Das WSI-Tarifarchiv der Hans-Böckler-Stiftung („was ist das?“) hat im Februar 2009 untersucht, wie weit sich Tarifverträge auf die in Deutschland aktuell immer häufiger eingeführte Kurzarbeit auswirken. Ein Ergebnis lautet dabei: Die Mitbestimmung des Betriebsrats steht fast immer im Mittelpunkt!

Eine stark wachsende Anzahl von Betrieben versucht derzeit mit Hilfe von Kurzarbeit Kündigungen zu vermeiden und die Beschäftigten im Betrieb zu halten. In vielen Fällen sehen dabei Tarifverträge Regeln für die Einführung und die Ausgestaltung von Kurzarbeit vor. Eine aktuelle Auswertung untersuchte jetzt die Tarifverträge aus 18 Branchen etwas genauer. Die Ergebnisse im groben Überblick:

– In fast allen Branchen ist per Tarifvertrag geregelt, dass Kurzarbeit nur mit Zustimmung des Betriebsrats eingeführt werden darf.

-Sehr häufig müssen tarifvertragliche Ankündigungsfristen für die Kurzarbeit eingehalten werden: sie reichen von 5 Arbeitstagen bis zu einem Monat.

– In Teilbereichen (zum Beispiel bei der Deutschen Bahn AG) werden keine Gehaltskürzungen vorgenommen. Manche Bereiche stocken das Kurzarbeitergeld tariflich auf 75-100% auf.

– Mitarbeiter, die während der Kurzarbeitphase gekündigt werden, erhalten über die meisten Tarifverträge einen rückwirkenden Anspruch auf das volle Tarifentgelt.

Mehr Informationen zu dieser Untersuchung gibt es auf den Webseiten der Böckler-Stiftung.

Peter

Passend zu einer Studie, die das IAB vor kurzem über die Hintergründe der Bedürftigkeit von „Hartz-IV-Aufstockern“ veröffentlicht hat, beschäftigt sich nun der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mit Jugendlichen, die ebenfalls auf Hartz-IV zum Überleben angewiesen sind.

Die Zahlen: Im Jahr 2008 waren etwa 900.000 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 24 Jahren auf Leistungen des Arbeitslosengeld II angewiesen. Erstaunlich: Nicht mal ein Fünftel dieser Menschen war ohne Job. Ganz im Gegenteil ist die Jugendarbeitslosigkeit bis zuletzt sogar immer deutlicher zurückgegangen. Die absolute Mehrheit der Bedürftigen benötigt die staatliche Unterstützung dagegen, weil sie selbst oder ihre Eltern über zu wenig Einkommen verfügen.

Und dadurch sitzen sie bereits in jungen Jahren in der sog. Hartz-IV-Falle, denn nach Statistiken findet nur noch jeder dritte Jugendliche langfristig wieder aus dem Hilfebezug heraus. Wilhelm Adamy vom DGB: „Die Hilfsbedürftigkeit heranwachsender Jugendlicher, die im Hinterhof der Wohlstandsgesellschaft aufwachsen, wird bisher kaum thematisiert.“ Der Experte für Arbeitsmarktpolitik wirft der Bundesagentur für Arbeit vor, bei Jugendlichen vorrangig auf kurzfristige Instrumente wie Ein-Euro-Jobs zu setzen. Diese geben wenig Chancen auf dauerhafte Eingliederung, das Scheitern sei damit häufig vorprogrammiert.

Adamy fordert eine Verbesserung der praxisorientierten Qualifizierung. Denn „Armutskarrieren“ finden besonders häufig bei Jugendlichen ohne Schulabschluss statt: „Gefragt sind neue Formen von Arbeiten und Lernen, die auch schulmüden Jugendlichen Mut machen“.

