Teilzeitkräfte haben oft schlechte Karten: sie verdienen weniger, ihre beruflichen Aussichten sind schlechter und besonderes Ansehen im Betrieb genießen sie im Normalfall auch nicht. Familienministerin Kristina Schröder meint: Karriere können hierzulande nur diejenigen machen, die in Haushalt und Familie Unterstützung und Hilfe erhalten, denen der Kühlschrank aufgefüllt wird und wo immer der Nachschub an Bügelwäsche sichergestellt ist. Knackpunkt im Berufsleben  ist für viele der Wechsel von Vollzeit in Teilzeit und wieder zurück. Hier bildet das Teilzeitbefristungsgesetz seit dem Jahr 2001 den rechtlichen Rahmen: Beschäftigte dürfen nach Maßgabe von §8 TzBfG ihre Arbeitszeit verringern. Leider steckt der Teufel im gesetzlichen Detail. Denn stehen dem Wunsch des Arbeitnehmers, häufiger wohl der Arbeitnehmerin, sog. „betriebliche Gründe“ entgegen, ist das Ende der Fahnenstange bei der gewünschten Arbeitszeitverringerung schnell erreicht. Solche Gründe zu behaupten und zu konstruieren ist für einen findigen Arbeitgeber ein Ding der Leichtigkeit. Sein gutes Recht dann vor dem Arbeitsgericht zu suchen, nun diesen Weg wird sicher nicht die Mehrheit, sondern nur ein kleines Häufchen besonders Mutiger und Unverzagter beschreiten.

Die Praxis konterkariert die gute Absicht des Gesetzgebers. Und deswegen muss eine Gesetzesänderung her. Frau Schröder hat recht, wenn sie mehr alltagstaugliche Teilzeit-Modelle fordert. Sie will einen flexibleren Anspruch auf den notwendigen Wechsel zwischen Voll- und Teilzeit, der nicht gleichzeitig bedeutet, auf unbeliebte Arbeitsplätze abgeschoben zu werden, die das Ende jeglicher Karriere bedeuten.

Es ist ein Jammer: Da schreit einem der demografische Wandel mitsamt drohendem Fachkräftemangel mittlerweile von jeder Litfassäule entgegen, aber Teilzeitkräften oder sagen wir es einfach klipp und klar, jungen Müttern, die Job und Familie vereinbaren, die einfach weiter arbeiten wollen, wird das berufliche Fortkommen in einer Weise erschwert, das es sprachlos macht und völlig unverständlich bleibt.



Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 12. Juni 2012 um 18:25 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Arbeitszeit, Demografie, Familienfreundl. Betrieb, Frauen im Beruf, Teilzeit abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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1 Kommentar »

  1. Das ist doch immer das Gleiche. Offiziell heißt es dann das jeder die Möglichkeit hat in Teilzeit zu wechseln und in der Praxis kann das dann ganz locker vom Arbeitgeber verhindert werden. Toll dass sich Frau Schröder für eine Änderung einsetzt, diese ist auch bitter nötig. Man kann gespannt sein ob daraus dann auch wirklich was wird, ich bleibe skeptisch.

    Kommentar von: Selina – am 18. September 2012 um 11:53

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