Wummernde Musik, schummriges Licht, süßlich-penetranter Geruch. Und dazwischen stehen sie halbnackt im Laden rum – die A&F-Boys. So heißen die männlichen Verkäufer der US-Modekette Abercrombie & Fitch (A&F) im Branchensprech. Gemeinsam haben sie vor allem ihr gutes Aussehen und ihre Waschbrettbäuche. Der Auftritt gehört zum Programm. Bei Teenies ist der Laden schon längere Zeit Kult. Was viele bei so dürftiger Garderobe übersehen: So wenig Kleidung wie sie tragen, so schutzlos erscheinen sie auch aus arbeitsrechtlicher Sicht. Den Mitarbeitern wird das Leben nicht leicht gemacht. Unser Blog berichtete schon zweimal über das Arbeiten für A&F: zum Beispiel hier (da ging es um Taschenkontrollen und Videoüberwachung) oder auch hier (Mitarbeiter duften eine Zeitlang nur in Begleitung auf’s Klo gehen). Alles nur Einzelfälle, ja vielleicht, aber man kann dabei von Außen ansatzweise erkennen, welche Einstellung das Unternehmen den Mitarbeitern gegenüber grundsätzlich an den Tag zu legen scheint.

Nun rührt sich etwas, zumindest aus kollektivrechtlicher Sicht: In der Münchner Filiale von A&F finden in der ersten Maiwoche 2014 Betriebsratswahlen statt. Rund 200 Beschäftigte sollen im Betrieb Hofstätt Sendlinger Straße im Herzen von München tätig sein. Die Gewerkschaft Verdi hat die Wahl organisiert. Nach Informationen der Münchner Abendzeitung (AZ) treten zwei Listen an: Auf der Verdi-Liste kandidieren 36 Mitabeiter, auf einer zweiten mit dem Namen „Tag-Schicht“ weitere 15.

Die Wahl der Mitarbeitervertretung soll laut Angaben von Orhan Akman, Gewerkschaftssekretär für den Bereich „Handel“ bei Verdi in München nur der Anfang einer Reihe von Maßnahmen sein. Zum einen habe man auch in den anderen A&F-Filialen in Düsseldorf und Berlin Betriebsratswahlen eingeleitet. Zum anderen will die Gewerkschaft das Unternehmen mittelfristig an den Flächentarifvertrag heranführen. Dies hätte für die Beschäftigten eine geringere Wochenarbeitszeit, mehr Urlaub und einen deutlich höheren Lohn zur Folge. Verbesserte Arbeitsbedingungen also. Dringend notwendig, denn, so Gewerkschafter Akman zur AZ München: „Abercrombie ist nach außen hin eine Glitzerwelt – nach innen aber gilt nicht mal der Tarifflächenvertrag, der in der Branche als Mindeststandard gilt.“

Tipp: Betriebsratswahl leicht gemacht – so geht’s

Bildquelle: © Massimo Merlini – iStockphoto



Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 22. April 2014 um 11:56 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Betriebsratswahl abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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