von Peter am 29.08.2011, 14:40 Uhr , Kategorie: Betriebsrat

Wenn Beschäftigte in einem bislang betriebsratslosen Unternehmen einen neuen Betriebsrat gründen wollen, dann geht dies in vielen Fällen reibungslos über die Bühne. Denn: Gerade die Arbeitgeber sind, mal ganz pauschal gesagt, zum einen informiert genug, um zu wissen, dass sie nur wenig dagegen unternehmen können. Zum anderen sind sie auch schlau genug, um die Vorteile zu sehen, die eine vernünftige Vertretung der Belegschaft an sich, vor allem aber, die eine konstruktive Zusammenarbeit mit dieser Vertretung mit sich bringen kann!

Ausnahmen bestätigen leider die Regel! Schon fast vorsintflutlich mutet es an, über was die Lübecker Nachrichten neulich berichteten: Da gibt es einen kleinen Betrieb am Lübecker Nordlandkai mit rund 30 Mitarbeitern. Es handelt sich um die Niederlassung eines Unternehmens, welches im Lübecker Hafengebiet im Auftrag von Speditionen große  Papierrollen auf Schwerlaster verlädt. Laut Aussage eines dort beschäftigten Mitarbeiters werden die Sicherheitsbestimmungen eklatant verletzt: Ungelernte Hilfsarbeiter würden regelmäßig gefährliche Arbeiten vornehmen und das teilweise ohne Sicherheitskleidung. Die Zustände seien schlecht, die Bezahlung sowieso!

Drei Beschäftigte wollen an dieser Situation etwas ändern, die Gründung eines Betriebsrats erschien ihnen dabei zurecht als das beste Mittel. Im Betrieb veröffentlichen sie eine Bekanntmachung: „Es besteht in unserem Unternehmen bislang noch kein Betriebsrat, der die Interessen der Belegschaft vertreten könnte“, so heißt es darin. Nur zwei Tage später erhielten alle drei ihre schriftliche Kündigung! Zwei davon wurden nicht einmal begründet. Bei einem hieß es angeblich, er sei zu schnell auf dem Firmengelände gefahren!

Das Verhalten dieses Unternehmens macht sprachlos! Nicht nur, dass hier Beschäftigte über Niedriglöhne wieder mal ausgebeutet werden. Nein, auch an Leib und Leben der Kolleginnen und Kollegen scheint der Geschäftsführung nicht viel gelegen zu sein. Schließlich kostet die Einhaltung von Sicherheitsstandards Geld. Also weg damit, so scheint die Devise zu lauten. Wichtig: Nicht zuletzt sind solche Zustände immer auch ein Fall für Gewerbeaufsicht und Berufsgenossenschaft!

Die gekündigten Kollegen wehren sich nun vor dem Arbeitsgericht. Die erste Güteverhandlung fand bereits statt: Die Geschäftsleitung habe eine Wiedereinstellung jedoch abgelehnt, lieber würde man eine Abfindung zahlen. Wie beschämend ist das!

„Ein Betriebsrat werde eingerichtet„, so Silvia Reichert von der Gewerkschaft ver.di. Die eine Betriebsratswahl einleitende Betriebsversammlung habe stattgefunden. Zwar traue sich derzeit niemand der Beschäftigten, als Wahlvorstand zu kandidieren. Für diesen Fall bestehe aber die gesetzliche Möglichkeit, dass ein solcher durch das Arbeitsgericht bestimmt und eingesetzt wird. Diesen Weg werde die Gewerkschaft gehen. Das Unternehmen selbst hat sich auf Drohgebärden zurückgezogen: Von Druck auf alle Arbeitnehmer ist die Rede und davon, dass der Betrieb angeblich geschlossen werde, falls ein Betriebsrat installiert wird.

Da scheint wirklich Hopfen und Malz verloren. Gekündigt gehört hier einzig und allein die scheinbar völlig unfähige und darüberhinaus auch noch skrupellose Geschäftsführung. Und erneut gilt, wie immer in solchen Fällen: Schlechte Presse gibt es für Unternehmen dieser Art gratis obendrauf!

Peter

 

Bildquelle: © Kybele - Fotolia.com


Dieser Beitrag wurde am Montag, 29. August 2011 um 14:40 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Betriebsrat abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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