Zalando, Schrei vor GlückMehr als 2.500 Mitarbeiter, eine Wahlbeteiligung von 70 Prozent und 21 neue Kolleginnen und Kollegen, die den Schritt gewagt haben. Gratulation, Zalando in Erfurt hat es getan: Nach der Wahl eines Betriebsrats im Logistik-Standort Brieselang bei Berlin, werden Anfang Juni einige Tausend Beschäftigte im riesigen Zalando-Hauptlager Erfurt vor Glück geschrien haben: Die Mitbestimmung ist – endlich – auch bei ihnen angekommen.

Schrei vor Glück – mit diesem Spruch und attraktiven Werbevideos zog der Online-Händler vor einigen Jahren jede Menge Aufmerksamkeit auf sich. Auch dadurch legte er den Grundstock für sein raketenartiges Wachstum im Bereich des Internet-Schuh- und Modeshoppings im deutschsprachigen Raum. Der Umsatz explodierte in letzten Jahren nahezu: Nach 150 Millionen Euro im Jahr 2010 betrug er 2014 bereits gigantische 2,2 Milliarden Euro. Das jährliche Wachstum liegt  immer im zweistelligen, manchmal im dreistelligen Prozentbereich (zuletzt gab es 26 % Plus 2013/14).

Schreien vor Glück konnten bislang, gerade wegen dieser Entwicklung, vor allem die Anteilseigner, weniger die Mitarbeiter. Deren Arbeitsbedingungen gerieten in den Fokus, als zwei TV-Reportagen von ZDF (2012) und RTL (2014) ausgestrahlt wurden. Diese berichteten, zum Teil under cover, über wirklich miese Zustände in den Betrieben. Die wichtigsten Vorwürfe lauteten: Unzumutbare Arbeitsbedingungen in den Großlagern, übermäßige Kontrollen der Beschäftigten, massive Leiharbeitnehmeranteile in der Belegschaft und – natürlich – schlechte Arbeitszeitregelungen sowie schwach entlohnte Mitarbeiter.

Selbstverständlich gab es keinen Betriebsrat.

Zumindest letzteres hat sich geändert. Im August 2014 ging die Belegschaft im brandenburgischen Briselang an die Urnen, nun zog das Zalando-Hauptlager in Erfurt nach. 21 Mitglieder hat das neue Gremium, fünf von ihnen werden in Zukunft freigestellt arbeiten können. Eine neue Zeit bricht an im größten Kleiderschrank Europas (Zalando-Selbstbeschreibung). Die Schulungen der Betriebsräte sind bereits angelaufen, damit die Mitbestimmungsrechte möglichst bald und qualitativ bestens ausgeübt werden können.

Fehlt noch das jüngste der drei Logistikzentren in Mönchengladbach! Seit knapp drei Jahren arbeiten auch hier mehr als 1.000 Beschäftigte. Zalando hat hier noch Einiges vor, vertraut man den Ausbauplänen für den Standort. Flächenmäßig soll das hier mal so groß wie in Erfurt werden. Die Kollegen in NRW könnten sich, gerade zur Zeit, die Aufbruchstimmung im Bereich der Mitbestimmung zu Nutze machen und nachziehen. Dann wäre Zalando fast komplett in der betrieblichen Interessenvertretung verankert. Wir finden: Ein wichtiger Schritt, auch für die ganze Branche.

Was man über Betriebsratswahlen noch so wissen sollte.

Quelle: Ostthüringer Zeitung – Bildquelle: © forkART Photography – fotolia.de



Dieser Beitrag wurde am Montag, 10. August 2015 um 14:33 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Betriebsrat abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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2 Comments »

  1. Sollte dem Zalando-Vorstand inzwischen tatsächlich klar geworden sein, wie wichtig ein fairer Umgang mit Mitarbeiter/Innen ist, die an der Front die Umsätze erwirtschaften?

    Wenn die Herren es tatsächlich erkannt haben sollten, dann gratuliere ich zu der Einsicht 😉

    Kommentar von: Silvia Tito – am 12. August 2015 um 09:54

  2. Na endlich,wird auch Zeit. Für die Kollegen hat sich ein langer Kampf gelohnt! Glückwunsch !
    Wann ist es endlich bei „amazon“ so weit?? Die Unternehemnsführung ist ja noch viel hartleibiger!

    W. St.

    Kommentar von: Werner Steuding – am 19. August 2015 um 07:42

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