Das hat uns noch gefehlt: Die großzügigen Regeln zur Kurzarbeit retteten im Krisenjahr 2009 zwar viele Jobs. Aber jetzt kommt zum Jahresende eine sehr unerfreuliche Überraschung, wenn sich der Staat über das Finanzamt etliches von dem, was er gegeben hat, wieder zurückholen wird.
Betroffen sind hauptsächlich berufstätige Ehepaare. Das Problem besteht darin, dass Kurzarbeitergeld grundsätzlich steuerfrei ausbezahlt wird, sich jedoch aufgrund des sog. Progressionsvorbehaltes der persönliche Steuersatz erhöht. Als Folge davon werden etliche Empfänger von Kurzarbeitergeld bei der Einkommenssteuererklärung für 2009 Steuern nachzahlen müssen! Die Stiftung Warentest liefert folgendes Beispiel: (weiterlesen …)
Das war ja zu erwarten: Nach diversen Vorankündigungen in den letzen Wochen hat das Bundeskabinett nun die Änderung der Bezugsfrist für das Kurzarbeitergeld beschlossen. Übersetzt heisst das: Für Kurzarbeit, die im Jahr 2010 begonnen wird, kann bis zu 18 Monate Kurzarbeitergeld gezahlt werden. Dazu Bundesarbeitsminister Franz Josef Jung: “Wir müssen davon ausgehen, dass es im nächsten Jahr noch keine Entwarnung am Arbeitsmarkt gibt. Deshalb bleibt auch im Jahr 2010 die Sicherung von Arbeitsplätzen eine Herausforderung.”
Ohne diesen Beschluss wären zu Beginn des nächsten Jahres die allgemeinen Regeln zur Kurzarbeit wieder in Kraft getreten, wonach die Bezugsdauer maximal sechs Monate betragen kann.
Die Zeitschrift “Wirtschaftswoche” sieht die erneute Verlängerung kritisch und prophezeit (weiterlesen …)
Es gibt sehr viele Ideen, was man tun könnte, um die Wirtschaftskrise einzudämmen. Die neueste kommt vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), welches der Bundesagentur für Arbeit angeschlossen ist. Eugen Spitznagel, Experte aus der “Forschungsgruppe Arbeitszeit” meinte gegenüber der “Bild”-Zeitung: “Eine befristete 30-Stunden-Woche wäre in besonders hart betroffenen Branchen wie Metall oder Elektro sinnvoll.” Er fügte hinzu, dass ein entsprechender Lohnverzicht jedoch nicht allein zu Lasten der Arbeitnehmer gehen dürfe, sondern von den Arbeitgebern und vom Staat teilweise ausgeglichen werden müsse.
Weniger arbeiten bei etwas weniger Geld in der Tasche und der Staat bezuschusst das ganze? Klingt irgendwie nach … Kurzarbeit. Wo ist der Unterschied?
Peter
Der Automobilhersteller Daimler kämpft, wie viele andere in seiner Branche auch, mit den Folgen der weltweiten Wirtschaftskrise. Im Herbst 2009 befinden sich unternehmensweit etwa 27.400 Kolleginnen und Kollegen in Kurzarbeit, für rund 89.000 weitere Beschäftigte gelten verkürzte Arbeitszeiten, für die kein Lohnausgleich gezahlt wird. Schwere Zeiten also! Da fragt man sich, wie das mit dem hier zusammenpassen soll: (weiterlesen …)
Antrittsreden wohin man auch sieht: Im Bundestag geht es rund. Erst kam Angela Merkel mit ihrer Regierungserklärung, danach der neue Bundesarbeitsminister Franz Josef Jung mit seiner Antrittsrede. Die Bundeskanzlerin verlängert dabei still und leise die Kurzarbeit und Herr Minister Jung findet scheinbar die Rückkehr zur Sklavenarbeit gut. Aber dazu später mehr…
Hier einige Passagen aus der Erklärung der Bundeskanzlerin: (weiterlesen …)
Kurzarbeit – für viele Firmen das Mittel, um Auftragsrückgänge überbrücken zu können. Doch immer mehr Unternehmen missbrauchen die verstärkte Förderung von Kurzarbeitergeld. Wie die Süddeutsche Zeitung meldet, verdächtigt die Bundesagentur für Arbeit nach eigenen Angaben bereits 116 Unternehmen, zu Unrecht Kurzarbeitergeld bezogen zu haben, Tendenz steigend. “Viele Fälle haben wir bereits der zuständigen Staatsanwaltschaft oder dem Hauptzollamt übergeben”, sagte eine Sprecherin der Behörde der Süddeutschen Zeitung. Dabei sind zwei Praktiken besonders verbreitet: das Unternehmen beantragt die staatliche Förderung, obwohl alle Arbeitnehmer voll arbeiten. Der Vorteil für Arbeitgeber liegt auf der Hand: auf diese Art und Weise bekommen sie ein Teil der Personalkosten durch die Arbeitsagentur ersetzt und haben keinen Arbeitsausfall. Die andere beliebte Praktik: Unternehmen kassieren Lohnzuschüsse vom Staat für diejenigen Arbeitnehmer, die im Urlaub oder krank sind.
