von Peter am 26.03.2012, 14:02 Uhr , Kategorie: Datenschutz

Fotolia 15004777 XS Der neueste Renner im VorstellungsgesprächWer kennt sie nicht, die gemeinen und fiesen Fragen im Vorstellungsgespräch? Ob man Schulden habe? Irgendwelche Krankheiten oder Vorstrafen vielleicht? Am Ende sogar schwanger? Vielen Arbeitnehmern dürfte bekannt sein, dass es in solchen Situationen häufig ein Recht zur Lüge gibt. Somit darf sich der Arbeitgeber später nicht mehr einseitig mit der Begründung vom Arbeitsvertrag lösen, er sei belogen worden.

Nur: Wer muss denn in Zeiten von Facebook & Co. noch irgendwelche Umwege über vielleicht zulässige, vielleicht unzulässige Fragen gehen? Dass man sich die ganze Fragerei auch sparen kann, beweisen gerade amerikanische Firmen: Sie analysieren einfach das Facebook-Profil ihrer Bewerber. Wahnsinn, oder? Bevor Sie nun darüber schmunzeln, auf welcher uralten Brennsuppe der Betriebsrat Blog da gerade daherschwimmt, halten Sie sich besser fest, denn das dicke Ende kommt noch. Natürlich wissen sogar wir hier in Bayern, dass es auch der einfältigste Facebook-Nutzer so langsam hinbekommen müsste, seine Sicherheitseinstellungen und die allgemeine Sichtbarkeit von “Öffentlich” auf “Nur Freunde” umzustellen, wodurch die ganzen privaten Sachen auch tatsächlich privat bleiben. So, jetzt aber die beunruhigende Vision: Sie sitzen ganz entspannt im Bewerbungsgespräch, alles läuft prima, da meinen Sie urplötzlich Ihren Ohren nicht mehr zu trauen, als Sie der Personaler ohne Umwege dazu auffordert, hier und jetzt mal schnell die Zugangsdaten zu Ihrem Facebook-Profil rauszurücken. Spontane Fassungslosigkeit kehrt ein! Natürlich wären Sie empört und entrüstet und würden das Passwort selbstverständlich niemals nicht herausgeben. Nur, das wäre es dann halt auch mit dem Job gewesen. Doofer Job wahrscheinlich, aber Job.

Bei uns sei das nicht möglich, meinen Sie, da ja andere Kultur und überhaupt ganz andere Einstellung zu Datenschutz und so weiter? Na klar! Nun hat der Schutz vor Diskriminierung in den USA einen sehr hohen Stellenwert. Jedoch ist die Jobsituation dort auch wesentlich angespannter als hierzulande. Da kommt beim Bewerber dann schnell mal Verzweiflung auf und er rückt mit seinen Daten raus. Klar sind viele nun besorgt wegen dieser Entwicklung, Firma Facebook übrigens eingeschlossen. Und ob es bei uns hier je soweit kommen wird, dass man in der Bewerbung vorsorglich auch gleich den Zugangscode zu den sozialen Netzwerken mitangibt, ist zu Recht anzweifelbar. Diese Geschichte zeigt aber auch, wie unglaublich glitschig die sozialen Netzwerke schnell werden können. Besser also nicht daran teilnehmen? Auch keine so gute Idee, weil: wird Ihnen ja keiner glauben, wenn Sie behaupten, Sie wären nicht Mitglied bei Facebook, jeder würde es für eine Ausrede halten. Ausweglos, oder?

 

Bildquelle: © Gina Sanders, fotolia.com



Dieser Beitrag wurde am Montag, 26. März 2012 um 14:02 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Datenschutz abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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8 Kommentare »

  1. ….ausweglos? – keinesfalls!
    Unter der Prämisse: was sich im Netz befindet ist für jeden “Hacker” zu jederzeit lesbar und reproduzierbar und wer weiß schon ob “deine Freunde” morgen auch noch deine Freunde sein werden – da gehört niemals etwas Verfängliches hinein oder etwas, was mich oder Andere in Bedrängnis bringen kann.
    Gerät ein Blog mit Freunden einmal “außer Kontrolle”, wird er gleich anschließend gelöscht, um ihn nicht der Öffentlichkeit preis zu geben.
    Unwahrheiten, Beleidigungen und Peinlichkeiten sind nicht nur im realen Leben zu vermeiden, sondern gehören auf keinen Fall ins Netz, wo sie auch noch dauerhaft konserviert werden können!
    Ich schreibe nichts und like nichts, wozu ich nicht stehe – ist doch ganz einfach oder!? ;)
    Brigitte

    Kommentar von: Brigitte Leuschner – am 26. März 2012 um 19:58

  2. Vielleicht lohnt es sich darüber nachzudenken, ob nicht eine tolerantere und offenere Haltung zu Schulden, Vorstrafen, Krankheiten etc. ein Ausweg wäre ob der riesigen Furcht vor Offenbarung der Privatsphäre.

