BetriebsratsgründungBei der Bagel Direkt GmbH in Mönchengladbach hat die komplette Belegschaft eine Kündigung erhalten. Die Mitarbeiter hatten vor, einen  Betriebsrat zu gründen, der sich für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen wollte. Betroffen sind 44 Festangestellte und 170 Leiharbeiter, berichtet die Rheinische Post. Der Geschäftsbetrieb soll weitergehen, nur zukünftig mit anderen Beschäftigten.

Firmenchef stellt den Sachverhalt anders dar

Geschäftsführer Dr. Udo Bogner meint, mit einer Betriebsratsgründung habe der Betrieb überhaupt kein Problem. In anderen Teilen des Konzerns seien Betriebsräte selbstverständlich. Vielmehr habe man befürchtet, dass die Mitarbeiter mit Hilfe eines Streiks die Durchsetzung eines Tarifvertrags haben erzwingen wollen. Dies hätte zu einer für die GmbH nicht bezahlbaren Kostenstruktur geführt.

Kündigungsgrund „Gefahr einer politischen Maßnahme der Gewerkschaft ver.di“?

Das Motiv, „dieser Gefahr einer politischen Maßnahme der Gewerkschaft ver.di“ vorzubeugen mag nicht ganz so offensichtlich unzulässig sein, wie eine Kündigung wegen einer Betriebsratsgründung. Dennoch: eine Kündigung aller Mitarbeiter, weil man Lohnerhöhungen durch einen Tarifvertrag befürchtet??? Das wird schwierig durchzusetzen sein. Ob ein Arbeitsgericht die Wirksamkeit der Massenentlassung überprüfen wird, hängt allerdings davon ab, ob die Arbeitnehmer innerhalb von drei Wochen gegen die ausgesprochenen Kündigungen vorgehen. Der zuständige ver.di – Gewerkschaftssekretär hat laut Rheinischer Post hier den betroffenen Arbeitnehmern seine Unterstützung zugesagt.

Bildquelle: © Nick Freund – fotolia.de

 



Dieser Beitrag wurde am Freitag, 15. April 2016 um 09:00 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Betriebsrat, Kündigungsschutz abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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5 Comments »

  1. bei uns ging gestern die Meldung herum.

    Da wir ebenfalls mitten in der Gründungsphase eines Betriebsrates stehen, sind solche Meldungen schon deprimierend.
    Überhaupt gab es in letzter Zeit einige Medienberichte, in den Betriebsräte zu Wort kamen:
    Panama Papers – Betriebsrenten der Firma Olympia
    Karstadt – finanzielle Ausbeutung wegen hoher Pachtzahlungen
    es gibt etliche Missstände in unserer Gesellschaft. Wann wird die Politik endlich aktiv? Welche Parteien haben die Sichtweise?
    Politiker sollten ab und zu auch mal wieder ins Grundgesetz und nicht nur auf ihr Bankkonto schauen. Gewerkschaften, als mächtigste Institution, sollte weitsichtiger sein und nicht nur kurzfristig auf Lohnerhöhungen sich festschreiben. Es ist ein gesellschaftliches Problem, das Arbeitsplätze mehr und mehr abgebaut werden. Lasst erst mal in ein paar Jahrzehnten Afrika so weit sein. Afrika wird Asien mit billigen Arbeitskräften ablösen. Es ist erschreckend, dass im Endeffekt das Kapital alle Lebensbereiche unserer Gesellschaft bestimmt.

    Wir werden erstmals einen Betriebsrat nächste Woche wählen.

    Den Kolleginnen und Kollegen der Bagel kann man nur hoffen, dass Arbeitsgerichte eine wohlwollende Lösung erstreiten.

    Schöne Grüße aus Köln

    Günter Kaiser

    Kommentar von: Günter Kaiser – am 15. April 2016 um 12:43

  2. Hallo Kollege,
    ich kann Deine Ausfuehrungen nur unterstreichen und wuensche euch viel Erfolg bei euren Wahlen.
    Gewerkschaften wie Ver.di tun was und vor allem unterstützen sie uns in allen Fragen der Betriebsverfassung.
    Eins noch: Als wir vor 15 Jahren begannen, eine BR-Wahl zu organisieren, sind wir, die Organisatoren, erst mal in diese Gewerkschaft eingetreten. Der Schutz, der uns sofort zugesagt worden ist, hat uns in unseren Auseinandersetzungen mit der Arbeitgeberin sehr geholfen – ueberlegt euch, ob ihr dies nicht auch tun solltet.
    Alles Gute und nochmals viel Erfolg und gutes gelingen

    Kommentar von: Gerhard Stadler – am 15. April 2016 um 16:19

  3. Liebe Mitarbeiter der Bagel Direkt GmbH,
    wenn euer Geschäftsführer schon nicht zwischen Betriebsrat und Gewerkschaft unterscheiden kann, wird er vom Betriebsverfassungsgesetz auch keinen Schimmer haben. Denn ein Betriebsrat hat kein Streikrecht. Und hier geht es wohl nur darum jegliche Mitbestimmung zu verhindern. Also wird ein Arbeitsgericht diesen ahnungslosen Geschäftsführer hoffentlich eines Besseren belehren.
    Es ist normal, dass in einer Geschäftsführung vor der Betriebsratsgründung Panik herrscht. Nicht einschüchtern lassen! Also liebe Angestellte der Bagel Direkt GmbH, setzt euch vor dem Arbeitsgericht durch. Wenn ihr offensichtlich unter Tarif bezahlt werdet, lohnt es sich in diesem Betrieb etwas zu verändern. Und auch das Verhältnis von Festangestellten zu Leiharbeitern zeigt deutlich, welch ein Ausbeuter euren Betrieb führt. Ich wünsche Euch den nötigen Mut und natürlich viel Glück!

    Kommentar von: H. Kühnel – am 18. April 2016 um 08:58

  4. Liebe Bagel Direkt GmbH, einen Br zu haben bedeutet nicht das Ende der Welt, ganz im Gegenteil. Ein Gutes Einvernehmen mit dem BR kann für beide Seiten ein Gewinn sein, man(n) muss es nur zulassen. Eure Vorgehensweise lässt leider nur den einen Schluss zu: „Ihr habt Dreck am Stecken.“ Gott sei Dank für eure Belegschaft, das einige den Mut haben etwas ändern zu wollen. Dafür kann ich allen Beteiligten nur alles Gute und viel Durchhaltevermögen wünschen und eurer Geschäftsleitung eine , wenn auch späte Einsicht,das ein BR nicht das Ende, sondern ein Anfang für ein achtungsvolles Miteinander ist. dafür viel Glück

    Kommentar von: u_zander – am 18. April 2016 um 14:29

  5. Nun ja, wenn die Geschichte so stimmt, dürften ja sämtliche Kündigungen unwirksam sein. Einen Gefallen wird sich das Unternehmen insoweit nicht getan haben, weder rechtlich, noch in der öffentlichen Wahrnehmung. Bad Management.

    Kommentar von: nvb – am 17. November 2016 um 16:58

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