Aber wie ist so ein Tricksen überhaupt möglich? Ganz einfach: die Arbeitsagenturen gelten als überlastet. Und damit die Hilfe schneller ankommt, hat die große Koalition den Zugang zum Kurzarbeitergeld erheblich erleichtert. 50.000 Firmen haben derzeit Kurzarbeit beantragt – eine derartige Menge kann kaum kontrolliert werden. Die Bundesagentur ist daher auf anonyme Anzeigen von Mitarbeitern angewiesen, um diese Fälle aufdecken zu können. Doch welcher Arbeitnehmer ist bereit, seinen Arbeitgeber anzuzeigen? In diesen Zeiten sind viele einfach froh, einen Arbeitsplatz zu haben.
Andrea
Das „Ländle“ scheint sich in Deutschland zum Zentrum der Kurzarbeit zu entwickeln: Nirgendwo arbeiten derzeit mehr Menschen kurz als in Baden-Württemberg. 550.000 Arbeitnehmer sind insgesamt angeblich bereits davon betroffen. Bei Focus Online erschien nun eine Reportage über die „Generation Kurzarbeit“ und darüber, wie sich praktisch über Nacht das Leben für Hunderttausende verändert hat.
Peter
Link zur Reportage auf Focus Online
Immer noch aktuell: Ausführliche Informationen zur Kurzarbeit vom BMA und der Bundesagentur für Arbeit
Auf Grund der Umweltprämie geht es der Autobranche im Moment trotz Wirtschaftskrise noch relativ gut. Jedoch profitieren nicht alle Autobauer von dem staatlichen Finanzzuschuss.
Denn in knappen Zeiten sind vor allem Kleinwägen gefragt. Diese sind nämlich zu einem besonders günstigen Preis zu haben. Mittel- und Luxusklassewägen bleiben hingegen in finanzschwachen Zeiten eher Ladenhüter. So bleibt z.B. Daimler auf vielen unverkauften Autos sitzen. Die Verkäufe von Autos und Lastwagen sind dort um 34 Prozent eingebrochen.
Nach Auskunft des Bundesamtes für Wirtschaft Ausfuhrkontrolle (BAFA) werden statt dessen vor allem VW-Marken wie Volkswagen, Seat und Skoda verkauft. Auf diese Marken entfallen ca. 27 Prozent aller Abwrack-Anträge. Den zweitgrößten Anteil erzielt mit ca. 10 Prozent Opel.
Die Luxuswagen-Hersteller BMW und Daimler profitieren hingegen kaum von der Abwrackprämie. So entfielen lediglich ca. 2 Prozent der Anträge auf Daimler, unter anderem mit den Konzernmarken Mercedes-Benz und smart, sowie nur 1 Prozent auf BMW.
Die Prämie kann somit den Umsatzrückgang bei Daimler nicht mildern; eine dramatische Absatzkrise besteht.