    Warnungen, Verbote, Strafen, Karrierebrüche können doch nicht der Wahrheit letzter Schluss sein beim s.g. Schutz der Privatsphäre.

    Die heutigen Auswahlkriterien für das Vorwärtskommen in die Chef- und Entscheidungsetagen mit der Zurückhaltung von Informationen führen auch nicht dazu, dass die fähigsten und besten Menschen unser Leben und die Zukunft bestimmen.

    Kommentar von: Rolf Schälike – am 27. März 2012 um 06:46

  3. Zitat:

    “Vielleicht lohnt es sich darüber nachzudenken, ob nicht eine tolerantere und offenere Haltung zu Schulden, Vorstrafen, Krankheiten etc. ein Ausweg wäre ob der riesigen Furcht vor Offenbarung der Privatsphäre.”

    Eine gesellschaftlich andere Haltung würde voraussetzen, dass diese Haltung in Millionen Köpfen zu verankern wäre, welche keinerlei Vorteil davon hätten und somit bestenfalls geringe Motivation haben, dies auch anzunehmen.

    Der Schutz der Privatsphäre hingegen kann vom Einzelnen durchgeführt werden (“sparsam mit Daten umgehen”), welcher konkret davon einen Vorteil hätte, also auch leicht zu motivieren sein könnte.

    Entschuldigen Sie die Konjunktive, aber allein die Tatsache dass Millionen sich bei Facebook virtuell ausziehen (lassen) zeugt davon, dass die Motivation (noch) nicht groß genug ist.

    Kommentar von: asabasa – am 27. März 2012 um 07:36

  4. Ganz ehrlich?
    Ein Arbeitgeber, der im Vorstellungsgespräch mit einer solchen Dreistigkeit in meine Privatsphäre eingreifen will ist für mich absolut indiskutabel.
    Es ist absehbar, dass Erpressung (keine Info – kein Job) und Übergriffigkeit in so einem Unternehmen als normal angesehen werden.
    Nein danke!

    Kommentar von: Tatjana J – am 02. April 2012 um 17:34

  5. Meine Antwort wäre ganz einfach: Ich habe kein Facebook. Was mich vielleicht auch aus dem Rennen kegeln würde.
    Natürlich: Eine Firma, wo man beim vorstellungsgespräch so etwas gefragt wird, ist suspekt. Aber so eine Firma ist groß, und der Stil des Personalers muss nichts über den späteren direkten Vorgesetzten aussagen. Wenn man erst mal drin ist, kann man sich auch leichter wehren, als wenn man draußen steht, seit 6 Monaten ohne Job ist und die Agentur für Arbeit Druck macht.

    Kommentar von: Michael – am 03. April 2012 um 10:03

  6. Guter Beitrag, danke!

    Mein Tipp:

    Ein zweites eMail Konto einrichten, dann ein zweites Facebook Profil erstellen ohne Freunde und Familienangehörie. Ein paar Details wie Hobbies und Interessen und das CV.

    Dann kommt man sogar noch dem zukünftigen Arbeitgeber ohne Verlegenheit entgegen ;) und bei Wunsch können die sogar das eMail Postfach prüfen. Aber vorher sich in ein paar Newsletter eintragen.

    Viel Spaß beim neuen Job :D.

    Kommentar von: M. C. Todurov Praki – am 03. April 2012 um 10:19

  7. Eindeutig die beste Lösung!!
    Dumm nur, wenn man an einen AG geraten sollte, der ausgerechnet das “nein” höhren wollte, weil er einen MA mit Rückgrat und Datenschutzbewusstsein sucht. Die soll es ja noch auch geben.

    Kommentar von: Ludger Kühle – am 04. April 2012 um 14:04

  8. Zitat: “und bei Wunsch können die sogar das eMail Postfach prüfen.”

    Hallo??? Was geht meinen Arbeitgeber mein privates eMail-Postfach an? Entschuldigung Generation facebook – was kontrollieren wir als Nächstes? Die “Beischlafsgewohnheiten”??? SORRY – das geht KEINEN Arbeitgeber etwas an!

    Kommentar von: Jürgen – am 17. April 2012 um 16:19

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