Peter

DGB-Studie zum Armutsrisiko Jugendlicher (pdf-Datei)

von Peter am 06.02.2009, 14:57 Uhr , Kategorie: Arbeitsmarkt, Hartz IV, Teilzeit

Aktuell gibt es 1,35 Millionen Erwerbstätige, die in ihrem Beruf so wenig verdienen, dass sie zusätzlich auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen sind. Man spricht hier von Aufstockern.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) fand nun in einer Studie heraus, dass die niedrigen Löhne selbst nur selten die eigentliche Ursache der Bedürftigkeit sind. Beim Großteil ist der Faktor Arbeitszeit entscheidend: denn mehr als die Hälfte der Betroffenen ist weniger als 15 Stunden pro Woche beschäftigt.

Woran liegt das? Bei den meisten scheitert eine längere Arbeitszeit an gesundheitlichen Problemen, mangelnder Berufsausbildung, vor allem aber an fehlender Kinderbetreuung. So haben etwa Alleinerziehende ein Riesenproblem damit, dass es für drei Viertel der Schulkinder keine Nachmittagsbetreuung gibt. Eine Erhöhung der Arbeitszeit ist ihnen somit kaum oder nur sehr schwer möglich. Ohne eine massive Ausweitung der Ganztagsbetreuung wird sich hier auch weiterhin nichts wesentlich ändern. Nichts Neues also.

Peter

Die drohende Rezession in der Wirtschaft könnte auch die Situation an den Arbeitsgerichten drastisch verschlechtern. Joachim Vetter, langjähriger ifb-Referent und Vorsitzender des Bundes deutscher Arbeitsrichter, rechnet gegenüber der Wirtschaftswoche mit einer Klagewelle, die dazu führen wird, dass manche Gerichte untergehen werden: Schon im Dezember 2008 sei ein sprunghafter Anstieg von Klagen zu beobachten gewesen, vor allem in Regionen mit starker Präsenz der Autoindustrie.

Peter

Bittere Tatsachen über marode Einkommensentwicklungen, die auswuchernde Überhandnahme des Niedriglohnsektors und die lediglich gefühlte Gleichberechtigung in Deutschland: zwei neu veröffentlichte Studien lassen erneut erahnen, dass etliche Dinge scheinbar ziemlich schief laufen in unserem Land.

Los geht es mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), einem Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit, welches die Entwicklung des sog. Niedriglohnsektors analysiert hat. Das Ergebnis der Studie: Nur jedem Achten, der bereits 1999 in diesem Bereich arbeitete, gelang bis 2004 der Sprung über die Niedriglohnschwelle nach oben. Einmal Niedriglohn, immer Niedriglohn. Dabei hatten es Frauen, na sowas, noch schwerer: nur jede Zehnte war hierbei erfolgreich. Und dazu passt die Information, dass weibliche Arbeitnehmer zwar nur 35% aller Vollzeitbeschäftigten stellen, jedoch 65% der vollzeitbeschäftigten Geringverdiener. Deutlicher geht es kaum.

Dem EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla ist dies schon lange ein Dorn im Auge. Bereits 2007 drohte er mit einem neuen EU-Gesetz, auch um das hiesige Lohngefälle endlich zu beseitigen: In Deutschland ende die Gleichberechtigung beim Lohn, monierte er damals. Nun legt er nach: In einem Gespräch mit der „Welt“ stellt er fest, dass in unserem Land der Stundenlohn von Frauen im Schnitt 20 Prozent unter dem der Männer liegt und Deutschland eigentlich, zumindest was diese Ungleichbehandlung betrifft, nur noch von Estland, Zypern und der Slowakei im negativen Sinne getoppt wird. Spidla verlangt deshalb eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, deutlich mehr Frauen in Führungspositionen und eine höhere Akzeptanz des Prinzips „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ bei den Arbeitgebern.

Man kann es aber irgendwie auch nicht mehr hören, oder? Die Süddeutsche Zeitung findet das ganze mittlerweile nur noch peinlich für unser Land, aber warum ändert sich denn dann eigentlich nichts? Fährt unsere Wirtschaft so gut damit? Ist unsere Gesellschaft so behäbig? Deutschland ist die führende Wirtschaftsmacht Europas, wird zudem von einer Frau regiert, warum also ist es so schwierig die Rahmenbedingungen hierzulande positiver zu gestalten? Bessere Ausbildung, bessere Betreuungsmöglichkeiten für Kinder, na klar. Alles schon x-Mal gehört. Nur die Haltung, die Einstellung, die ändert sich einfach nicht, es frustriert.

