von Peter am 15.02.2016, 17:24 Uhr , Kategorie: Betriebsrat

Betriebsrat, Mitbestimmung, BWL-StudiumBetriebsrat – was ist das? Ganz so arg dürfte die Antwort wohl nicht ausfallen, würde man einen BWL-Studenten heutzutage nach seinem Wissen über Mitbestimmung fragen. Aber zu recht viel mehr wird es bei der zukünftigen Wirtschaftselite auch nicht reichen. Denn glaubt man einer neuen Studie der Europäischen Akademie für Arbeit (Universität Frankfurt), dann haben die angehenden Manager und Personalverantwortlichen nur wenig Schimmer, wie das Miteinander der Betriebsparteien rechtlich und tatsächlich funktioniert.

Warum? Nun, weil es gar nicht gelehrt wird. Ein Forscher-Team analysierte die Studienpläne im Fach Betriebswirtschaft von 25 deutschen Hochschulen. Nach diesen kommt das Thema Mitbestimmung im Unterricht einfach nicht vor. Wo jeder angehende Jurist im Fach Arbeitsrecht auch zur kollektiven Mitbestimmung auf Herz und Nieren geprüft wird, belegen die zukünftigen Personaler das Thema höchstens freiwillig als Wahlfach. Ein „blinder Fleck“ sei das, so die Autoren der Studie.

Alles nur halb so wild? Diesen Eindruck vermittelt Barbara E. Weißenberger. Sie ist Vorsitzende des Verbandes der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft. Auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung erkannte sie keinen Nachteil in der bestehenden Situation. Warum? Das Fach BWL berücksichtige den Komplex „Teilhabe“ heute in einem ganzheitlichen Zusammenhang. Dabei würde man sich intensiv mit Themen der sozialen Verantwortung und Unternehmensethik beschäftigen.

Tatsache ist jedoch auch, dass in einigen der untersuchten Publikationen die Mitbestimmung als „Rahmenbedingung“ dargestellt wird, mit der man sich als Manager eben „zu arrangieren“ habe. Auch der Begriff „Störfaktor“ fällt. Was soll man da noch sagen?

Vor diesem Hintergrund wundert es auch nicht, wenn Jung-Manager, die frisch von der Uni im Betrieb erscheinen, mit nur wenig Verständnis und ohne viel Hintergrundwissen auf die engagierten Kolleginnen und Kollegen treffen. Es ist dann der erste reale Kontakt mit besagtem „Störfaktor“ und oft kracht es dann halt. Nun weiß man wenigstens etwas besser warum. Ein Pflichtfach „Betriebliche Mitbestimmung“ wäre für alle, die später einmal in Betrieben in leitender Position verantwortungsvoll mit Menschen umgehen sollen, unbedingt erforderlich.

Quelle: Süddeutsche Zeitung – Bildquelle: © kasto – fotolia.de



Dieser Beitrag wurde am Montag, 15. Februar 2016 um 17:24 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Betriebsrat abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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2 Comments »

  1. Ja, es ist traurig, was so alles nicht an deutschen Unis gelehrt wird. Aber eigentlich können die Betriebsräte froh sein, daß möglichst wenig über sie gelehrt wird; denn die meisten Uni-Profs halten nicht viel von den lästigen Arbeitnehmervertretungen. Entsprechend negativ würde dann auch das Thema „Betriebsräte“ vermittelt werden. Dann wären die Vorbehalte der jungen Führungskräfte noch größer, als sie ohnehin schon sind. Man sehe nur auf das angespannte Verhältnis zwischen BWLern und Juristen – BWLer meinen in der Regel, daß sie einen Betrieb auch ohne Rechtsbeistand und Betriebsrat führen können. Das geht dann so lange gut, bis sie einmal auf die Nase fallen. Dann lernen sie oft recht schnell den Unterschied zwischen führen und leiten – oft, aber leider nicht immer. Bei manchen BWLern dauert die Trotzphase mit vielen Gefechten unter Umständen Jahre.

    Kommentar von: Holger – am 03. März 2016 um 17:40

  2. In der Betriebswirtschaftslehre geht es in erster Linie nur darum, Kosten zu minimieren und Erträge zu maximieren.

    Und oft kommt dann das Gefühl auf, dass im Lehrfach BWL der Mitarbeiter nur als Produktionsfaktor – respektive als notwendiges Übel – angesehen wird. Entsprechend springen die so gebrieften Jung-Manager dann mit dem ihnen unterstellten Personal um – verkennend, dass die Mitarbeiter das Herz und zugleich die Garanten des Unternehmenserfolges sind.

    Unter diesem Blickwinkel ist ein mutiger und durchsetzungsstaker Betriebsrat als Gegengewicht bitter notwendig – zum Nutzen der Mitarbeiter und zum Nutzen des Unternehmens selbst.

    Kommentar von: Volker – am 20. März 2016 um 15:04

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