Bosch Rexroth, UmstrukturierungWas mag das nur für ein schreckliches Gefühl sein, wenn man erfährt, dass der Arbeitgeber ein Kostensenkungsprogramm in gewaltiger Höhe plant? Die Mitarbeiter der Bosch Rexroth AG mit Sitz im unterfränkischen Lohr am Main machen diese Erfahrung gerade. Ende Juli gab das Industrieunternehmen bekannt, dass es „seine Zukunftsfähigkeit langfristig sichern wolle“. Es geht dabei um den großen Produktbereich Mobile Anwendungen. Hier werden Getriebe und Hydrauliken für mobile Arbeitsmaschinen auf Baustellen oder in der Landwirtschaft hergestellt.

Die Rede ist von einer Kostenreduzierung in Höhe von 450 Millionen Euro. Kostenreduzierung, 450 Millionen? Die Angst um den Arbeitsplatz wird angesichts dieser Worte und Zahlen bei vielen sofort von 0 auf 100 gestiegen sein. Was für ein Schock!

Jetzt ist der Betriebsrat gefordert, vielleicht wie noch nie zuvor. Bosch Rexroth kündigte an, mit den Arbeitnehmervertretern offene Gespräche zu führen, um ein Gesamtkonzept zu prüfen und evtl. alternative Maßnahmen zu überlegen. Die Kolleginnen und Kollegen vor Ort sind am Kochen, denn: Nach einem Artikel der Würzburger Main-Post habe der Arbeitgeber klare Aussagen gerade zur Zukunft der Arbeitsplätze vermieden. Den „historischen neuen Weg“, den das Unternehmen beschrieben hat, hätte man von Anfang an sofort gemeinsam mit den Betriebsräten begehen müssen. Nun spiele man den Ball an die Arbeitnehmervertreter und fordere sie dazu auf, ein alternatives Konzept zu entwickeln und das in kurzer Zeit. Das sei richtig unverschämt.

Der Betriebsrat wurde aufgefordert, innerhalb kurzer Zeit ein alternatives Konzept für den Konzernumbau und die Umstrukturierung zu erstellen.

Alternative Vorschläge bei Umstrukturierungen, bei denen auch Stellenabbau im Gespräch ist: Das schüttelt niemand schnell mal so aus dem Ärmel. Arbeitgeber bereiten diese Pläne zum Teil monate- wenn nicht jahrelang mit Hilfe von Unternehmensberatungen im Detail vor. Hier arbeiten oft erfahrene Experten, die sich bestens mit sowas auskennen.

Überflüssig zu sagen, dass es nirgendwo einen Betriebsrat gibt, der hier inhaltlich aus dem Stand mithalten könnte. Genau aus diesem Grund springt das Betriebsverfassungsgesetz ein und gibt der betrieblichen Interessenvertretung einen sehr hilfreichen Anspruch an die Hand: Das Recht, in bestimmten Situationen auf externen Sachverstand zurückzugreifen, bezahlt vom Arbeitgeber.

So regelt § 80 Abs. 3 BetrVG, dass der Betriebsrat zur Durchführung seiner Aufgaben nach näherer Vereinbarung mit dem Arbeitgeber Sachverständige hinzuziehen kann, soweit dies […] erforderlich ist.

Und speziell im Falle von Betriebsänderungen gibt § 111 S. 2 BetrVG dem Betriebsrat einen eigenen Anspruch auf die Hinzuziehung von Beratern, sofern mehr als 300 Arbeitnehmer im Betrieb sind.

Genau darauf greifen die Kollegen vom Betriebsrat bei Bosch Rexroth nun zurück. Das ist gut so und wirklich sehr wichtig, denn die Konzernumstrukturierung eines so großen Unternehmens ist ein völlig anderes Kaliber, für das wirklich gute Leute benötigt werden. Man habe sich deshalb bereits die Unterstützung von drei externen Beratungsfirmen gesichert und die unverzügliche Herausgabe aller notwendigen Zahlen und Fakten gefordert, die für die Erstellung eines solchen Konzeptes erforderlich sind.

Das ist wohl die richtige Vorgehensweise. So gibt es etwa auch beim ifb, dem Institut zur Fortbildung von Betriebsräten, einen eigenen Geschäftsbereich, der sich nur um die Vermittlung solcher Sachverständiger kümmert. Rechtsanwalt Jörn Wolfgram und sein Team analysieren den Bedarf unterstützungssuchender Betriebsräte und wählen aus einem großen Pool, der viele Hundert Experten umfasst, den am besten geeigneten aus. Jahrelange Erfahrung und natürlich auch eigener Sachverstand helfen dabei.

Auf diese Weise wird sichergestellt, dass nicht „irgendjemand“ tätig wird, sondern nur diejenigen, die sich wirklich am besten auskennen. Denn anders funktioniert es nicht.

Übrigens: Schon oft hat sich herausgestellt, dass gerade die Sachverständigen des Betriebsrats deutlich bessere und für die Belegschaft tragfähigere Konzepte geliefert haben, die letztlich dann auch umgesetzt wurden.

Im Fall von Bosch Rexroth ist das Ziel, mögliche betriebsbedingte Kündigungen soweit wie möglich abzuwenden. Und auch viele sonstige Nachteile, die ins Spiel kommen werden. Es wird schwierig, kein leichter Job. Wir drücken die Daumen.

Quelle: Main-Post – Bildquelle: © industrieblick – fotolia.de

 

 



Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 11. August 2015 um 14:29 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Betriebsrat abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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