Ein bekanntes Thema ist wieder auf dem Tisch bzw. wieder vom Tisch. Wie das? Wie bereits früher hat nun Anfang des Monats die SPD erneut zum Schutz der Arbeitnehmer nach einem Anti-Stress-Gesetz verlangt. Das berichtete unter anderen die „Welt“. In diesem solle es vor allem um die Regelung der Frage gehen, wann der Arbeitgeber einen Mitarbeiter kontaktieren darf (Stichwort Erreichbarkeit). Ein solches Gesetz könne einen wichtigen Präventionsbeitrag leisten – insbesondere vor dem Hintergrund einer immer älter werdenden Gesellschaft. „Die bestehenden Regelungen im Arbeitsschutzgesetz reichen bei weitem nicht aus“, so ein Vorstandmitglied der IG Metall.

Die Bundesregierung hat jetzt auf eine Anfrage der Linksfraktion ganz aktuell mit folgender Antwort reagiert: „ Für eine eigenständige Verordnung (z. B. zum Schutz vor Gefährdungen durch psychische Belastungen bei der Arbeit bzw. in Form einer Anti-Stress-Verordnung) liegen derzeit noch keine hinreichend konkreten Gestaltungsanforderungen vor, die als Handlungsaufforderungen an den Arbeitgeber gestellt werden können. Diese Gestaltungsanforderungen sind Voraussetzungen für rechtsicheres Handeln des Arbeitgebers und für die Durchsetzung durch die zuständigen Arbeitsschutzaufsichtsbehörden. Insbesondere ist die Frage offen, inwieweit der Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis hinreichend ist, mögliche Gefährdungen in ihrer Komplexität klar zu definieren und zu erfassen, um auf dieser Basis moderne Arbeitsformen menschengerecht zu gestalten. Vor allem zum Wirkfaktor Arbeit bei psychischen Belastungen und zur präventiven Beeinflussbarkeit durch die Betriebe gehen die Meinungen weit auseinander.“

Im Ergebnis ist damit ein Anti-Stress-Gesetz in dieser Legislaturperiode nicht zu erwarten. Doch: Bis 2016 will die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin ein Forschungsprojekt durchführen, dass auf die Ableitung möglicher Handlungsempfehlungen zur psychischen Gesundheit zielt. Nach Vorlage dieser Handlungsempfehlungen soll laut Antwortschreiben das Bundesministerium für Arbeit und Soziales prüfen, ob sich daraus hinreichend konkrete Gestaltungsanforderungen ableiten lassen, die in einer Arbeitsschutzverordnung geregelt werden sollten. Warten wir es also ab.

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Es ist noch gar nicht so lange her, da haben wir unter Berufung auf den DAK-Gesundheitsreport 2012 folgenden Blogbeitrag gepostet: „Alarmierend: Psychische Leiden auf Platz drei der Fehlzeiten“. Damals lagen vor den psychischen Leiden nur noch Muskel-Skelett- sowie Atemwegserkrankungen. Kaum ein Jahr später haben wir ein neues und – leider auch noch passend zur Thematik – deprimierendes Ergebnis. Denn: Die psychischen Erkrankungen haben inzwischen die Atemwegserkrankungen vom zweiten Platz verdrängt. Das berichtet der Gesundheitsreport des BKK-Dachverbandes 2013.

Angesichts dieser Statistik werden in den Betrieben Aufschreie laut: „Was das bedeutet!“ klagt der Arbeitnehmer. „Was das kostet!“, jammert der Arbeitgeber. Klar ist jedoch: Dringender Handlungsbedarf ist angesagt – an allen Ecken und Enden und auf allen Ebenen. Aber: Der Arbeitgeber müsste handeln, tut es aber nicht. Der Arbeitnehmer möchte handeln, kann es aber nicht. Wie so oft ist auch an dieser Stelle der Betriebsrat gefragt. Holen Sie sich hier das nötige Praxiswissen und hilfreiche Handlungskonzepte, um psychischen Belastungen in Ihrem Betrieb erfolgreich entgegen zu treten.

