirtschaftliches Teufelszeug, das Deutschland letztlich nur schaden wird. Aber egal wie man es sieht, man sollte zumindest wissen, um was es sich dabei handelt! Denn möglicherweise retten die Euro-Bonds bald Europa. Oder sie stürzen es in den finanziellen Abgrund. Das weiß derzeit noch niemand. Richtig spannend eigentlich, wäre die Situation nicht so ernst.

Was also sind Euro-Bonds? Es handelt sich um eine Form von Staatsanleihen, die anstatt von einem einzelnen Staat von mehreren oder von allen EU-Ländern gemeinsam herausgegeben werden. Mit einer solchen Staatsanleihe leiht sich ein Staat üblicherweise auf den Finanzmärkten Geld, bei Banken vor allem. Diese bekommen dadurch im Normalfall einen sicheren Gläubiger und ganz akzeptable Zinsen. Kein Ausfallrisiko machen die Sache besonders interessant! Problem: Je negativer die Bonität eines Landes ausfällt, desto höher ist der Zinssatz, den die Geldgeber aufschlagen. Für Staaten wir Griechenland wahrscheinlich derzeit schon horrend hoch! Der Vorteil für diese Länder wäre ein deutlich geringeres Zinsniveau bei der Ausgabe einer „gemeinsamen“ Anleihe, somit wesentlich günstigere Bedingungen bei der Beschaffung von neuem Geld.

Die Bundesregierung stemmt sich derzeit mehrheitlich noch gegen Euro-Bonds. Der Grund: Für Deutschland wäre es teurer, wenn es sich Geld leihen möchte, da die Zinsen für Euro-Bonds höher sein werden, als wenn eine eigene rein deutsche Staatsleihe herausgegeben werden würde. Fraglich ist nun, wie lange sich die Regierung bei einer andauernden und vielleicht sogar noch verschlimmernden Krise auf Europa-Ebene diesem Vorgehen noch verweigern kann. Auch auf Koalitionsebene könnte sich das ganze explosionsartig ausweiten: Denn während die CDU/CSU nur noch „etwas“ dagegen ist, lehnt die FDP Euro-Bonds strikt ohne Wenn und Aber ab, sogar ein Scheitern der Koalition wäre deswegen denkbar. Da für diese Partei aber bei Neuwahlen die gefahr bestünde, nicht mehr in den Bundestag einzuziehen, ist rückgratbeweisendes Verhalten derzeit eher unwahrscheinlich. Regieren um jeden Preis nennt man das. Die Opposition hat der Kanzlerin dagegen in Sachen Euro-Bonds bereits ihre Unterstützung angesagt.

Der derzeitige Widerstand wird über kurz oder lang bröckeln und schon bald werden wir die historisch erstmalige Ausgabe von Euro-Bonds erleben. Deutschland wird sicher mit an Bord sein. Und keiner kann sagen, was wirtschaftlich danach passieren wird.

Peter

 

Bildquelle: © goodstock - Fotolia.com


Dieser Beitrag wurde am Freitag, 19. August 2011 um 15:50 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Betriebsrat Blog erklärt abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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