Antrittsreden wohin man auch sieht: Im Bundestag geht es rund. Erst kam Angela Merkel mit ihrer Regierungserklärung, danach der neue Bundesarbeitsminister Franz Josef Jung mit seiner Antrittsrede. Die Bundeskanzlerin verlängert  dabei still und leise die Kurzarbeit und Herr Minister Jung findet scheinbar die Rückkehr zur Sklavenarbeit gut. Aber dazu später mehr…

Hier einige Passagen aus der Erklärung der Bundeskanzlerin:
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Kurzarbeit –  für viele Firmen das Mittel, um Auftragsrückgänge überbrücken zu können. Doch immer mehr Unternehmen missbrauchen die verstärkte Förderung von Kurzarbeitergeld. Wie die Süddeutsche Zeitung meldet, verdächtigt die Bundesagentur für Arbeit nach eigenen Angaben bereits 116 Unternehmen, zu Unrecht Kurzarbeitergeld bezogen zu haben, Tendenz steigend. „Viele Fälle haben wir bereits der zuständigen Staatsanwaltschaft oder dem Hauptzollamt übergeben“, sagte eine Sprecherin der Behörde der Süddeutschen Zeitung. Dabei sind zwei Praktiken besonders verbreitet: das Unternehmen beantragt die staatliche Förderung, obwohl alle Arbeitnehmer voll arbeiten. Der Vorteil für Arbeitgeber liegt auf der Hand: auf diese Art und Weise bekommen sie ein Teil der Personalkosten durch die Arbeitsagentur ersetzt und haben keinen Arbeitsausfall. Die andere beliebte Praktik: Unternehmen kassieren Lohnzuschüsse vom Staat für diejenigen Arbeitnehmer, die im Urlaub oder krank sind.

Aber wie ist so ein Tricksen überhaupt möglich? Ganz einfach: die Arbeitsagenturen gelten als überlastet. Und damit die Hilfe schneller ankommt, hat die große Koalition den Zugang zum Kurzarbeitergeld erheblich erleichtert. 50.000 Firmen haben derzeit Kurzarbeit beantragt – eine derartige Menge kann kaum kontrolliert werden. Die Bundesagentur ist daher auf anonyme Anzeigen von Mitarbeitern angewiesen, um diese Fälle aufdecken zu können. Doch welcher Arbeitnehmer ist bereit, seinen Arbeitgeber anzuzeigen? In diesen Zeiten sind viele einfach froh, einen Arbeitsplatz zu haben.

Andrea

 

von Peter am 19.05.2009, 17:25 Uhr , Kategorie: Arbeitsmarkt, Kurzarbeit

Das „Ländle“ scheint sich in Deutschland zum Zentrum der Kurzarbeit zu entwickeln: Nirgendwo arbeiten derzeit mehr Menschen kurz als in Baden-Württemberg. 550.000 Arbeitnehmer sind insgesamt angeblich bereits davon betroffen. Bei Focus Online erschien nun eine Reportage über die „Generation Kurzarbeit“ und darüber, wie sich praktisch über Nacht das Leben für Hunderttausende verändert hat.

Peter

Link zur Reportage auf Focus Online
Immer noch aktuell: Ausführliche Informationen zur Kurzarbeit vom BMA und der Bundesagentur für Arbeit

Auf Grund der Umweltprämie geht es der Autobranche im Moment trotz Wirtschaftskrise noch relativ gut. Jedoch profitieren nicht alle Autobauer von dem staatlichen Finanzzuschuss.

Denn in knappen Zeiten sind vor allem Kleinwägen gefragt. Diese sind nämlich zu einem besonders günstigen Preis zu haben. Mittel- und Luxusklassewägen bleiben hingegen in finanzschwachen Zeiten eher Ladenhüter. So bleibt z.B. Daimler auf vielen unverkauften Autos sitzen. Die Verkäufe von Autos und Lastwagen sind dort um 34 Prozent eingebrochen.

Nach Auskunft des Bundesamtes für Wirtschaft Ausfuhrkontrolle (BAFA) werden statt dessen vor allem VW-Marken wie Volkswagen, Seat und Skoda verkauft. Auf diese Marken entfallen ca. 27 Prozent aller Abwrack-Anträge. Den zweitgrößten Anteil erzielt mit ca. 10 Prozent Opel.

Die Luxuswagen-Hersteller BMW und Daimler profitieren hingegen kaum von der Abwrackprämie. So entfielen lediglich ca. 2 Prozent der Anträge auf Daimler, unter anderem mit den Konzernmarken Mercedes-Benz und smart, sowie nur 1 Prozent auf BMW.

Die Prämie kann somit den Umsatzrückgang bei Daimler nicht mildern; eine dramatische Absatzkrise besteht.

Um Gegenzusteuern wird es deshalb ab Mai bei 60.000 Daimler-Beschäftigten die Arbeitszeit um 8,75 Prozent ohne Lohnausgleich verkürzt werden. Außerdem soll die ursprünglich für Mai geplante zweite Stufe der Tariferhöhung auf Oktober verschoben werden. Wenigstens schließen sich auch Vorstände und leitende Führungskräfte dem Gehaltsverzicht an: Der Vorstand verzichtet umgerechnet auf zwei Monatsgehälter, leitende Führungskräfte büßen ein volles Monatsgehalt ein. Eine Erfolgsbeteiligung wird es ebenfalls nicht geben.