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Von heute auf morgen geht auch das wohl eher nicht. Doch Schritt für Schritt und mit dem richtigen „Handlungsplan“ in der Tasche ist ganz viel möglich. Denn: In diesem Seminar schauen wir gemeinsam mit Ihnen nicht auf die Dinge im Leben, die krank machen, sondern auf die, die uns stark machen und gesund bleiben lassen. Egal, ob Sie schon seit Ewigkeiten im Betriebsrat sind oder dieses Jahr neu gewählt wurden – es ist nie zu spät gelassener, stressfester und leistungsstärker zu werden. Achten Sie auf sich selbst! Trainieren Sie, wie Sie gezielt an Ihren Verhaltensmustern und Gedanken arbeiten. Lassen Sie sich zeigen, wie Sie mit etwas Übung viel entspannter mit Stress umgehen. So beugen Sie nicht nur Burn-out vor, sondern machen den ersten Schritt insgesamt zu einem lebenswerteren Leben. Mehr zum Inhalt der Veranstaltung und alle Termine finden Sie hier.

Übrigens: Auch andere Interessenvertreter sind natürlich herzlich willkommen.

Dies ist das traurige Ergebnis einer Studie der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtk). Danach sind 2012 rund 75.000 Versicherte vorzeitig wegen psychischer Probleme in den Ruhestand versetzt worden. Dies macht 42 Prozent aller Frühverrentungen aus. Seit 2001 haben vor allem Depressionen (plus 96 Prozent), Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (plus 74 Prozent) sowie Suchterkrankungen (plus 49 Prozent) als Grund zugenommen. Im Durchschnitt waren die frühverrenteten Versicherten 49 Jahre alt.

Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der BPtk, macht unter anderem einen „Missstand“ für dieses Ergebnis verantwortlich, für den „das deutsche Gesundheitssystem seit Jahren keine angemessene Lösung findet“. Gemeint ist, dass laut BPtk psychisch kranke Menschen in Deutschland rund drei Monate auf einen ersten Termin in einer psychotherapeutischen Praxis warten. Viele geben bei der Suche nach einem Behandlungsplatz auf und bleiben unbehandelt. In Deutschland erhält überhaupt nur jeder dritte psychisch Kranke eine Behandlung. „Dass psychische Erkrankungen so häufig und so früh zu Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit führen, liegt auch daran, dass psychisch kranke Menschen nicht oder nicht rechtzeitig behandelt werden“, so Richter.

Und das ist leider noch nicht alles: Laut Pressemitteilung haben Menschen, die lange psychisch erkrankt und deshalb arbeits- oder erwerbsunfähig werden, ein hohes Risiko, ein Leben in Armut zu führen. Die Erwerbsminderungsrenten sind seit 2000 stark gefallen. Ihre Höhe betrug 2012 durchschnittlich rund 600 Euro pro Monat. Mehr als ein Viertel der erwerbsunfähigen Rentner lebt in Einkommensarmut.

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Würden Sie sich auch manchmal wünschen, nach dem Urlaub kein überquellendes E-Mail-Postfach vorzufinden? Für Daimler-Mitarbeiter geht dieser Wunsch bald in Erfüllung: Wie das Unternehmen am Freitag mitteilte, kann ab 2013 jeder Mitarbeiter bis hin zum Manager die während seiner Abwesenheit eingehenden E-Mails automatisch löschen lassen. Gleichzeitig weist eine Abwesenheitsnotiz den Absender der E-Mail auf den zuständigen Vertreter hin, so dass jedes Anliegen dennoch bearbeitet werden kann. „Diese neue Spielregel zur E-Mail-Abwesenheit ist eine ganz wesentliche Maßnahme, damit unsere Belegschaft in Ruhephasen noch besser abschalten kann“, so Wilfried Porth, Personalvorstand von Daimler.

Der Autobauer hatte zuvor in Zusammenarbeit mit der Universität Heidelberg 6000 Daimler-Beschäftigte zur Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben befragt, darunter auch Führungskräfte. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Erich Klemm erklärte, es gehe nun vor allem darum, dass Mitarbeiter die Möglichkeiten „mit aktiver Unterstützung wahrnehmen können“.
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