Neue Forschungsergebnisse bestätigen die emotionale Wirkung von Paraphrasieren

Gastbeitrag unseres ifb-Kommunikationsexperten Thomas Hubert

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Als Betriebsrat wissen Sie es vielleicht aus eigener Erfahrung – oder aus einem Betriebsratsseminar rund um das Thema Kommunikation: Aktives Zuhören oder Paraphrasieren ist eine der wichtigsten Techniken konstruktiver Gesprächsführung. Wer den Aussagen des Gesprächspartners aufmerksam folgt und sie anschließend mit seinen eigenen Worten wiederholt, signalisiert dem Gegenüber, dass er ernst genommen wird. Gleichzeitig gewinnen Sie selbst dadurch Zeit, können die eigenen Gedanken sortieren und besser argumentieren. In einem Berliner Forschungsprojekt wurde nun die Wirkung aktiven Zuhörens und Paraphrasierens in drei Studien wissenschaftlich untersucht.

Studien belegen positive Wirkung von aktivem Zuhören und Paraphrasieren

In der ersten Studie wurden den Teilnehmern jeweils Fragen zu Konfliktsituationen gestellt. Bei der Experimentalgruppe wurden die Antworten mit aktivem Zuhören wiederholt, bei der Kontrollgruppe wurden sie lediglich notiert. Bei der zweiten Studie mussten die Teilnehmer im MRT (Magnetresonanztomographie) kognitive Aufgaben lösen, zu denen sie entweder positives oder negatives Feedback bekamen. In der dritten Studie wurden den Teilnehmern im MRT Fragen gestellt. Sie bekamen entweder unempathische Antworten oder ihre eigenen Antworten wurden paraphrasiert.

Im Anschluss wurden die Teilnehmer der drei Studien jeweils über ihre aktuelle Stimmung und Gefühlslage befragt. Außerdem wurden psychophysiologische Messungen durchgeführt, weil sich bei den meisten Menschen durch emotionale Reaktionen Pulsschlag, Atmung und Hautwiderstand verändern. So führt beispielsweise Stress zu erhöhter Schweißproduktion.

In allen Studien konnte der Nachweis geführt werden, dass aktives Zuhören und Paraphrasieren zu positiveren Gefühlen führen, besonders wenn empathische und soziale Rückmeldungen gegeben werden. Allein die Tatsache, dass jemand aufmerksam und empathisch zuhört, verbessert also das eigene Gefühl – ganz unabhängig davon, ob dem eigenen Standpunkt zugestimmt wird oder nicht. Darüber hinaus scheint empathisches Paraphrasieren besonders positiv bei Empfängern zu wirken, denen es emotional schlecht geht oder die instabil sind. Wenn sich also Mitarbeiter mit schwierigen Problemen an Sie als Betriebsrat wenden, kann die richtige Reaktion während des Gesprächs schon entscheidend sein.

Aktives Zuhören oder Paraphrasieren in der Betriebsratsarbeit

Wie können Sie die Ergebnisse der Studien für die Betriebsratsarbeit nützen? Als Betriebsrat haben Sie es oft mit schwierigen Gesprächssituationen zu tun – von Verhandlungen mit dem Arbeitgeber bis zur Vermittlung von Konflikten zwischen Mitarbeitern. Aktives Zuhören oder Paraphrasieren gibt Ihnen die Möglichkeit, auch konfliktreiche oder emotional stark aufgeladene Diskussionen in eine positive Richtung zu lenken.

Stellen Sie sich zum Beispiel vor, Ihr Arbeitgeber möchte die Funktionszeiten in der Buchhaltung bis 18 Uhr erweitern und kommt mit diesem Wunsch auf Sie zu. Sie haben nun zwei Möglichkeiten zu reagieren: Sie können sofort auf Abwehr schalten und Ihre Gegenargumente einbringen. Oder Sie können zunächst aufmerksam zuhören und Ihr Verständnis ausdrücken, indem Sie die Botschaft paraphrasieren: „Sie wollen die Funktionszeiten in der Buchhaltung erweitern, weil Sie Bedarf sehen für eine längere Ansprechbarkeit, sowohl intern als auch extern.“ Der weitere Verlauf der Diskussion wird in beiden Fällen vermutlich sehr unterschiedlich verlaufen. Während im ersten Fall die Konfrontation vorprogrammiert ist, ist im zweiten Fall ein echtes Gespräch möglich, in dem beide Seiten versuchen, die Perspektive des jeweils anderen nachzuvollziehen.

Oft geht es beim Paraphrasieren auch darum, nicht nur die Inhalte, sondern die Emotionen, die dahinterstecken, zu verbalisieren. Besonders wenn es gilt, Konflikte zu klären, egal ob zwischen Kollegen oder zwischen Mitarbeiter und Führungskraft, kommt dies zum Tragen: „Wenn ich das richtig verstanden habe, sind Sie stark verärgert, weil sie sich unfair behandelt fühlen.“ Die Spiegelung der jeweiligen Gefühlslage gibt den Gesprächspartnern die Gelegenheit, sich genauer zu äußern, Missverständnisse aufzuräumen und emotional Abstand zu gewinnen.

Im Zuge der Studie weisen die Forscher allerdings darauf hin, dass der Effekt des aktiven Zuhörens bzw. Paraphrasierens stark von der Qualität und der Gestaltung abhängt. Es ist wichtig, dass Inhalt und Form des aktiven Zuhörens sowohl den Kern des Gesagten treffen als auch die Gefühle, Bedürfnisse und Überzeugungen des Gesprächspartners.

Quelle: Zeitschrift für Konfliktmanagement 5/2019

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Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 24. Oktober 2019 um 11:23 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Betriebsrat, Gesprächsführung abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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