von Peter am 20.08.2010, 08:42 Uhr , Kategorie: Leiharbeit

Der Bundesverband Zeitarbeit (BZA) gab bekannt, dass die Zahl der Leiharbeitnehmer in Deutschland erneut den historischen Höchststand aus dem Jahr 2008 erreicht hat: 826.000 Beschäftigte! Der konjunkturelle Wendepunkt der Branche war im April 2009: Seitdem seien 240.000 neue sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse dazu gekommen. Rechnet man das nun einfältig linear weiter, dürfen wir uns wahrscheinlich am 19. Juli 2011 auf den einmillionsten Zeitarbeiter freuen. BZA-Präsident Volker Enkerts ist voll des Stolzes: Die Zeitarbeitsbranche versorge die rasch wachsende Wirtschaft schnell und flexibel mit passenden Arbeitskräften, sie sei eine tragende Säule des Aufschwungs.

Das könnte man auch anders ausdrücken: Der derzeit propagierte Aufschwung stützt sich auf den massenhaften Einsatz billiger Aushilfskräfte. Wenn das nachhaltig sein soll
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Sie ist möglicherweise einer der besten Indikatoren, wie es der Wirtschaft gerade geht: Die Zeitarbeit. Leiharbeitnehmer sind normalerweise die ersten im Betrieb, die ihn verlassen müssen, sobald sich der muffige Geruch von Wirtschaftskrise auszubreiten beginnt. Andererseits ist ihr wucherartig verstärktes Auftreten ein eindeutiger Hinweis auf allgemeine Besserung der Lage. Derzeit scheint es wieder so weit zu sein: Auf eine Anfrage der Partei Die Linken gab die Bundesregierung bekannt, dass nach Daten der Bundesagentur für Arbeit im Juni 2010 für mehr als jede dritte neue Stelle von den Betrieben ausdrücklich Leiharbeiter gesucht würden, die Stellenangebote hätten sich hier seit Jahresbeginn insgesamt  mehr als verdoppelt.

Da werden so manche Augen strahlen, denn Unternehmer lieben
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Das sind ja hammermäßige Nachrichten! Der Streit zwischen der Discounter-Kette Schlecker und der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di ist beigelegt, man hat sich auf einen Tarifvertrag für die rund 34.000 Beschäftigten in den AS-Filialen und in den neuen XL-Märkten geeinigt. Ab dem 1. Juli 2010 soll bundesweit für alle Arbeitnehmer nach dem Einzelhandelstarif Baden-Württemberg bezahlt werden, auch die Leiharbeit will man eindämmen. Was ist denn da passiert? Gerade Schlecker ist in den letzten Jahren zunehmend in die Kritik gekommen: Miserable Arbeitsbedingungen, ja fast schon Ausbeutung, so lauteten einige der heftigsten Vorwürfe. Zuletzt kam dann noch die Sache mit den XL-Märkten: Normale Filialen wurden geschlossen, Angestellte gekündigt, gleich nebenan wurde ein neuer „XL-Markt“ eröffnet, bei dem die gekündigten Angestellten über eine interne Leiharbeitsfirma wieder eingestellt wurden, natürlich zu wesentlich niedrigeren Bezügen. Skandalöse Methoden, anders konnte man das nicht mehr bezeichnen.

Schlecker scheint mittlerweile erkannt zu haben, dass man sich mit dieser Strategie
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von Peter am 20.05.2010, 09:01 Uhr , Kategorie: Leiharbeit

Die IG Metall hat ein Memorandum zur Leiharbeit veröffentlicht. Auf elf Seiten wird mit Hilfe von Zahlen, Fakten und Grafiken über die Hintergründe der umstrittenen Arbeitsform informiert. Betriebsräten werden darüberhinaus eine ganze Reihe von Argumenten an die Hand gegeben, wenn es darum geht, Leiharbeit im Betrieb zu verhindern. IG Metall-Bezirksleiter Oliver Burkhard: „Auszubildende übernehmen, zuvor Entlassene wieder fest einstellen, den Tarifvertrag Personaltausch als Alternative nutzen – das alles ist besser, als wieder auf Leiharbeit zu setzen. Betriebsräte haben jetzt starke Argumente, um Leiharbeit im Betrieb zu verhindern oder zu begrenzen.“

