von Susanne am 08.04.2013, 13:14 Uhr , Kategorie: Betriebsrat

Bevor man die Läden sieht, riecht und hört man sie schon: Süßlich-penetranter Duft wabert durch die Luft und laute Musik wummert aus den Boxen. Vor der Tür präsentieren durchtrainierte Surfertypen ihren Waschbrettbauch und begrüßen einen mit dem Standardsatz „Hey, what’s up? Welcome to the pier!“ in dem schummrig beleuchteten Laden. Sie werden dafür bezahlt, gut auszusehen. Sex sells! Einkauf als Kult – das ist die Masche von Hollister. Doch hinter den Kulissen des Tochterunternehmens von US-Konzern Abercrombie & Fitch glitzert es nicht ganz so schön, wie einem vorgemacht wird. Südkalifornische Leichtigkeit für alle? Weit gefehlt!

Der Betriebsrat der Filiale in Frankfurt geht gegenwärtig gleich in mehreren Fällen gerichtlich gegen Hollister vor: Es geht dabei um Taschenkontrollen bei Mitarbeitern und um permanente Videoüberwachung, aber auch um den erzwungenen Kauf der jeweils aktuellen Hollister-Kollektion als Arbeitskleidung. Bei den Taschenkontrollen haben sich der Betriebsrat und das Unternehmen inzwischen vor dem hessischen Landesarbeitsgericht geeinig – zumindest vorläufig. Bis zum Abschluss einer endgültigen Betriebsvereinbarung werden Taschen und Jacken der Mitarbeiter nun nach einem Zufallsprinzip kontrolliert: Wer beim Verlassen der Frankfurter Filiale eine Vier würfelt, muss sich durchsuchen lassen. Betriebsrat und Geschäftsführung verhandeln jetzt außergerichtlich über eine entsprechende Betriebsvereinbarung.

Begründet hatte das Unternehmen die Kontrollen mit einem „überdurchschnittlichen“ Schwund von Kleidungsstücken. Taschen- und Jackenkontrollen seien für das Unternehmen existenziell, so der Anwalt des Mutterkonzern AFH Germany.

Die Einigung gilt allerdings nur für die Frankfurter Filiale, auch wenn der Gewerkschaft ver.di zufolge die Arbeitsbedingungen in den anderen 16 Shops der Modekette in Deutschland nicht weniger umstritten sind. Da die oft befristet Beschäftigten Angst hätten, dass ihr Vertrag nicht verlängert werde, wenn sie sich im Betriebsrat engagieren, gibt es dort noch keine Arbeitnehmervertretung.

Bildquelle: © Zai Aragon – Fotolia.com



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