Charlie Hebdo, Betriebsrat, Daimler, RastattMit einem unfassbar dämlichen Facebook-Eintrag kam er Anfang des Jahres in die Schlagzeilen. „Fuck Charlie Hebdo“ titelte ein Betriebsratsmitglied aus dem Rastatter Daimler-Werk öffentlich, unmittelbar nach den tödlichen Anschlägen auf die Redaktion des Pariser Satiremagazins im Januar. Die Reaktionen waren entsprechend: Entsetzen weit und breit. Arbeitgeber, IG Metall und auch das eigene Betriebsratsgremium leiteten ein Amtsenthebungsverfahren beim Arbeitsgericht Karlsruhe ein.

Mittlerweile kam alles ganz anders. Wie wir bereits berichteten, setzte das Gericht das Verfahren in der Zwischenzeit aus. Der Grund: Wegen Verstoß gegen arbeitsvertragliche Pflichten, die nichts mit der Äußerung zu tun hatten, kündigte der Autobauer dem Kollegen fristlos. Nach dem Scheitern der Güteverhandlung, wurde nun in dieser Woche verhandelt – und entschieden. Wegen grober Unregelmäßigkeiten bei der Arbeitszeiterfassung wies das Arbeitsgericht die Kündigungsschutzklage des BR-Mitglieds ab. Er soll seine Arbeitszeiten mehrfach manuell nachgetragen haben. Dabei lag sein angeblicher Arbeitsbeginn aber oft vor dem per Stempel nachweisbaren Zutritt auf das Daimler-Arbeitsgelände, schreibt das Handelsblatt. Eine plausible Erklärung, wie so etwas möglich sei, erfolgte nicht, so der Richter.

Der Kollege ließ nach der Verhandlung wissen, dass er in Berufung gehen werde um, so meint er, „ein Grundsatzurteil“ zu erstreiten. Warum? Weil die Sache mit dem Arbeitszeitbetrug seiner Meinung nach nur vorgeschoben sei: Daimler wolle ihn tatsächlich wegen seinen Charlie Hebdo-Äußerungen loswerden.

Über die Motive des Arbeitgebers können wir nichts sagen. Aber der Arbeitszeitbetrug steht im Raum, die Vorwürfe sind handfest, ausräumen konnte er sie jedenfalls nicht. Und auch wenn das eine mit dem anderen nichts zu tun haben darf: Von irgendeiner Art der Reue oder des Bedauerns über sein menschenverachtendes Posting ist bislang nichts bekannt. Bitter!

Quelle: Handelsblatt – Bildquelle: © Creative Commons BY-SA 2.0, via flickr/Valentina Media



Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 16. September 2015 um 16:18 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Betriebsrat, Kündigungsschutz abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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