Teilzeitkräfte haben oft schlechte Karten: sie verdienen weniger, ihre beruflichen Aussichten sind schlechter und besonderes Ansehen im Betrieb genießen sie im Normalfall auch nicht. Familienministerin Kristina Schröder meint: Karriere können hierzulande nur diejenigen machen, die in Haushalt und Familie Unterstützung und Hilfe erhalten, denen der Kühlschrank aufgefüllt wird und wo immer der Nachschub an Bügelwäsche sichergestellt ist. Knackpunkt im Berufsleben  ist für viele der Wechsel von Vollzeit in Teilzeit und wieder zurück. Hier bildet das Teilzeitbefristungsgesetz seit dem Jahr 2001 den rechtlichen Rahmen: Beschäftigte dürfen nach Maßgabe von §8 TzBfG ihre Arbeitszeit verringern. Leider steckt der Teufel im gesetzlichen Detail. Denn stehen dem Wunsch des Arbeitnehmers, häufiger wohl der Arbeitnehmerin, sog. „betriebliche Gründe“ entgegen, ist das Ende der Fahnenstange bei der gewünschten Arbeitszeitverringerung schnell erreicht. Solche Gründe zu behaupten und zu konstruieren ist für einen findigen
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Dies ist eine zentrale Forderung von Prof. Dr. Gregor Thüsing (Uni Bonn), Vorstandsmitglied des Deutschen Juristentages.

Nach Meinung des Wissenschaftlers ist das deutsche Arbeitsrecht veraltet. Unsere arbeitsrechtlichen Gesetze passen nicht mehr in die moderne Gesellschaft. Grund dafür ist, dass atypische Beschäftigungsverhältnisse wie z.B. Zeitarbeit, befristete Stellen und Teilzeitarbeitsplätze immer weiter zunehmen.

Hierauf muss der Gesetzgeber reagieren. Insbesondere muss darauf geachtet werden, dass Arbeitnehmer von ihrem Verdienst auch leben können. Die wirtschaftlichen
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von Thomas am 16.08.2010, 09:36 Uhr , Kategorie: Allgemein, Lohn und Gehalt, Teilzeit

In der Kategorie „bad news“ ist die Drogeriemarktkette Schlecker anscheinend Marktführer! Wie die Welt heute berichtet, will das Unternehmen seinen Mitarbeitern offenbar künftig keine Überstunden mehr vergüten, obwohl dies im geltenden Tarifvertrag so vereinbart ist.

Statt dessen gewährt Schlecker seinen Mitarbeitern für geleistete Überstunden künftig einen Freizeitausgleich. Weil aber die meisten Schlecker-Arbeitnehmer teilzeitbeschäftigt sind,
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von Thomas am 15.03.2010, 17:02 Uhr , Kategorie: Arbeitsmarkt, Tarifrecht, Teilzeit, Wirtschaftskrise

Wenn man die Meldungen in Printmedien, Internet und Fernsehen verfolgt, kommt man nicht gerade zu dem Schluss, dass es um die deutsche Wirtschaft derzeit gut bestellt ist. Überall ist von Wirtschaftskrise und Wachstumseinbrüchen zu lesen. Das einzige was ständig wächst, ist die Zahl der Arbeitslosenzahlen. So ist zumindest der subjektive Eindruck!

Das mag an der Sichtweise des Betrachters liegen. Denn: Wir Deutschen neigen tendenziell eher zum Pessimismus. Lieber beschweren wir uns darüber wie schlecht alles läuft anstatt auch die guten Dinge zu sehen. Das altbekannte Glas wird lieber als „halbleer, statt als halbvoll“ angesehen.

Um so mehr erfreut hat mich heute morgen eine Meldung
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Die neue Familienministerin Kristina Schröder (bis vor wenigen Tagen Köhler), CDU, plant eine Ausweitung der Pflegezeit.

Künftig sollen Arbeitnehmer ein Recht auf eine zweijährige Pflegezeit haben (bisher maximal sechs Monate, § 4 Abs. 1 PflegeZG)!

