Zalando, Schrei vor GlückMehr als 2.500 Mitarbeiter, eine Wahlbeteiligung von 70 Prozent und 21 neue Kolleginnen und Kollegen, die den Schritt gewagt haben. Gratulation, Zalando in Erfurt hat es getan: Nach der Wahl eines Betriebsrats im Logistik-Standort Brieselang bei Berlin, werden Anfang Juni einige Tausend Beschäftigte im riesigen Zalando-Hauptlager Erfurt vor Glück geschrien haben: Die Mitbestimmung ist – endlich – auch bei ihnen angekommen.

Schrei vor Glück – mit diesem Spruch und attraktiven Werbevideos zog der Online-Händler vor einigen Jahren jede Menge Aufmerksamkeit auf sich. Auch dadurch legte er den Grundstock für sein raketenartiges Wachstum im Bereich des Internet-Schuh- und Modeshoppings im deutschsprachigen Raum. Der Umsatz explodierte in letzten Jahren nahezu: Nach 150 Millionen Euro im Jahr 2010 betrug er 2014 bereits gigantische 2,2 Milliarden Euro. Das jährliche Wachstum liegt  immer im zweistelligen, manchmal im dreistelligen Prozentbereich (zuletzt gab es 26 % Plus 2013/14).

Schreien vor Glück konnten bislang, gerade wegen dieser Entwicklung, vor allem die Anteilseigner, weniger die Mitarbeiter. Deren Arbeitsbedingungen gerieten in den Fokus, als zwei TV-Reportagen
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von Peter am 07.08.2015, 14:19 Uhr , Kategorie: Betriebsrat

DruckereiDie GGP Media GmbH aus Pößneck ist eine der größten Offsetdruckereien Europas. Knapp 1.000 Mitarbeiter sind hier beschäftigt. Bis zur Wende druckten die Thüringer fast alle Bücher der DDR, sogar das Telefonbuch von Moskau wurde hier hergestellt. Bekanntheit erlangte das Unternehmen auch, weil es sich 2005 als erstes europäisches Unternehmen überhaupt hat FSC-zertifizieren lassen. In Punkto „umweltverträgliche Produktion“ stellte dies eine Pionierleistung dar. Auch die beliebten Harry Potter-Bücher hat GGP Media gedruckt, die deutsche aber auch die englische Version. Eine gewaltige Auflage war das, die wegen der Neugier der Fangemeine unter den strengsten Sicherheitsvorkehrungen hergestellt wurde, was weltweit zu vielen Berichten führte.

Nun ist leider der Betriebsrat des Unternehmens in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Wie MDR Thüringen berichtet, werden aktuell im Betrieb Unterschriften gesammelt, um eine Neuwahl des BR-Gremiums zu erreichen. Falko Eismann, der Initiator der Aktion, erklärte dem Radiosender MDR die Gründe: Man sei unzufrieden mit dessen Arbeit. Die Kollegen vom Betriebsrat würden sich nicht genügend für die Belange der Belegschaft einsetzen.

Ein dazu befragtes Betriebsratsmitglied zeigte sich auf Rückfrage des MDR überrascht
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von Ines am 20.07.2015, 14:44 Uhr , Kategorie: Betriebsrat

schmutzige SpringerstiefelBei der zur Zeit in weiten Teilen Deutschlands herrschenden Hitze können viele Menschen eins schlecht: schlafen! Für all die, und natürlich auch für alle anderen Interessierten, haben wir heute einen spannenden TV-Tipp.
Um Betriebsratsarbeit zu verhindern, geht so mancher Arbeitgeber „über Leichen“. Die Methoden reichen von Mobbing, Rufmord, Ausspähung des Privatlebens, Verleumdungen, Lügen, falsche Abmahnungen, erfundene Kündigungsgründe bis hin zu unrechtmäßigen Kündigungen. In der Dokumentation „Die Story im Ersten“ werden die Geschichten von drei Betriebsräten stellvertretend für viele erzählt. Es geht, wie der Titel der Reportage schon sagt, um Fälle von „Mobbing, Sabotage, Kündigung“. Berichtet wird über Menschen, die an ihrer Betriebsratsarbeit oder an dem Wunsch, Betriebsratsarbeit zu leisten, fast zerbrochen sind. Aber sehen Sie selbst: Heute, 22:50 Uhr, im Ersten.

Nachtrag: Die Dokumentation ist in der Mediathek des Bayerischen Rundfunks abrufbar.

Bildquelle: © Milovan Knezevic – istockphoto.com

VapianoViele finden das meeega: Die Bestellung wird bei der Restaurantkette Vapiano am Counter aufgegeben und wenn das in die Hand gedrückte Gerät zum Brummen beginnt, ganz schnell zur Essensausgabe laufen, hinten anstellen und Pizza oder Pasta selbst abholen (und natürlich  selbst zum Tisch tragen!). Ganz neue Serviceidee. Und noch dazu Personal sparend. Lecker soll es zudem sein.