Dazu passt die Meldung, dass Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen sog. Lohndrückerei durch den Missbrauch von Zeitarbeit
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Fairness auf dem Arbeitsmarkt: Mit diesem Titel hat die SPD ihren mit einiger Spannung erwarteten Präsidiumsbeschluss vom 15. März 2010 überschrieben. Sie wollen wieder Ordnung auf dem deutschen Arbeitsmarkt schaffen, so steht es fett gedruckt auf Seite 3. Wieder Ordnung schaffen? Wahrlich eine Aussage, die man nur schwer unkommentiert lassen kann! Denn wer hat denn damals die Hartz IV-Gesetze beschlossen und umgesetzt? Wenn also eine Unordnung entstanden sein sollte, wie kam es dann dazu? Aber gut, vielleicht ist das nur Wortklauberei! Was aber stellt sich die Partei für die Zukunft der Arbeitsmärkte vor? Hier eine Übersicht aller Maßnahmen, in dem Papier behutsam als „Vorschläge“ bezeichnet:

  • Privates Vermögen soll bei der Anspruchsprüfung von Arbeitslosengeld II zukünftig nicht mehr angerechnet werden
  • Erhöhung des sog. Übergangszuschlags beim Abrutschen von Arbeitslosengeld I in das Arbeitslosengeld II
  • Verlängerung des Bezugs von Arbeitslosengeld I von einem auf zwei Jahre für jüngere Arbeitnehmer, von zwei auf drei Jahre für ältere Arbeitnehmer. Voraussetzung dafür ist die Teilnahme an berufsqualifizierenden Maßnahmen
  • Einführung eines allgemeinen gesetzlichen Mindestlohnes in Höhe von
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Zur Zeit toben sie sich alle gehörig in der Arbeitsmarktpolitik aus. Dabei ist deutlich zu sehen: Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Nur so ist das fast schon an Verbalklamauk Erinnernde zu erklären, das momentan von einigen Politikern aufgeführt wird. Die Feierlichkeiten zum fünfjährigen Hartz IV-Geburtstag waren der Anfang. Erst sprach die neue Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen mit der Bild-Zeitung. Dort kündigte sie an, Arbeitsunwillige härter bestrafen zu wollen: „Wer Geld von der Gemeinschaft bekommt, müsse auch etwas dafür tun.“ Dass in den meisten Fällen einfach keine Arbeit da ist, die angeboten werden kann, fällt wie so oft bei dieser Diskussison unter den Tisch.

Weiter ging die Reise in die Fernsehsendung von Anne Will. Hier wurde die Ministerin mit der immer schlechter werdenden Situation der Leiharbeitnehmer bei Schlecker konfrontiert. „Ganz genau hinsehen“ wolle sie da und „Schlupflöcher schließen“. Gesagt, getan: Parallel kamen schon die ersten Forderungen nach Gesetzesänderungen
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Auf die CGZP, ihre sog. „Gefälligkeitstarifverträge“ und die negativen Auswirkungen derselben auf das Lohnniveau für Leiharbeitnehmer sind wir vor einigen Monaten in diesem Beitrag ausführlich eingegangen. Im April 2009 erklärte das Berliner Arbeitsgericht die von der CGZP abgeschlossenen Tarifverträge für unwirksam. Grund: Fehlende Sozialmächtigkeit! Übersetzt bedeutet das, dass eine Gewerkschaft von ihrer inneren Struktur her stark genug sein muss, um auf den Gegenspieler eine gewisse Durchsetzungskraft ausüben zu können. Wer das nicht schafft, verfüge letztlich über keine Tariffähigkeit!

Nun urteilte die nächste Instanz: Das Landesarbeitsgericht Berlin verwarf die Berufung der CGZP mit der Begründung,
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Das Handelsblatt meldet, dass wieder mehr sog. „flexibles Personal“ zum Einsatz kommt. Große Zeitarbeitsfirmen wie  Randstad oder Adecco hätten im dritten Quartal 2009 wieder vermehrt neue Stellen geschaffen. Ein Indikator für das Anziehen der gesamten Wirtschaftsleistung? Schon möglich. Wobei sich der anzeichnende Aufschwung in diesem Bereich auch nur als Strohfeuer herausstellen könnte. Denn die Branche wird von einem ganz anderen Thema beschäftigt:
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von Peter am 17.09.2009, 17:22 Uhr , Kategorie: Leiharbeit

Einige aktuelle Nachrichten rund um das Thema Leiharbeit:

Unternehmen mißbrauchen die Leiharbeit zur Gewinnsteigerung

Die IG Metall hat kürzlich eine Untersuchung vorgestellt, wonach viele Unternehmen das Instrument der Leiharbeit strategisch benutzen, um ihre Profite zu steigern: Arbeits- und Tarifbedingungen werden unterlaufen und Dumpinglöhne auf diese Art etabliert.Vor dem Hintergrund, dass immer weniger Bürger von ihrer Arbeit leben können, ist das eine sehr bedenkliche Entwicklung.