Dazu passt wunderbar eine weitere Studie, diesmal vom überwiegend von Unternehmerseite finanzierten Institut für Wirtschaft und Gesellschaft (IWG), gegründet übrigens von Kurt Biedenkopf, welches seinen Beitrag zum momentan heiß diskutierten Thema „Ausdünnung der Mittelschicht“ abliefert. Das Institut liebt es zu rechnen, kommt dadurch aber auf eine interessante, ja sogar brisante Spur: Denn von 1996 bis 2006 verschwanden 5,5 Millionen Menschen aus dem Segment der sog. Mittelverdiener. Die Gruppe der Starkverdiener wuchs dagegen um 2,1 Millionen, die der Geringverdiener sogar um bittere 4,1 Millionen. Und, schon nachgerechnet? Richtig, das geht nicht auf. 0,7 Millionen kamen wohl irgendwie aus dem Nichts dazu. Aus dem Nichts? Falsch. Aus dem Ausland. Denn nun geht die Rechnung weiter: In diesen 10 Jahren schrumpfte die Gruppe der Deutschen um 2,8 Millionen, dagegen kamen 3,5 Millionen Migranten aus dem Ausland dazu (schon mal über Deutschland als Einwanderungsland nachgedacht?). Und da sind sie denn auch wieder, die fehlenden 0,7 Millionen. Nur: von diesen 3,5 Millionen neu zu uns gezogenen Menschen, haben sich 2,9 Millionen gleich direkt und unverzüglich in den Niedriglohnbereich begeben. Weg sind sie. Und daraus lässt sich nun wiederum die interessante Schlußfolgerung ableiten, dass sich die Ausdünnung der Mittelschicht als unmittelbare Folge der Migration darstellt und wenn überhaupt, dann höchstens teilweise auf den Abstieg von „eigenen“ Bevölkerungsgruppen. Das Institut prognostiziert dann auch eine Fortführung dieses Trends, solange sich an den Rahmenbedingungen nichts ändert.

Und da kommen die Nächsten ins Spiel und der Bogen wird gespannt, hinüber zur immer größer werdenden Gruppe der Alleinerziehenden. Sie sind, schon deswegen weil sie halt nun mal allein, also ohne Partner sind, immer die wirtschäftlich Schwächeren. Und das wird auch so bleiben. Jemand der alleinerziehend ist und ein Kind unter 14 Jahren hat, müsste schon ein Mindesteinkommen von für viele absolut hypnotischen 1.422 Euro netto im Monat haben, um nicht mehr zu den sog. Geringverdienern zu zählen. So lautet die Definition, da kommt man nicht so leicht raus. Und der Trend Alleinerziehender steigt und steigt. Und damit auch die Einkommensverschiebung in der Bevölkerung insgesamt, leider halt nur in die falsche Richtung. Da hilft es dann auch nur wenig und ist lediglich eine dünne Schlagzeile wert, die deutsche Familie mit Kindern als eigentliche Gewinner in den Mittelpunkt zu stellen, wie manche Presseberichte nach Bekanntwerden der Studie dies getan haben. So etwas hilft nur um kurz mal Luft zu holen, sich einen Moment etwas wohler zu fühlen, zumindest beim Überflug über die Schlagzeile. Der Blick jedoch muss aufs Ganze gehen, und das Ganze geht irgendwie immer weiter abwärts.

Was aber hilft denn überhaupt? Im Kleinen könnte viel erreicht werden. Das Bewusstsein der Familienförderung, das Bewusstsein eines neueren Bildes von Mann und Frau, das endlich auch in der Gesellschaft ankommt, auch von Eltern und Kindern, von anderen möglichen Lebensformen als „Familie“ im Gegensatz zu den bekannten herkömmlichen, die Akzeptanz all dieser Umstände auf breiter Ebene. Wahrlich viel verlangt. In den Betrieben kann damit angefangen werden, jeder kann einen Beitrag leisten, nur im Kopf muss zuerst mal damit begonnen werden und es muss allerschleunigst ein Ende haben mit der finanziellen Ungleichheit, denn die lediglich gefühlte Gleichberechtigung endet in der Realität schnell im Sumpf des Niedriglohns.