Nun gut, über Geschmack lässt sich bekannterweise (nicht) streiten, aber eins vorweg: Mögen tu‘ ich sowas nicht. Was aber nix macht, weil meine Ansichten meist harmlos und zumindest global unbedeutend sind. Der Stern dagegen ist da gnadenloser und nennt Vapiano eine pseudomediterrane Sättigungsfabrik. Sogar von der „Pastavorhölle“ ist die Rede.

Den Umsätzen der Gastro-Kette tut das bis jetzt keinen Abbruch, denn die wachsen und wachsen. Ähnlich verhält es sich leider auch mit der Kritik am Unternehmen: die steigt ebenfalls. Dabei geht es vor allem um den Umgang mit den Mitarbeitern.

Steigende Umsätze beim Gastro-Unternehmen Vapiano, aber auch fragwürdiger Umgang mit Mitarbeitern: Die Rede ist von Arbeitszeitbetrug.

Der Zeitung Welt am Sonntag liegen sechs eidesstattliche Versicherungen ehemaliger Mitarbeiter vor, wonach Restaurant- und Schichtleiter Stempelzeiten
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von Peter am 25.06.2015, 14:39 Uhr , Kategorie: Betriebsrat

FriedrichshafenBetriebsrat und Konflikte – im Allgemeinen denkt man da gleich an Auseinandersetzungen zwischen der betrieblichen Interessenvertretung auf der einen und dem Arbeitgeber auf der anderen Seite. Doch auch innerhalb eines BR-Gremiums kommen Streitigkeiten durch verschiedene Sichtweisen, Prioritäten und Strategien vor. Kein Gremium ist homogen in seiner Zusammensetzung oder Meinungsbildung. Das ist normal und erst mal nicht besorgniserregend. Ein Betriebsrat ist immer so vielfältig wie die Menschen, aus denen er zusammengesetzt ist. So weit, so gut.

Bei der ZF Friedrichshafen AG handelt es sich um den drittgrößten Automobilzulieferer Deutschlands. Das Unternehmen ist weltweit führend auf dem Gebiet der Antriebs- und Fahrwerkstechnik. Haupteigentümer ist zu ca. 94% die Zeppelin-Stiftung, deren Vermögen der Stadt Friedrichshafen am Bodensee gehört. Am Standort in Friedrichshafen arbeiten rund 10.000 Mitarbeiter, der örtliche Betriebsrat umfasst 37 Mitglieder. Er setzt sich aus drei Listen zusammen: einer IG-Metall-Liste mit 28 Mitgliedern,  der Liste „Wir ZF’ler“ (6) sowie der Liste der Christlichen Gewerkschaft Metall (3).

In diesem Gremium kommt es offenbar zu Auseinandersetzungen, die über das Normalmaß hinaus zu gehen scheinen. Nach einem Bericht von dpa und Schwäbischer Zeitung hat das Betriebsratsmitglied Barbara Rentsch (von der Liste „Wir ZF’ler“) vor dem Arbeitsgericht Ulm einen Antrag auf Erstellung eines Gutachtens gestellt. Mit Hilfe dieses Gutachtens soll die Frage geklärt werden, ob der amtierende Betriebsratsvorsitzende Achim Dietrich-Stephan der IG-Metall-Liste im Gremium, der er angehört, Vorteile verschafft habe.

Laut Presseberichten geht es um den Vorwurf der Begünstigung gewerkschaftsnaher Institute sowie um die Tarnung gewerkschaftlicher Wahlkampfseminare speziell für die IG Metall-Liste als
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KiKWer sich in Arbeitsgerichtsprozessen von der Kanzlei Dr. Schreiner vertreten lässt, der könnte das unter Umständen auch als frühe Kampfansage an den Gegner meinen. Die Rechtsanwälte aus Attendorn im Sauerland wurden bisher vor allem mit aggressiven Seminarangeboten bekannt. Arbeitgeber können hier Veranstaltungen mit Titeln wie „Die Kündigung störender Arbeitnehmer“ oder „In Zukunft ohne Betriebsrat – Wege zur Vermeidung, Auflösung und Neuwahl des Betriebsrats“ besuchen. Das sind schon ziemlich klare Hinweise zur Marktpositionierung. Auf diesem Gebiet kennen sie sich aus, wie kein zweiter. Ein mehr als zweifelhafter Ruf!

Im Moment vertritt die Kanzlei von Dr. Schreiner das Unternehmen KiK. Der Textil-Discounter ist regelmäßig mit negativen Schlagzeilen in der Presse: Es geht um Lohndumping, das Ausspähen von Mitarbeitern und um miserable Arbeitsbedingungen bei den Zulieferbetrieben in der dritten Welt. Auch im Zusammenhang mit dem Einsturz eines Produktionsgebäudes in Bangladesch mit Hunderten von Toten wurde der Name Kik in Verbindung gebracht.

