Interessante Ergebnisse liefert eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Untersuchung des Instituts für Mittelstandsforschung. Die Studie ging der Frage nach, warum betriebliche Mitbestimmung in Deutschlands Mitbestimmung relativ schwach ausgeprägt ist. Denn: In Großunternehmen ab 500 Mitarbeitern sind fest installierte Betriebsräte an der Tagesordnung: Knapp 90 Prozent der Betriebe haben eine Mitarbeitervertretung! Ganz anders sieht es aber in kleinen und mittelständischen Unternehmen aus: Hier geht die Quote bis auf 10 Prozent runter. Daran konnte auch die Novelle des Betriebsverfassungsgesetzes von 2001 und das neueingeführte vereinfachte Wahlverfahren für kleine und mittlere Betriebe nicht wesentlich etwas ändern. Mit der Studie sollte geklärt werden, ob es Faktoren gibt, die verhindern, dass Belegschaften in  Unternehmen dieser Größe Betriebsräte gründen. Umgekehrt gefragt: Woran lag es, wenn eine Mitarbeitervertretung erfolgreich installiert wurde?

Das Ergebnis laut BöcklerImpuls: „Ohne Konflikt keine Vertretung„! Dabei stellten sich vier Gründe heraus, die hauptsächlich zur Gründung eines Betriebsrats geführt haben:

  • Umbruch in der Führung (z.B. Wechsel des Eigentümers);
  • Wandel in der Organisation, wenn ein Unternehmen zum Beispiel schnell oder auch zu schnell wächst;
  • Stresspotentiale im Führungsstil und bei den Arbeitsbedingungen;
  • wirtschaftliche Krise.

Aber auch einige Gründe für die Betriebsratslosigkeit vieler Unternehmen konnten analysiert werden:

  • Beschäftigte fühlen sich von der Geschäftsleitung gut beteiligt, miteinbezogen und informiert;
  • Beschäftigte wollen ihre Interessen selber vertreten, also ohne Betriebsrat;
  • die Schwelle der Unzufriedenheit von Beschäftigten ist nicht hoch genug;
  • Belegschaft hat Angst vor Repressalien durch die Geschäftführung.

In guten Zeiten weigern betriebsratslose Arbeitnehmer sich häufig, sich mit dem Gedanken der Gründung eines Betriebsrats zu befassen. Dieses Phänomen war besonders gut in der IT-Branche zu beobachten, die Ende der 90er Jahre einen gewaltigen Aufschwung erlebte (Stichwort: Neuer Markt). Versuche, in diesen Unternehmen Arbeitnehmervertretungen zu installieren, waren nahezu aussichtslos und stießen bei den Beschäftigten  überwiegend auf völlige Ablehnung. Im Jahr 2000 brach der Markt für Technologieunternehmen dann nach einem gewaltigen Börsencrash zusammen (sog. Dotcom-Blase).Für die Gründung von Betriebsräten, die in dieser Situation Arbeitnehmern zum Beispiel durch das Aufstellen von Sozialplänen hätten helfen können, war es dann jedoch zu spät.

Mehr Infos zur Studie in BöcklerImpuls 5/2011 (pdf-Datei, ca. 135kb)

Infos zur Gründung eines Betriebsrats gibt es hier.

Peter



Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 22. März 2011 um 11:36 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Betriebsrat abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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