Das Interessante an Schröders Plan ist, dass die Arbeitnehmer neben einem besonderen Kündigungsschutz auch eine Sicherheit bei ihrem Arbeitsentgelt erhalten!

Der pflegende Arbeitnehmer soll seine Arbeitsleistung um die Hälfte reduzieren dürfen, aber weiterhin drei Viertel seines Gehalts beziehen. Nach dem Ende der Pflegezeit soll er dann wieder voll arbeiten, bekommt aber zum Ausgleich zwei Jahre lang ebenfalls nur 75 Prozent seines Gehalts.

Das Risiko,
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von Peter am 17.11.2009, 09:45 Uhr , Kategorie: Teilzeit

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales möchte Väter mit einer neuen Broschüre dabei unterstützen, mehr Teilzeit in Elternzeit zu wagen. Unter dem Titel „Abenteuer Teilzeit“ werden Männern viele Argumente an die Hand gegeben, wie man den gängigen Vorurteilen im Betrieb, also bei Vorgesetzen und Kollegen besser begegnen kann. Denn mit Sprüchen wie „Keine Lust mehr zu arbeiten?“ oder „Packst du’s nicht mehr? So alt bist du doch noch gar nicht!“ muss man erst mal umgehen können.

Broschüre online bestellen

Broschüre herunterladen (pdf-Datei, ca. 1,2 MB)

Peter

Nachtrag: Am 17.11.09 meldet die Hans-Böckler-Stiftung, dass die Zahl der Väter die Elternzeit in Anspruch nehmen, langsam aber stetig ansteigt. Mehr als jeder Dritte bleibt mittlerweile auch länger als die „üblichen“ zwei Monate zu Hause.

Übersicht:

Bildquelle: Hans-Böckler-Stiftung

Bildquelle: Hans-Böckler-Stiftung

Nach einem Bericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, IAB, sind Vollzeitbeschäftigte von der Wirtschaftskrise in stärkerem Ausmass betroffen als Teilzeitkräfte. Erstere seien mehr von der Konjunktur abhängig, erklären die Experten.

Ein paar Zahlen dazu: Im zweiten Quartal 2009 ging die Zahl der Vollzeitbeschäftigten um 0,5 Prozent zum Vorjahreszeitraum zurück, während die Quote der Teilzeitbeschäftigten um 1,2 Prozent zulegen konnte.

Das Institut begründet dies, dass in den vom Konjunktureinbruch stark betroffenen Branchen der Industrie Teilzeit vergleichsweise wenig verbreitet sei. Bei privaten, sozialen und öffentlichen Dienstleistungen liege der Teilzeitanteil dagegen deutlich höher. IAB-Forscher Eugen Spitznagel: „Der Arbeitsmarkt ist derzeitig eindeutig zweigeteilt.“

Ich würde mal behaupten, der ist mindestens dreigeteilt: in Menschen nämlich mit regulärer Beschäftigung, Menschen die kurzarbeiten und in Menschen ohne Beschäftigung. Aber diese Liste könnte man vermutlich endlos verlängern. Fallen mir doch spontan solche Menschen ein, die Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung ausführen dürfen, Ein-Euro-Jobs zum Beispiel. Dem Leser wird bestimmt auch noch was dazu einfallen.

Immerhin positiv an dem Ganzen, dass der Teilzeitsektor, in dem vor allem sehr viele Alleinerziehende tätig sind, nicht ebenfalls abgebaut hat. Denn das wäre für etliche Menschen eine echte Katastrophe. Soll nicht heißen, dass der Jobverlust eines regulären Arbeitsverhältnisses nicht ähnliches bedeutet.

