KiKWer sich in Arbeitsgerichtsprozessen von der Kanzlei Dr. Schreiner vertreten lässt, der könnte das unter Umständen auch als frühe Kampfansage an den Gegner meinen. Die Rechtsanwälte aus Attendorn im Sauerland wurden bisher vor allem mit aggressiven Seminarangeboten bekannt. Arbeitgeber können hier Veranstaltungen mit Titeln wie „Die Kündigung störender Arbeitnehmer“ oder „In Zukunft ohne Betriebsrat – Wege zur Vermeidung, Auflösung und Neuwahl des Betriebsrats“ besuchen. Das sind schon ziemlich klare Hinweise zur Marktpositionierung. Auf diesem Gebiet kennen sie sich aus, wie kein zweiter. Ein mehr als zweifelhafter Ruf!

Im Moment vertritt die Kanzlei von Dr. Schreiner das Unternehmen KiK. Der Textil-Discounter ist regelmäßig mit negativen Schlagzeilen in der Presse: Es geht um Lohndumping, das Ausspähen von Mitarbeitern und um miserable Arbeitsbedingungen bei den Zulieferbetrieben in der dritten Welt. Auch im Zusammenhang mit dem Einsturz eines Produktionsgebäudes in Bangladesch mit Hunderten von Toten wurde der Name Kik in Verbindung gebracht.

Und weil das alles nicht genug zu sein scheint, nimmt das Unternehmen gleich noch die betriebliche Mitbestimmung ins Visier. Und hat da in Dr. Schreiner sicher den passenden Partner gefunden.

Vor dem Arbeitsgericht Dortmund geht es um die Kündigung und den Ausschluss von Betriebsrat Andreas Piezocha aus dem BR-Gremium des Zentrallagers von KiK in Bönen bei Unna.

Der Staplerfahrer wurde vor einem Jahr in den Betriebsrat gewählt. Laut Presseberichten überzog ihn der Arbeitgeber im Folgenden wegen Kleinigkeiten mit Abmahnungen, allein 11 waren es im ersten halben Jahr. Nach zwei Verdi-Streiks im letzten Winter gab Piezocha der Partei Die Linke im Frühjahr 2015 ein Interview, das online erschien (kann man hier nachlesen ).

In diesem Gespräch schilderte er die Zustände bei Kik und erhebt Vorwürfe gegen das Unternehmen. Dabei geht um eine ältere und für die Mitarbeiter offenbar sehr nachteilige Betriebsvereinbarung, um den Arbeitsdruck ganz allgemein, um Löhne und Gehälter, um die Streiks für einen Tarifvertrag sowie das Verhalten des Arbeitgebers während den Streiks. Das ganze Ausmaß wurde auf dieser Seite hier eingehend dokumentiert.

Mit diesem Interview schien das Fass für den Arbeitgeber übergelaufen zu sein. Es folgte die Kündigung. Vor dem Dortmunder Arbeitsgericht kam es jetzt zum Gütetermin. Im Vorfeld hatten sich bereits Sahra Wagenknecht und Bernd Riexinger von den Linken mit dem Betriebsrat solidarisch erklärt. Zum Termin erschienen dann weit über 100 KiK-Mitarbeiter, die sich ebenfalls solidarisch zeigten. Über die turbulent verlaufende Verhandlung berichtet hier eine Lokalzeitung. Zu einer Einigung kam es nicht.

Bei KiK scheint der Spruch „Ist der Ruf erst ruiniert…“ Geltung erlangt tu haben. Denn anders ist das Vorgehen des zum Tengelmann-Konzern gehörenden Unternehmens nicht zu erklären. Schlechte Arbeitsbedingungen, die totale Ablehnung jeglicher Form von Mitbestimmung, das offenbar gezielte Mürbemachen von Beschäftigten, die sich gegen die herrschenden Zustände wehren und Verantwortung für ihre Kolleginnen und Kollegen übernehmen wollen. Horror!

Das Modell des sog. Union-Busting, wie es die Kanzlei Dr. Schreiner offensichtlich betreibt, scheint nach wie vor sehr lukrativ zu sein. Wir sind Außenstehende, doch fällt uns bei den hier handelnden Personen nur noch die Beschreibung „gewissenlos“ ein und das ist noch harmlos. Was ist nur los mit diesen Menschen? Dennoch: Das meiste rächt sich im Leben und langfristig wird eine solche (Lebens-)Einstellung keine Zukunft haben. Diese – keineswegs naive – Prognose wagen wir guten Gewissens.

Quelle: lokalkompass.de – Bildquelle: © Kerstin Waurick – iStock



Dieser Beitrag wurde am Freitag, 12. Juni 2015 um 17:24 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Betriebsrat abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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