Entwicklung con ComputergamesDas Hamburger Unternehmen Goodgame Studios ist der größte Computerspiele-Entwickler in Deutschland. Sein Spiel „Goodgame Empire“ entwickelte sich zu einem der weltweit erfolgreichsten Strategiespiele mit mehr als 70 Millionen Usern. Über 1.200 Kolleginnen und Kollegen sind bei Goodgame angestellt. Betriebsrat? Fehlanzeige – leider, wie so oft in dieser Branche. Obwohl ein Betriebsrat für ein Unternehmen dieser Größenordnung absolut üblich ist.

Mehrere Mitarbeiter machten sich daran, einen Betriebsrat zu gründen. Die Reaktion folgte auf dem Fuß: Nach Angaben eines früheren Kollegen und nach Presseberichten sprach das Unternehmen unverzüglich etliche Kündigungen aus. Diese richten sich offenbar gezielt gegen 15 Beschäftigte, die im Zusammenhang mit der Forderung nach einem Betriebsrat an die Öffentlichkeit gegangen sind. Auch einige andere Kollegen sind betroffen, die intern durch entsprechende Nachfragen zum Thema Betriebsrat auffielen.

Nachdem verschiedene Webseiten wie das Fachmagazin gamesbusiness.de darüber berichteten und die Geschäftsleitung konfrontierten, äußerte sich ein Sprecher des Unternehmens wie folgt: „Nach eingehender Prüfung hat das Unternehmen entschieden, sich aus betrieblichen Gründen, wie z.B. Leistungsdefiziten, von 28 Mitarbeitern aus unterschiedlichen Abteilungen mit umgehender Wirkung zu trennen.

Das ist nicht weniger als ein echter Skandal, der Folgen haben muss. Mal abgesehen davon, dass die Begründung rechtlich gesehen hirnrissig ist, ist der Zusammenhang zwischen den ausgesprochenen Kündigungen und dem Engagement für die BR-Gründung ganz offensichtlich. Kennen die Verantwortlichten im Unternehmen den § 119 Abs. 1 BetrVG? Ja um Himmels Willen, wie wurde denn hier beraten? Oder entfiel dieser Schritt etwa? Bei einem Unternehmen dieser Größe kaum vorstellbar. Die Behinderung einer BR-Wahl ist eine Straftat, die mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr bestraft werden kann. Das Vorgehen erscheint schon ziemlich grotesk.

Den gekündigten Mitarbeitern ist zu empfehlen, auf keinen Fall zur Tagesordnung überzugehen, sondern sich, nach eingehender Beratung, auf die Hinterbeine zu stellen und dagegen zu halten. Denn nur durch Menschen, die sich mutig und mit Zivilcourage engagieren, dabei vorübergehend sogar ihre Existenz aufs Spiel setzen, kann sich die Situation für viele andere verbessern.

Das Unternehmen stellt sich selbst als herausragender Arbeitgeber dar, der dafür ausgezeichnet wurde. Liest man die letzten Dutzend Einträge über Goodgame Studios im Internet-Bewertungsportal Kununu, könnte man auf den Gedanken kommen, dass Wunsch und Wirklichkeit hier weit auseinander liegen.

„Goodgame Empire“ – da scheinen einige die Spielewelt mit der Realität zu verwechseln verwechselt. Auf das Level 2 scheint der Arbeitgeber mit seinem Empirium immer noch nicht vorgedrungen zu sein. Dringender Neustart! Es gibt noch so viel zu entdecken.

Quelle: golem.de / gamesbusiness.de – Bildquelle: © .shock – fotolia.de (Motivbild)

 



Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 01. Dezember 2015 um 17:02 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Betriebsrat abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

«  –  »

3 Comments »

  1. Bei dem Rundumschlag der Unternehmensleitung wurde auch pikanterweise einem schwerbehinderten Mitarbeiter ohne die Notwendige Beteiligung des zuständigen Integrationsamtes gekündigt. Gäbe es im Unternehmen eine Schwerbehindertenvertretung mit der man vertrauensvoll zusammenarbeiten würde, wie auch mit einem Betriebsrat, hätte man eine kompetente Beratung gehabt und keine inkompetente Handlungsweise walten lassen. Gute Betriebsräte arbeiten mit der Unternehmensleitung zum Wohle aller, Unternehmen und Belegschaft, vertrauensvoll zusammen. Doch ist die Gier nach dem maximalen Gewinn oftmals so groß, dass die soziale Verpflichtung eines Unternehmens auf der Strecke bleibt. So wie bei „Bad“games.

    Kommentar von: Lange – am 01. Dezember 2015 um 21:36

  2. 70 mio user ist ne ganz schön große Menge. aber das ist ja nicht der PUnkt der Betrachtungsweise! Die Kapitalmärkte sind letztlich daran schuld dass die Gier zu groß wird und dadurch auch die soziale Verpflichtung eines Unternehmers hintan gestellt wird. Leider

    Kommentar von: Silvia Hackl – am 05. Dezember 2015 um 20:24

  3. @Silvia Hackl

    Nicht die Kapitalmärkte sind letztlich daran schuld, sondern die Taten der einzelnen Menschen

    Kommentar von: Daniel – am 08. Dezember 2015 um 12:50

Schreib einen Kommentar