Peter

Da Männer nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit viel häufiger in sog. konjunkturabhängigeren Berufen arbeiten als Frauen, führt die Wirtschaftskrise nun dazu, dass die Arbeitslosenquote dort stärker ansteigt. Im ersten Quartal nahm sie bei Männern um 0,5 Prozent zu, bei den Frauen dagegen waren es nur 0,1 Prozent. Interessant ist dabei in diesem Zusammenhang, welches Phänomen die Rezession gerade in den USA hervorzurufen scheint: Seit Beginn des Wirtschaftsabschwungs haben dort über 5 Millionen Menschen ihren Job verloren, davon 80 Prozent Männer. Und diese drängen nun scheinbar, weil sie nämlich keine Alternative finden, in sogenannte Frauenberufe. Mit mäßigem Erfolg jedoch bislang. Und so kommt es auch, dass immer mehr Frauen zu Alleinverdienern in der Familie werden (müssen). Wenn da nur nicht die Krux wäre, dass viele Frauen standardmäßig in Teilzeit arbeiten und häufig auch noch schlechter bezahlt werden. Mal sehen, wann die ersten Männer in Frauenberufen auftauchen, den vollen Lohnausgleich fordernd…

Peter

In den letzten zehn Jahren hat die Teilzeitarbeit laut Statistischem Bundesamt in Deutschland weiter zugenommen.

Insgesamt hatten im vergangenen Jahr fast 5 Millionen Frauen und Männer einen Teilzeitjob mit maximal 20 Stunden pro Woche. Das sind 16 Prozent aller abhängig Beschäftigten. Vor zehn Jahren arbeiteten nur 3,5 Millionen in Teilzeit – rund ein Drittel weniger als heute.

Gründe für diesen Anstieg sind laut dem Bundesamt unter anderem der im Jahr 2001 eingeführte Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit, die Maßnahmen zur Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die gesetzliche Änderungen zur geringfügigen Beschäftigung.

Für die meisten ist der Hauptgrund für die Teilzeittätigkeit mehr Zeit für familiäre Verpflichtungen zu gewinnen: Über 50% der Teilzeitbeschäftigten üben eine Teilzeittätigkeit aus, weil sie Kinder oder pflegebedürftige Personen betreuen oder anderen familiären Verpflichtungen nachgehen.

Zudem steigt aber auch der Anteil der unfreiwillig in Teilzeit arbeitenden Menschen: Seit 1998 ist dieser von 13 auf 23 Prozent deutlich gewachsen. In den neuen Bundesländern arbeiten sogar 65 Prozent unfreiwillig in Teilzeit, im Westen dagegen nur 17 Prozent.

Auffällig ist, dass die Teilzeitarbeit auch weiterhin eine Frauendomäne ist. 87 Prozent der Beschäftigten mit maximal 20 Stunden in der Woche waren im Jahr 2008 Frauen.

Auf Altersgruppen verteilt ergibt sich eine Zunahme in allen Generationen. Am stärksten ist der Zuwachs jedoch bei den 45- bis 54-Jährigen (plus sechs Prozentpunkte) und am geringsten bei den 25- bis 34-Jährigen (minus acht Prozentpunkte).

Thomas

von Peter am 06.02.2009, 14:57 Uhr , Kategorie: Arbeitsmarkt, Hartz IV, Teilzeit

Aktuell gibt es 1,35 Millionen Erwerbstätige, die in ihrem Beruf so wenig verdienen, dass sie zusätzlich auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen sind. Man spricht hier von Aufstockern.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) fand nun in einer Studie heraus, dass die niedrigen Löhne selbst nur selten die eigentliche Ursache der Bedürftigkeit sind. Beim Großteil ist der Faktor Arbeitszeit entscheidend: denn mehr als die Hälfte der Betroffenen ist weniger als 15 Stunden pro Woche beschäftigt.

Woran liegt das? Bei den meisten scheitert eine längere Arbeitszeit an gesundheitlichen Problemen, mangelnder Berufsausbildung, vor allem aber an fehlender Kinderbetreuung. So haben etwa Alleinerziehende ein Riesenproblem damit, dass es für drei Viertel der Schulkinder keine Nachmittagsbetreuung gibt. Eine Erhöhung der Arbeitszeit ist ihnen somit kaum oder nur sehr schwer möglich. Ohne eine massive Ausweitung der Ganztagsbetreuung wird sich hier auch weiterhin nichts wesentlich ändern. Nichts Neues also.

Peter