von Peter am 07.08.2015, 14:19 Uhr , Kategorie: Betriebsrat

DruckereiDie GGP Media GmbH aus Pößneck ist eine der größten Offsetdruckereien Europas. Knapp 1.000 Mitarbeiter sind hier beschäftigt. Bis zur Wende druckten die Thüringer fast alle Bücher der DDR, sogar das Telefonbuch von Moskau wurde hier hergestellt. Bekanntheit erlangte das Unternehmen auch, weil es sich 2005 als erstes europäisches Unternehmen überhaupt hat FSC-zertifizieren lassen. In Punkto „umweltverträgliche Produktion“ stellte dies eine Pionierleistung dar. Auch die beliebten Harry Potter-Bücher hat GGP Media gedruckt, die deutsche aber auch die englische Version. Eine gewaltige Auflage war das, die wegen der Neugier der Fangemeine unter den strengsten Sicherheitsvorkehrungen hergestellt wurde, was weltweit zu vielen Berichten führte.

Nun ist leider der Betriebsrat des Unternehmens in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Wie MDR Thüringen berichtet, werden aktuell im Betrieb Unterschriften gesammelt, um eine Neuwahl des BR-Gremiums zu erreichen. Falko Eismann, der Initiator der Aktion, erklärte dem Radiosender MDR die Gründe: Man sei unzufrieden mit dessen Arbeit. Die Kollegen vom Betriebsrat würden sich nicht genügend für die Belange der Belegschaft einsetzen.

Ein dazu befragtes Betriebsratsmitglied zeigte sich auf Rückfrage des MDR überrascht von der Unterschriftensammlung. Detailliert äußern wollte es sich dazu nicht.

Häufig ist die Kommunikation das tatsächliche Problem, wenn es zu Streitigkeiten im Betrieb kommt, nicht die Sache selbst.

Das Unternehmen GGP gehört zur Bertelsmann Gruppe. Ende letzten Jahres hat man 51 Stellen gestrichen. Diese wurden scheinbar durch Leiharbeitnehmer ersetzt. Vorausgegangen waren monatelange Verhandlungen zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat. Um noch größere Einschnitte zu verhindern, habe die betriebliche Interessenvertretung Kürzungen beim Lohn und Streichungen von Einmalzahlungen zugestimmt. Sogar die Schließung des Standortes sei zur Diskussion gestanden. Sicherlich eine sehr schwere Verhandlungssituation damals, vor allem für den Betriebsrat.

Nun aber begehrt eine offenbar sehr unzufriedene Belegschaft auf. Angeblich wurden schon 100 Unterschriften gesammelt. Ein Viertel aller wahlberechtigten Arbeitnehmer müsste unterschreiben, damit ein Antrag auf Auflösung des Betriebsrats nach § 23 Abs. 1 BetrVG gestellt werden kann. Die Hälfte davon könnte das  schon getan haben.

In der inhaltlichen Prüfung vor dem Gericht müsste übrigens auch eine grobe Verletzung der gesetzlichen Pflichten des Betriebsrats nachgewiesen werden. Nicht ganz einfach, denn: Unzufriedenheit ist eine Sache, eine grobe Pflichtverletzung eine andere.

Oft stellt sich in Situationen wie diesen heraus, dass das tatsächliche Problem woanders liegt. So streitet und diskutiert man auf der sachlichen Ebene und manchmal ist es dann so, dass das Verhandlungsergebnis und das Wunschergebnis auseinanderfallen. Man hat das nicht immer in der Hand. Wenn es denn so einfach wäre.

Als eigentlicher Knackpunkt stellt sich häufig die Kommunikation nach innen wie nach außen dar. Es ist so vielfältig, was da alles schieflaufen und möglicherweise bei den Empfängern falsch ankommen kann. Niemand ist zum Kommunikationsexperten geboren. Das ist mit ein Grund, warum wir ein ziemlich umfangreiches Schulungsprogramm zu Kommunikation, Verhandlungsführung und Rhetorik anbieten. Wir halten das für äußerst wichtig! Das ifb hat mit solchen Seminaren vor über 25 Jahren angefangen! Rechtskenntnisse erwerben ist das eine. Geschickt verhandeln und das ganze in geeigneter Weise präsentieren, das andere. Beides können = perfekt!

Man sollte sich in Pössneck nochmal hinsetzen und miteinander reden. Auch wenn manchem schon bei dem Gedanken daran der Kragen platzt. Aber es ist und bleibt der für die allermeisten Kolleginnen und Kollegen vernünftigste Weg. Den Betriebsrat aufzulösen, das ist es in den seltensten Fällen!

Quelle: MDR Thüringen – Bildquelle: © industrieblick – fotolia.de



Dieser Beitrag wurde am Freitag, 07. August 2015 um 14:19 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Betriebsrat abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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