Um Gegenzusteuern wird es deshalb ab Mai bei 60.000 Daimler-Beschäftigten die Arbeitszeit um 8,75 Prozent ohne Lohnausgleich verkürzt werden. Außerdem soll die ursprünglich für Mai geplante zweite Stufe der Tariferhöhung auf Oktober verschoben werden. Wenigstens schließen sich auch Vorstände und leitende Führungskräfte dem Gehaltsverzicht an: Der Vorstand verzichtet umgerechnet auf zwei Monatsgehälter, leitende Führungskräfte büßen ein volles Monatsgehalt ein. Eine Erfolgsbeteiligung wird es ebenfalls nicht geben.
Mit diesen schmerzhaften Einbußen hat der Gesamtbetriebsrat jedoch erreicht, dass bis 30.06.2010 keine betriebsbedingten Kündigungen erfolgen.
Daimler will mit diesen Maßnahmen versuchen den Umsatzrückgang auszugleichen.
Thomas
Man liest derzeit viel über Kurzarbeit, vielleicht ist man auch schon davon betroffen, viele Firma denken bereits darüber nach, andere haben sie schon eingeführt: Siemens zum Beispiel hat aktuell 12.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit und will diese Zahl bis Juni auf 19.000 steigern. Bei Continental soll bis Ende April angeblich jeder zweite Beschäftigte in Kurzarbeit sein. Und das sind nur zwei Meldungen vom heutigen Tag.
Die Zahlen, die die Bundesagentur für Arbeit nun vorgelegt hat, beeindrucken und lassen einen erschaudern: Im März 2009 hatten bereits rund 24.000 Betriebe für 670.000 Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet. Seit Jahresbeginn kostete dies die Bundesagentur 260 Millionen Euro. Das ist über eine Viertel Milliarde. Allein 173 Millionen davon entstanden nur im März. Trend: stark steigend. Eine wahre Kostenexplosion. Wo soll das hinführen? Die Regierung plant nun, die Förderung des Kurzarbeitergeldes auszuweiten, zum Beispiel durch eine Erweiterung von 18 auf 24 Monate. Aber wie lange geht der Plan noch auf, die Arbeitslosigkeit mit Hilfe der Kurzarbeit zu verzögern und zeitlich nach hinten zu verschieben, in der Hoffnung vom irgendwann kommenden Aufschwung abgefangen zu werden?
Noch ein Lesetipp: „Das Leben ist kurz“ –eine Reportage der taz, die sich mit dem Alltag eines Maschinenschlossers in Kurzarbeit beschäftigt. Diejenigen, die immer noch der Ansicht sind, Kurzarbeit wäre so was ähnliches wie Urlaub (und solche Meinungen gibt es durchaus), die sollten das mal lesen. Die anderen auch.
Peter
Die Wirtschaftskrise wird in den kommenden Monaten den Arbeitsmarkt erfassen: bis zu fünf Millionen Menschen könnten bis Ende 2010 ihren Job verlieren.
Nach Einschätzung des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) droht Deutschland ein Rückfall in die Massenarbeitslosigkeit. Der Konjunkturchef des Essener Instituts, Roland Döhrn, erwartet, dass im Verlauf dieses Jahres rund 1,2 Millionen Arbeitsplätze verloren gehen und die Zahl der Arbeitslosen um 1,1 Millionen steigt. Bereits im Oktober werde die Zahl der Arbeitslosen auf vier Millionen anwachsen, Ende 2010 könnten es bis zu 5 Millionen Arbeitslose sein. Laut RWI wird ebenso die Zahl der Kurzarbeiter stärker steigen als in früheren Rezessionen.
Auch das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK)prognostiziert, dass sich die wirtschaftliche Schwäche im zweiten Halbjahr 2009 deutlich auf den Arbeitsmarkt durchschlagen wird. Im Jahresschnitt 2010 werden voraussichtlich 4,5 Millionen Menschen ohne Job sein.
Die Experten sind sich nicht einig, wie stark die Konjunktur einbrechen wird, Einigkeit besteht nur darin, dass sie einbrechen wird. Bleibt nur zu hoffen, dass der Aufschwung nicht so lange auf sich warten lässt.
Andrea
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