Und weil das alles nicht genug zu sein scheint, nimmt das Unternehmen gleich noch die betriebliche Mitbestimmung ins Visier. Und hat da in Dr. Schreiner sicher den passenden Partner gefunden.
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Tabletten, PillenEs sind schwere Vorwürfe, die der Essener Gewerkschaftsfunktionär Andreas Rech gegen das Sicherheitsunternehmen Kötter in Bielefeld erhebt: Ein Kampf gegen Betriebsräte werde hier geführt, so berichtet WAZ online. Rech müsste sich eigentlich auskennen, hat er doch vor seiner Zeit als Verdi-Sekretär selber bei Kötter gearbeitet.

Kötter ist ein Gigant: Der Branchenriese beschäftigt in Deutschland über 16.000 Mitarbeiter an mehr als 90 Niederlassungen. Konfliktträchtig scheint es vor allem am Standort Bielefeld zuzugehen. Dieser wurde erst im Herbst 2014 gegründet. Auch einen Betriebsrat gibt es hier. Der stellte fest, dass in der Nähe seines Büros unmittelbar nach dem Bezug eine Kamera montiert wurde. Gewerkschaftsmann Rech ist sich sicher, dass über Teile des Oberlichts das Betriebsratsbüro überwacht werden sollte. Nach einem arbeitsgerichtlichen Beschlussverfahren kam die Kamera schnell wieder weg.

Der nächste Streit entstand um das Gehalt des Betriebsratsvorsitzenden. Dieser war seit 2013 freigestellt. Vor seiner Freistellung arbeitete er als
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von Peter am 22.05.2015, 15:08 Uhr , Kategorie: Betriebsrat

Verschlossenes TorAbgerechnet wird zum Schluss. So wie in dieser Geschichte hier. Es ist nur schwer nachvollziehbar, was da im Berufsbildungswerk Bremen passiert ist. Mehr als 30 Jahre lang war Michael Müller Beschäftigter des Unternehmens. Über 25 Jahre war er Vorsitzender des Betriebsrats. Am letzten Arbeitstag vor seiner Pensionierung drückte ihm der Arbeitgeber ein Schreiben in die Hand: „Haus- und Geländeverbot“ stand darauf. Unterschrieben vom Geschäftsführer persönlich, gültig ab dem nächsten Tag.

Das Berufsbildungswerk Bremen ist eine Rehabilitationseinrichtung. Behinderte Menschen können hier einen Beruf erlernen. Betreiber ist der Sozialverband Deutschland, ein gemeinnütziger Verein mit über einer halben Million Mitglieder. Dieser vertritt die Rechte behinderter und pflegebedürftiger Menschen.

Die Bremer Ausgabe der taz – die tageszeitung – berichtet, dass es zwischen Betriebsrat Müller und der Geschäftsleitung häufig zu Konflikten gekommen sei. Klingt erst mal nicht ungewöhnlich. Betriebsparteien streiten sich, mal weniger, mal öfter. Krasser Höhepunkt war
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EisenrohreFacebook kann ein scharfes, zweischneidiges Schwert sein. Während man auf der einen Seite hier viel Spaß haben und den Kontakt mit Freunden und Bekannten am Leben halten kann, verleitet es andere zu Äußerungen, die später wahrscheinlich zutiefst bereut werden.

Nach einem Bericht der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) schrieb der 59jährige Betriebsratsvorsitzende der  Erndtebrücker Eisenwerke im Landkreis Siegen-Wittgenstein (NRW) Dinge auf seine Facebook-Seite, wegen denen nun sogar der Staatsschutz gegen ihn ermittelt. Ein Zitat: Es müsse eine Säuberung in Deutschland stattfinden, „lasst uns ihnen auch die Hälse abschneiden“, direkt darüber ein Bild mit dem Schriftzug „Islamierung? Nein, danke!“

Als der Arbeitgeber davon erfuhr,
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MindestlohnRollenketten von Renold: Das sind Geräte! Im niedersächsischen Einbeck, zwischen Hannover und Göttingen, produziert das global tätige Unternehmen Hochleistungs-Rollenketten, Getriebe und Kupplungen. Man nennt das Antriebstechnik. Für uns ist es High-Tech. Die Renold Gruppe ist dabei weltweit führend. In Einbeck arbeiten rund 400 Mitarbeiter.

Derzeit hat das Unternehmen schlechte Presse. In Kürze beginnt vor dem Arbeitsgericht Göttingen ein Prozess, in dem es um die Kündigung zweier Betriebsratsmitglieder geht. Auch der BR-Vorsitzende ist darunter. Das Unternehmen hat Antrag auf Ersetzung der Zustimmung des Betriebsrats durch das Gericht zur fristlosen Kündigung gestellt. Der Betriebsrat hatte diese vorher nach § 103 BetrVG verweigert.

Warum? Der Hintergrund erscheint vogelwild: Das Unternehmen installierte auf dem Betriebsgelände Videokameras, mit denen
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