Auf der anderen Seite verbleibt es, das Ergebnis einer verfehlten Ausländer- und Integrationspolitik zu begutachten und dann schnellstens zu ändern. Hier muss endlich mit ganz anderen Ansätzen ran, Ausländer müssen deutlich besser integriert werden, sicherlich müssen sie sich auch integrieren lassen, in der Breite brauchen alle eine bessere Bildung und und und. Das sind Themen für ein ganzes Leben…

Und kosten tut das alles sehr viel Geld. Diese Wahrheiten kennt jeder! Aber umgesetzt werden sie nicht. Dann braucht man sich aber auch zukünftig nicht wundern, wenn immer weniger Menschen in unserer tatsächlichen Mitte Platz nehmen, und zwar gesellschaftlich, finanziell und sozial. Und es kann nicht sein, dass das alles nur wegen des Geldes scheitert, denn am Ende würden wir alle verlieren. Und zwar sehr viel.

Peter

von Peter am 27.03.2008, 16:54 Uhr , Kategorie: Arbeitsmarkt

Die Arbeitslosenzahlen sinken und sinken immer mehr. Bestimmt wegen dem Wirtschaftsaufschwung? Na klar! Aber auch die Statistiker haben dazu das ihrige beigetragen. Denn wie diese Zahlen zum Teil zustande kommen, wurde hier ja bereits einmal erläutert. Das trübt den Eindruck natürlich ein wenig. Nun kommt eine weitere Komponente dazu, die ein interessantes, eher etwas düstereres Licht auf den Arbeitsmarkt wirft:

Industrie und Wirtschaft schreien aktuell mal wieder ganz laut, dass ihnen ganz viele Fachkräfte fehlen und auf dem Arbeitsmarkt gäbe es keine mehr. Deshalb mussten im Januar 2008 nach offiziellen Angaben auch 528.000 Stellen wieder unbesetzt bleiben. Vor allem nach Ingenieuren würde man händeringend suchen. Irgendwie ist das Thema aber nicht neu, oder?

Wie kommt es eigentlich, dass tatsächlich 30.000 Ingenieure arbeitslos gemeldet sind? Diese Zahl wirft Franziska Schreyer vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in die Diskussion.

Etliche Stellen würden sich durchaus besetzen lassen, wenn viele Betriebe nicht immer nur das Stellenprofil „jung, dynamisch, erfolgreich, männlich, 25 Jahre alt, aber mindestens 30 Jahre Berufserfahrung“ anlegen, sondern auch vermehrt wieder auf ältere, erfahrene und auch weibliche (!) Bewerber ihr Augenmerk richten würden. Von diesen gibt es nämlich reichlich. Da kann man schon ins Grübeln kommen. Wollen die das vielleicht gar nicht?

Und auch die Sache mit der Bezahlung ist scheinbar bei manchen Unternehmen immer noch nicht so richtig angekommen: Wer guten Nachwuchs im Betrieb haben möchte, der muss ihn auch angemessen bezahlen. Gute Arbeit, gutes Geld, ist doch ganz einfach. Oder versteh ich da schon wieder was falsch?

Kurios an der Sache: Viele junge gut Ausgebildete verlassen Jahr für Jahr unser Land, weil die Arbeitsbedingungen ihnen anderswo mehr zusagen. Und Deutschland sucht im Gegenzug ganz offiziell zum Beispiel über das Zuwanderungsgesetz oder die frühere „Green Card“ ausländische Spezialisten, die bei uns einen hochqualifizierten Job annehmen sollen. Letztes Jahr haben sich ganze 466 Personen aus dem Nicht-EU-Ausland für eine solche Arbeitserlaubnis beworben. Was genau passt hier nicht?

Fachkräfte also tatsächlich verzweifelt gesucht? Es kommt mir von Zeit zu Zeit so vor, wie wenn das einzige, was hierzulande wirklich verzweifelt gesucht wird, noch billigere Arbeitskräfte sind!

