Alnatura, BetriebsratBei den Begriffen Öko und Bio denken viele an die vielleicht etwas bessere Welt. Was die Produktion und Qualität von Waren und Lebensmitteln angeht, mag das schon zutreffen. Dass auch alles andere in dieser Branche rosarot ist, nun, wir wissen es nicht so recht. Bei den  Arbeitsbedingungen und dem Umgang mit Mitarbeitern scheint noch so manches im Argen zu liegen. Ein aktuelles Beispiel liefert die Biomarktkette Alnatura.

Rund 100 Filialen betreibt der Bio-Supermarkt bundesweit. Nur eine einzige davon, die Niederlassung in Freiburg, verfügt über einen Betriebsrat. Kürzlich wollten auch die Kolleginnen und Kollegen in Bremen eine betriebliche Interessensvertretung installieren. Auf der Mitarbeiterversammlung, auf der der Wahlvorstand gewählt werden sollte, kam es wohl zu taktischen Manövern der Geschäftsleitung. So ließ diese unmittelbar vor der Wahl zu den bereits bestehenden Kandidaten noch drei weitere dazu aufstellen. Dadurch verhinderte man, dass die rechnerisch notwendige Mehrheit für die Bildung des Wahlvorstandes erreicht wurde. Die Betriebsratswahl war früh gescheitert.

Alnatura verkündete anschließend, der Wahl eines Betriebsrats weiterhin offen gegenüber zu stehen, stellte aber gleichzeitig fest, dass die Mitarbeiter wohl offensichtlich gar keinen haben wollen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi teilte im Gegenzug mit, einen weiteren Anlauf anzustoßen und den Wahlvorstand nun vom Arbeitsgericht einsetzen zu lassen.

Auch Hochglanz-Bioläden wie Alnatura bieten Verbrauchern immer weniger Gründe, um ein schlechtes soziales Gewissen zu beruhigen.

Alnatura und Sozialstandards: Schon 2010 geriet das Unternehmen negativ in die Schlagzeilen. Damals wurde bekannt, dass man den Mitarbeitern nur untertarifliche Löhne zahle. „Ein Ökokapitalist sahnt ab„, titelte die alternative TAZ. Bemerkenswert ist zudem, dass nur 1 Betriebsrat in 98 Filialen besteht, ein ziemlich deutliches Indiz für ein eher mitbestimmungsfeindlich geprägtes betriebliches Umfeld. Recht höhnisch kommt es daher, diesen Zustand auf die angebliche Haltung der Mitarbeiter zu schieben („die wollen keinen“).

In Bioläden glauben Kunden, sozial unterwegs zu sein. Es stünde der Branche gut zu Gesicht, ihren Vorbildcharakter auch bei den Sozialstandards einzuhalten“, so Hubert Thiermeyer von Verdi. Speziell Alnatura stünde es gut zu Gesicht, die Statements auf der Firmen-Homepage mit Leben zu füllen. Der Mensch sei nicht nur als Kunde, sondern auch als Mitarbeiter das Ziel, so heißt es dort ein wenig abstrakt. Und: Dass man selbstverantwortliches Handeln der Mitarbeiter fördern möchte. Zumindest die von den Beschäftigten angestrengte BR-Wahl hat man erfolgreich zunichte gemacht. Sorry, aber da passt noch nicht viel zusammen!

Quelle: taz.de/Radio Bremen/wikipedia – Bildquelle: © Marc Doradzillo, Alnatura

 



Dieser Beitrag wurde am Montag, 09. November 2015 um 15:56 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Betriebsratswahl abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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1 Kommentar »

  1. Auf der Web-Site der Alnatura gibt es die Möglichkeit, Anfragen an des Unternehmen zu senden.
    Wäre es nicht eine gute Idee, davon reichlich Gebrauch zu machen?
    Ich jedenfalls habe es schon getan.
    Bin gespannt auf die Antwort.

    Kommentar von: Kühle – am 16. November 2015 um 13:56

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