Mit diesen schmerzhaften Einbußen hat der Gesamtbetriebsrat jedoch erreicht, dass bis 30.06.2010 keine betriebsbedingten Kündigungen erfolgen.

Daimler will mit diesen Maßnahmen versuchen den Umsatzrückgang auszugleichen.

Thomas

von Peter am 23.04.2009, 17:33 Uhr , Kategorie: Kurzarbeit, Wirtschaftskrise

Man liest derzeit viel über Kurzarbeit, vielleicht ist man auch schon davon betroffen, viele Firma denken bereits darüber nach, andere haben sie schon eingeführt: Siemens zum Beispiel hat aktuell 12.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit und will diese Zahl bis Juni auf 19.000 steigern. Bei Continental soll bis Ende April angeblich jeder zweite Beschäftigte in Kurzarbeit sein. Und das sind nur zwei Meldungen vom heutigen Tag.

Die Zahlen, die die Bundesagentur für Arbeit nun vorgelegt hat, beeindrucken und lassen einen erschaudern: Im März 2009 hatten bereits rund 24.000 Betriebe für 670.000 Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet. Seit Jahresbeginn kostete dies die Bundesagentur 260 Millionen Euro. Das ist über eine Viertel Milliarde. Allein 173 Millionen davon entstanden nur im März. Trend: stark steigend. Eine wahre Kostenexplosion. Wo soll das hinführen? Die Regierung plant nun, die Förderung des Kurzarbeitergeldes auszuweiten, zum Beispiel durch eine Erweiterung von 18 auf 24 Monate. Aber wie lange geht der Plan noch auf, die Arbeitslosigkeit mit Hilfe der Kurzarbeit zu verzögern und zeitlich nach hinten zu verschieben, in der Hoffnung vom irgendwann kommenden Aufschwung abgefangen zu werden?

Noch ein Lesetipp: „Das Leben ist kurz“ –eine Reportage der taz, die sich mit dem Alltag eines Maschinenschlossers in Kurzarbeit beschäftigt. Diejenigen, die immer noch der Ansicht sind, Kurzarbeit wäre so was ähnliches wie Urlaub (und solche Meinungen gibt es durchaus), die sollten das mal lesen. Die anderen auch.

Peter

von Andrea am 24.03.2009, 08:41 Uhr , Kategorie: Kurzarbeit, Wirtschaftskrise

Die Wirtschaftskrise wird in den kommenden Monaten den Arbeitsmarkt erfassen: bis zu fünf Millionen Menschen könnten bis Ende 2010 ihren Job verlieren.

Nach Einschätzung des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) droht Deutschland ein Rückfall in die Massenarbeitslosigkeit. Der Konjunkturchef des Essener Instituts, Roland Döhrn, erwartet, dass im Verlauf dieses Jahres rund 1,2 Millionen Arbeitsplätze verloren gehen und die Zahl der Arbeitslosen um 1,1 Millionen steigt. Bereits im Oktober werde die Zahl der Arbeitslosen auf vier Millionen anwachsen, Ende 2010 könnten es bis zu 5 Millionen Arbeitslose sein. Laut RWI wird ebenso die Zahl der Kurzarbeiter stärker steigen als in früheren Rezessionen.

Auch das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK)prognostiziert, dass sich die wirtschaftliche Schwäche im zweiten Halbjahr 2009 deutlich auf den Arbeitsmarkt durchschlagen wird. Im Jahresschnitt 2010 werden voraussichtlich 4,5 Millionen Menschen ohne Job sein.

Die Experten sind sich nicht einig, wie stark die Konjunktur einbrechen wird, Einigkeit besteht nur darin, dass sie einbrechen wird. Bleibt nur zu hoffen, dass der Aufschwung nicht so lange auf sich warten lässt.

Andrea

Das WSI-Tarifarchiv der Hans-Böckler-Stiftung („was ist das?“) hat im Februar 2009 untersucht, wie weit sich Tarifverträge auf die in Deutschland aktuell immer häufiger eingeführte Kurzarbeit auswirken. Ein Ergebnis lautet dabei: Die Mitbestimmung des Betriebsrats steht fast immer im Mittelpunkt!

Eine stark wachsende Anzahl von Betrieben versucht derzeit mit Hilfe von Kurzarbeit Kündigungen zu vermeiden und die Beschäftigten im Betrieb zu halten. In vielen Fällen sehen dabei Tarifverträge Regeln für die Einführung und die Ausgestaltung von Kurzarbeit vor. Eine aktuelle Auswertung untersuchte jetzt die Tarifverträge aus 18 Branchen etwas genauer. Die Ergebnisse im groben Überblick:

– In fast allen Branchen ist per Tarifvertrag geregelt, dass Kurzarbeit nur mit Zustimmung des Betriebsrats eingeführt werden darf.

-Sehr häufig müssen tarifvertragliche Ankündigungsfristen für die Kurzarbeit eingehalten werden: sie reichen von 5 Arbeitstagen bis zu einem Monat.

– In Teilbereichen (zum Beispiel bei der Deutschen Bahn AG) werden keine Gehaltskürzungen vorgenommen. Manche Bereiche stocken das Kurzarbeitergeld tariflich auf 75-100% auf.

– Mitarbeiter, die während der Kurzarbeitphase gekündigt werden, erhalten über die meisten Tarifverträge einen rückwirkenden Anspruch auf das volle Tarifentgelt.

Mehr Informationen zu dieser Untersuchung gibt es auf den Webseiten der Böckler-Stiftung.

Peter

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