Peter

von Peter am 05.03.2008, 11:00 Uhr , Kategorie: Arbeitsmarkt

Der alte Spruch „Trau‘ keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast!“ zieht hier nicht: Denn von Fälschung kann man bei den monatlich von der Bundesagentur für Arbeit veröffentlichen Arbeitslosenzahlen natürlich nicht sprechen. Die Abwandlung des Satzes in „Trau‘ keiner Statistik, die Du nicht selbst bearbeitet und dabei schön gerechnet hast“ wäre schon etwas naheliegender.

3.617.000 Menschen waren im Februar 2008 offiziell arbeitslos, die Quote liegt somit aktuell bei 8,6 Prozent. Sogar ein Rückgang war in diesem Monat zu vermelden, und das mitten im (milden) Winter.

Die Realität wird von diesen Zahlen leider nicht vollständig abgebildet. Denn schon seit längerem fallen immer mehr Menschen, die tatsächlich arbeitslos sind aus ganz bestimmten Gründen schnell und einfach aus der Statistik raus. Hier einige Beispiele, wer so alles nicht erfasst wird:

  • Arbeitslose, die eine Beschäftigung suchen, die weniger als 15 Stunden pro Woche umfasst;
  • Kranke (die stehen dem Arbeitsmarkt nämlich nicht zur Verfügung, da sie nicht „jederzeit ein Jobangebot annehmen können“)
  • Alleinerziehende Mütter und Väter (mit der selben Begründung wie eben…)
  • Menschen in sog. arbeitspolitischen Maÿnahmen nach § 16 Abs. 2 Sozialgesetzbuch SGB III, wie etwa:
  • Ein-Euro-Jobber,
  • Arbeitslose in beruflichen Weiterbildungsmaÿnahmen bzw. staatlichen Trainingsmaÿnahmen,
  • Arbeitslose, die einen Gründungszuschuss für die Selbstständigkeit erhalten haben,
  • Leiharbeiter bei Personal-Service-Agenturen (PSA’s),
  • Altersteilzeit’ler und Arbeitslose im Vorruhestand (nach § 428 Sozialgesetzbuch SGB III).

Man schätzt ausserdem, dass es eine sog. „stille Reserve“ von etwa 600.000 Menschen gibt, die zwar keine Arbeit haben, aber auch nicht arbeitslos gemeldet sind, weil sie ganz einfach nicht zur Arbeitsagentur gehen wollen bzw. längst resigniert haben.

Alles zusammengerechnet kommt die Süddeutsche Zeitung auf eine tatsächliche Arbeitslosenzahl von etwa 5,51 Millionen, was einer Quote von über 13% entspricht.

Die neuesten Pläne: Wie hier schon berichtet, sollen Langzeitarbeitslose über 58 Jahre nun ebenfalls aus der offiziellen Statistik rausfallen, wenn ihnen nicht innerhalb eines Jahres eine konkrete neue Arbeitsstelle angeboten werden konnte.

Irgendwann herrscht laut Statistik Vollbeschäftigung, die ÿmter jedoch werden immer noch voller Arbeitssuchender sein.

Peter

von Peter am 26.02.2008, 13:13 Uhr , Kategorie: Arbeitsmarkt

Nachdem nun auch der Bundesrat zugestimmt hat, ist es nun amtlich: wie hier schon mal berichtet, korrigiert die Bundesregierung nun in einigen Teilbereichen die Agenda 2010.

Wer erwerbslos und über 50 ist, kann in Zukunft länger Arbeitslosengeld I beziehen. Die Dauer wird auf bis zu 24 Monate ausgeweitet. Eine weitere Neuerung betrifft die sog. Frühverrentung von Langzeitarbeitslosen vor Vollendung des 63. Lebensjahres: Die sog. „63er-Regel“ verhindert, dass erwerblose Arbeitslosengeld II-Bezieher bereits mit 60 in Frührente geschickt werden können, mit der Folge lebenslanger Abschläge. Diese werden auf maximal 7,2 Prozent begrenzt.

