von Peter am 22.05.2015, 15:08 Uhr , Kategorie: Betriebsrat

Verschlossenes TorAbgerechnet wird zum Schluss. So wie in dieser Geschichte hier. Es ist nur schwer nachvollziehbar, was da im Berufsbildungswerk Bremen passiert ist. Mehr als 30 Jahre lang war Michael Müller Beschäftigter des Unternehmens. Über 25 Jahre war er Vorsitzender des Betriebsrats. Am letzten Arbeitstag vor seiner Pensionierung drückte ihm der Arbeitgeber ein Schreiben in die Hand: „Haus- und Geländeverbot“ stand darauf. Unterschrieben vom Geschäftsführer persönlich, gültig ab dem nächsten Tag.

Das Berufsbildungswerk Bremen ist eine Rehabilitationseinrichtung. Behinderte Menschen können hier einen Beruf erlernen. Betreiber ist der Sozialverband Deutschland, ein gemeinnütziger Verein mit über einer halben Million Mitglieder. Dieser vertritt die Rechte behinderter und pflegebedürftiger Menschen.

Die Bremer Ausgabe der taz – die tageszeitung – berichtet, dass es zwischen Betriebsrat Müller und der Geschäftsleitung häufig zu Konflikten gekommen sei. Klingt erst mal nicht ungewöhnlich. Betriebsparteien streiten sich, mal weniger, mal öfter. Krasser Höhepunkt war dann im Jahr 2004 der Versuch des früheren Geschäftsführers, das Betriebsratsgremium seines Amtes zu entheben. Den Hintergrund bildete ein offener Brief des Betriebsrats, in dem das Betriebsklima und der Führungsstil der Geschäftsleitung kritisiert wurden. Nun, das Amtsenthebungsverfahren misslang und der Betriebsrat blieb im Amt. Über 10 Jahre später dann die Retourkutsche.

Nach Eintritt in die Rente gab es ein Hausverbot als Quittung für jahrzehntelanges Engagement im Betriebsrat

Schwamm drüber? Einen Schlussstrich ziehen? Einem anderen auch verzeihen können? Nein! Dem Kollegen am Ende eines sehr langen und sicher sehr ereignisreichen Berufslebens trotz aller Differenzen die Hand zu reichen, das konnte dieser Arbeitgeber nicht. Da gab er ihm lieber noch einen ordentlichen Tritt in Form des Hausverbotes mit. Ging es nur um’s Prinzip oder waren die Vorfälle so persönlich verletzend, dass zumindest für einen der Beteiligten die Handreichung nicht mehr vorstellbar erschien? Die taz zitiert einen ehemaligen Abteilungsleiter mit den Worten, „Müller hat ganz normale Betriebsratsarbeit gemacht.“ Ja was dann?

Der frühere Geschäftsführer verteidigt laut taz das Vorgehen. Müller habe die Betriebsratstätigkeit wie ein Klassenkämpfer ausgelegt. Das hätte ein negatives Bild der Firma in der Öffentlichkeit nach sich gezogen. Wo das Unternehmen doch im Wettbewerb stünde. Und: Der Betriebsrat habe Mängel angezeigt, die es gar nicht gegeben habe. Gelogen worden sei schließlich auch noch.

Wie absurd! Vieles davon würde sich nicht aufklären lassen. Niemand wird noch ein Interesse daran haben. Das Hausverbot selbst entwickelt kaum praktische Wirkung. Stattdessen hat es den eindeutigen Charakter einer nachträglichen Bestrafung. Nachtarocken nennt man das bei uns, also unnötig Nachtreten. Wie kindisch und armselig. Und was für ein Signal an bestehende und vielleicht auch zukünftige Mitarbeiter!

Quelle: TAZ Bremen – Bildquelle: © Sylvie Bouchard – thinkstock by getty



Dieser Beitrag wurde am Freitag, 22. Mai 2015 um 15:08 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Betriebsrat abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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6 Comments »

  1. typisch: Herr im Haus! So handeln Geschäftsführer, deren Sozialkompetenz von den Gesellschaftern nicht geprüft wird,

    Kommentar von: Jurist – am 23. Mai 2015 um 06:57

  2. pfff… Was en Kindskopf !
    Vielleicht braucht der BR ja auch künftig das „Fachwissen“ des alten BRV in bestimmten Situationen…z.B. als Externen Sachverstand.
    § 80 Abs.3 BetrVG und §111 Satz2 regeln das…

    Und einen „Externen Sachverstand“ sucht der BR sich selbst aus ! …Hausverbot ade !

    Kommentar von: peter62er – am 29. Mai 2015 um 12:20

  3. Wie hat scho Karl Marx gesagt:
    Wenn dein Gegner dich lobt, hast du was falsch gemacht.
    in diesem Sinne:
    Ein Lob der Geschäftsführung mal anders.
    Zusammengefasst:
    Als BRV sehr gute Arbeit geleistet.

    Kommentar von: Stöcki – am 01. Juni 2015 um 15:31

  4. Die Entscheidung des besagten Geschäftsführers finde ich unmenschlich und auch für andere Mitarbeiter des Unternehmens nicht wertschätzend. Allerdings scheint diese Form des Umgangs mit (ausscheidenden) Betriebsräten fast schon normal zu sein. Die angepassten und so manches Mal auch noch wenig informierten Betriebsräte sind die bei den Unternehmensleitern die beliebtesten. Eine Kultur im Umgang kenne ich nicht – und darin bestärken mich viele Gespräche. Wie findet die Gesellschaft wieder zu einem menschichen Umgang miteinander?

    Kommentar von: Sigrid Goldbeck – am 02. Juni 2015 um 11:01

  5. Viel Feind, viel Ehr‘! Das größte Lob und höchste Anerkennung für einen Betriebsrat sind Zurücksetzung und Tadel seitens des Arbeitgebers. Daß Michael Müller sich so lange auf seinem Platz behaupten konnte, zeigt, daß er alles oder zumindest weitgehend alles richtig gemacht hat. Gradlinigkeit, Mut und Kompetenz kann man leider nicht jedem Mitglied eines Betriebsratsgremiums bescheinigen. Meinen Glückwunsch und alles Gute für den hart erkämpften Ruhestand.

    Kommentar von: Brosamensammler – am 04. Juni 2015 um 10:16

  6. Wenn der Michael Müller diesen Kommentar hier liest, hoffe ich auf eine Antwort
    Mit freundlichen Grüßen
    Daniel Klein
    Meine Kontakt Emailadresse lautet danielklein1703@yahoo.de

    Kommentar von: Daniel Klein – am 15. Oktober 2015 um 12:51

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