von Susanne am 22.01.2013, 14:20 Uhr , Kategorie: Frauen im Beruf, Gleichberechtigung

Da ist mal einer mit Karacho ins Fettnäpfchen gesprungen: Im Berliner Zoo leistete sich der Direktor Bernhard Blaszkiewitz den Fauxpas, in einem internen Dokument die Vornamen seiner Mitarbeiterinnen mit dem Code 0,1 zu ersetzen. Hierzu muss man wissen, dass dieser Code in der Zoologie zur Kennzeichnung weiblicher Tiere benutzt wird.

Die Frau als Zuchtstute? Mit diesem zweifelhaften „Kompliment“ versuchte sich der Zoo-Chef auch noch aus der Affäre zu ziehen: Er wehrte sich gegen die Anschuldigungen mit der Begründung, die Klassifizierung von Frauen-Namen mit dem Zusatz 0,1 für „Weibchen“ – in der Zoo-Welt auch eine Bezeichnung für „Zuchtstute“ – sei „nicht etwa eine Bezeichnung von Missachtung“, vielmehr sei das von ihm „als Höflichkeit gegenüber den weiblichen Mitarbeitern gedacht“. Ah ja!

Nicht nur die Zoo-Mitarbeiter(innen) sind – im wahrsten Sinne des Wortes – tierisch sauer. Auch Berlins Frauen-Senatorin Dilek Kolat zeigt sich empört. Nach Ansicht der SPD-Politikerin ist der Zoo-Direktor nicht mehr tragbar: „Wer so handelt, hat sich als Führungspersönlichkeit disqualifiziert. Das ist ein klarer Fall von Diskriminierung.“

Zumindest vorübergehend ist der Zoo-Direktor mit einem blauen Auge davongekommen: Nach einer dreistündigen Krisensitzung hat das Präsidium des Aufsichtsrats beschlossen, dass Blaszkiewitz zunächst im Amt bleiben darf. Zuvor war er vom Aufsichtsratsvorsitzenden sowie vom Betriebsrat angehört worden. Nach Angaben von Aufsichtsratschef Frank Bruckmann will sich der Zoo-Direktor schriftlich an die Belegschaft wenden und sich für seine frauenfeindlichen Äußerungen entschuldigen. Außerdem beschlossen die Aufsichtsräte, einen Posten für eine Gleichstellungsbeauftragte einzurichten und eine Anwaltskanzlei zu beauftragen, die strittigen Punkte „einer juristischen Würdigung zu unterziehen“.

Bildquelle: © Guido Thomasi – Fotolia.com



Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 22. Januar 2013 um 14:20 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Frauen im Beruf, Gleichberechtigung abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

«  –  »

3 Comments »

  1. Meine Güte, man kann auch aus jedem – wenn auch vielleicht schlechten – Scherz einen Skandal machen.
    Ich bin ein weiblicher Mensch und finde das in einem ziemlich inoffiziellen internen Dokument (wenn es denn so eines gewesen ist) eher lustig.

    Demnächst darf man wahrscheinlich auch nicht mehr „der Mensch“ sagen, sondern „das Mensch“, „Mensch m/w“ oder „der Mensch / die Menschin“.
    So langsam geht mir diese Feminismusdebatte echt auf den nicht vorhandenen S…

    Kommentar von: eine Frau – am 01. Februar 2013 um 11:10

  2. Interessant wäre es zu wissen, warum er dies tat. Bei den ganzen exotischen Vornamen, mit denen man es mittlerweile zu tun hat, fragt man sich manchmal was denn der Vor- und der Nachname ist und ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt. Für meinen Job ist das auch entscheident und wir markieren die Damen und Herren entsprechend.

    Kommentar von: C. Trentzsch – am 01. Februar 2013 um 12:04

  3. Danke für den Artikel!

    Die Kommentare finde ich einigermaßen erstaunlich.

    Zum zweiten Kommentar: wenn man unterscheiden will, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt, bieten sich die bewährten Anreden „Frau“ und „Herr“ an, auch in Listen oder Datenbanken. Da braucht man kein 0.1.

    Zum ersten Kommentar: Das Problem besteht vor allem in der Ungleichbehandlung von Frauen und Männern. Warum hat er nur die Frauen entsprechend „markiert“ und nicht auch die Männer oder nur die Männer?
    Bedenklich finde ich, dass anstatt über die Tatsachen zu diskutieren und die Probleme wenigstens zur Kenntnis zu nehmen, die Diskussion als „Feminismusdebatte“ diffamiert wird. Ich nehme an, die Schreiberin nimmt trotzdem gerne die Fortschritte mit, die die Feministinnen und sonstige engagierte Frauen für sie in den letzten Jahrzehnten erkämpft haben.

    Kommentar von: Dorothea – am 04. Februar 2013 um 13:27

Leave a comment