Weitere aktuelle Gesetzesänderungen gibt es u.a. in den Bereichen Gentechnik, Bundespolizei und Wahlkreise. Hier ein Link für alle, die sich weiter informieren möchten.

Peter

von Peter am 12.02.2008, 09:37 Uhr , Kategorie: Arbeitsmarkt

Arbeitgeber kündigen, Arbeitnehmer wehren sich dagegen. Manchmal auch vor Gericht. Das sei jedoch ganz schlecht für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Findet zumindest das Handelsblatt.

Zitat: „Aus Sicht vieler Arbeitgeber hat das Arbeitsrecht als Einstellungshindernis seinem Ruf alle Ehre gemacht. Wie aus dem Jahresbericht des Bundesarbeitsgerichts 2007 hervorgeht, war die Streitlust zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern noch nie so hoch wie im vergangenen Jahr. Bis ein Urteil Rechtssicherheit bringt, müssen die Prozessparteien zudem im Schnitt sechseinhalb Monate warten, vier Monate mehr als 2006.“

Und nun? Dass das Arbeitsrecht aus Sicht einiger Arbeitgeber ganz abgeschafft gehört, ist nicht neu. Dass aber das Handelsblatt aufgrund steigender arbeitsgerichtlicher Verfahrenszahlen gleich den gesamten Betriebsfrieden in Deutschland in Frage stellt, ist reißerisch und hinterläßt ein schlechtes Gefühl. Pauschale Konfrontation statt Kooperation? Das ist sicher nicht der richtige Weg.

Peter

von Peter am 08.02.2008, 13:23 Uhr , Kategorie: Arbeitsmarkt, Ausbildung

Die aktuellen Januar-Zahlen des deutschen Arbeitsmarktes sind so gut wie lange nicht mehr. Die Nachrichtenagentur Reuters meldet, dass mittlerweile ein 15-Jahres-Tief erreicht sei. Arbeitsminister Olaf Scholz freut sich und spricht von einem robusten Aufwärtstrend.

Bei den jugendlichen Arbeitnehmern ist die Lage dagegen immer noch bescheiden. In 70% der sog. EU27-Regionen war die Jugenderwerbslosenquote mindestens doppelt so hoch wie die Gesamterwerbslosenquote. Klare Aussage: Junge Arbeitnehmer sind definitiv wesentlich häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen als ältere.

Thomas Kieselbach von der Universiät Bremen erklärt in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung, dass Arbeitslosigkeit soziale Ausgrenzung begünstigen, depressive Erkrankungen hervorrufen und das Selbstwertgefühl zerstören kann. Wie fatal für die persönliche Entwicklung also, wenn einem das schon in jungen Jahren widerfährt.

Deutschland reagiert dreifach auf diese Situation:

Unter der Abkürzung EQJ verbirgt sich ein Programm mit dem Titel „Einstiegsqualifizierung für Jugendliche“: Jugendliche ohne Ausbildungsjob können 6-12 Monate lang ein vom Staat bezuschusstes Betriebspraktikum ableisten, mit bisher erstaunlichen Resultaten: Mehr als die Hälfte der bislang 32.500 Teilnehmer erhielt im Anschluss an das Praktikum einen Ausbildungsvertrag.

Seit Oktober 2007 erhalten Arbeitgeber, die Arbeitslose unter 25 Jahren einstellen, unter bestimmten Voraussetzungen einen Qualifizierungs- bzw. Eingliederungszuschuss. Dabei erstattet der Staat ein Jahr lang bis zu 50% des Lohns.

Neu im Programm ist der sog. Ausbildungsbonus, der ab Mitte 2008 zum Einsatz kommen soll: Jeder Betrieb, der zusätzliche Ausbildungsplätze für Jugendliche anbietet, die schon lange auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind, soll einmalig zwischen 4.000 und 6.000 Euro vom Staat erhalten. Der Ausbildungsbonus steckt derzeit noch im Gesetzgebungsverfahren.

Zu diesem Thema gibt es auch eine Jugend-Studie des DGB mit dem Titel „Gute Arbeit“.

Peter

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