Leiharbeiter in Deutschland schlechter abgesichert

Nach Informationen des Deutschen Gewerkschaftsbunds, DGB, sind Leiharbeitnehmer in Deutschland schlechter abgesichert und bezahlt , als in anderen europäischen Ländern. Dies habe ein Vergleich zwischen  sieben Ländern ergeben, den die Hans-Böckler-Stiftung angestellt hat. Dazu meint DGB-Vorstand Annelie Buntenbach: „Leiharbeit wird in Deutschland systematisch zum Lohndumping missbraucht.“

Firmen stellen wieder vermehrt Leiharbeiter ein

In der Krise ging es bergab, zumindest im Bereich der Leiharbeit scheint sich aber aktuell schon wieder ein gegenläufiger Trend zu entwickeln. Denn nach einem Bericht der Zeitung Handelsblatt stellen die deutschen Zeitarbeitsunternehmen seit wenigen Monaten vermehrt Mitarbeiter ein.

Landkarte der Leiharbeit erschienen

Die Hans-Böckler-Stiftung hat auf Basis von Statistiken der Bundesagentur für Arbeit eine Landkarte der Leiharbeit erstellt. Dazu Experte Alexander Herzog-Stein vom WSI-Institut: „Die Leiharbeit war vor Ausbruch der Krise zumindest regional auf dem Weg, zu einer durchaus bedeutsamen Beschäftigungsform zu werden. Nach Ausbruch der Krise haben viele Tausend Leiharbeiter ihre Beschäftigung verloren. In Gegenden mit hohem Leiharbeiter-Anteil könnte das zu einem erheblichen Problem für den regionalen Arbeitsmarkt werden.“

Peter

Link: Interaktive Landkarte aufrufen

Bildquelle: Hans-Böckler-Stiftung

von Peter am 07.09.2009, 10:09 Uhr , Kategorie: Leiharbeit

Nachdem die rechtlichen Regeln für die Leiharbeit vor einigen Jahren liberalisiert wurden, fand in dieser Branche jobmäßig ein regelrechter Höhenflug statt. Der Höchststand an Beschäftigten wurde im Juli 2008 erreicht, als es nach Angaben des Branchenverbandes BZA über 823.000 Leiharbeitnehmer gab.

Dann kam die Wirtschaftskrise und mit ihr der Absturz: viel schneller, als es vorher bergauf ging, rauschten die Beschäftigten-Zahlen wieder nach unten: Der DGB schätzt, dass es mittlerweile weniger als 500.000 Leiharbeitnehmer gibt. Über 200.000 Jobs gingen somit in einem raktenartigen Tempo wieder verloren.

DGB-Vorstand Annelie Buntenbach: Die Leiharbeit ist keine Wunderwaffe. Die Versprechungen der Branche waren Schall und Rauch. Verleihfirem wollen keine Risiko tragen und verlagern diese lieber auf die Beschäftigten, die Sozialversicherungen und auf den Steuerzahler.“

Die Idee der Leiharbeit ist einfach: Mit ihrer Hilfe sollen kurzfristige Konjunkturspitzen abgefangen werden, weil die Arbeitgeber Angst haben, Beschäftigte einzustellen, für die sie anschließend, wenn die Aufträge wieder nachlassen, keine Arbeit mehr haben. Herausgekommen zu sein scheint jedoch ein Instrument, was vor allem Unternehmen dabei hilft, ihre Rendite zu maximieren. Von sozialer Verantwortung ist nicht viel zu sehen.

Klaus Dörre ist Arbeitssoziologe an der Universität Jena. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung meinte er: „Firmen setzen Leiharbeit mehr und mehr strategisch ein und radikalisieren dadurch das Problem, indem sie Arbeitnehmerrechte wie den Kündigungsschutz systematisch aushebeln. Das System powert die Leute aus.“

Jetzt wäre die richtige Zeit, Korrekturen im System vorzunehmen, für mehr Beschäftigten-Rechte, denn wenn in Kürze bald wieder die Konjunktur anspringt, wie immer mehr Medien melden, dann wird es auch mit den Leiharbeiterzahlen wieder sprunghaft nach oben gehen. Und dann wird sich politisch niemand mehr finden, der für verbesserte Rechte der Leiharbeitnehmer eintritt.

Peter

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