Transe auf einer ParadeWenn ein Mensch sich für die jeweils andere geschlechtliche Identität entscheidet, bedeutet dies einen immensen Einschnitt in seinem Leben, der jede Menge Veränderungen und Konsequenzen mit sich bringt. Sicher auch das ein oder andere, an was er vielleicht gar nicht gedacht hat. Zum Beispiel das: Nach dem Motto „Neues Geschlecht, weniger Lohn“ berichtet die Hans Boeckler Stiftung von einer niederländischen Studie, laut der das Jahreseinkommen im Schnitt um etwa 20 % sinkt, wenn Männer sich für ein Leben als Frau entscheiden. Und noch einen drauf: Wenn Frauen zu Männern werden, sind keine Änderungen messbar. Dieses Ergebnis lässt einen erst mal tief einatmen und die Frage stellen: Geht das hier mit rechten Dingen zu??

Die Studie liefert Aufschlüsse. Zum Teil erklärt sich danach das geringere Jahreseinkommen der Transfrauen damit, dass sie seltener erwerbstätig sind und weniger Wochenstunden arbeiten. Doch auch ihre Stundenlöhne fallen um etwa 12 %. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass dabei zwei Effekte zusammenwirken: Ihrer Analyse zufolge sind 6 % des Lohnabschlags auf den traditionellen Gender Pay Gap zurückzuführen, weitere 6 % auf die Diskriminierung von Transsexuellen. Bei den Transmännern heben sich diese Effekte auf.

Die Ökonomen von der Universität Amsterdam haben Daten der niederländischen Verwaltung ausgewertet und konnten so die Erwerbsbiografien von 188 Bürgern rekonstruieren, die zwischen 2006 und 2012 ein neues Geschlecht registrieren ließen. Ihrer Meinung nach sind Transsexuelle eine geeignete Zielgruppe, um eine geschlechtsspezifische Lohndiskriminierung nachzuweisen, was normalerweise methodisch ziemlich kompliziert ist.

Jetzt könnte man sagen: Ja, ja, bei den Holländern ist das so. Aber wer weiß. Unrealistisch ist das auch hierzulande ganz und gar nicht. Und die Landesnachbarn sind uns auch sonst schon mit interessanten Beispielen um so manche Nasenlänge voraus. So gibt es jetzt beispielsweise in den Niederlanden einen Rechtsanspruch auf ein Homeoffice. Doch das, ist ein andere Geschichte … .

Bildquelle:© Eugenio Marongiu – istockphoto.com



Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 15. Juli 2015 um 16:48 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Frauen im Beruf, Gleichberechtigung, Lohn und Gehalt abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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2 Comments »

  1. Interessante Studie über pay gap und _eine_ Intersektion. Aus den USA gibt es Zahlen, wo sich die Effekte noch extrem verschärfen, wenn dazu noch rassistische Diskriminierung kommt.

    Was ich mir aber wünschte, wäre respektvolle Sprache.

    Eine Frau, die bei/nach Geburt männlich zugewiesen wurde, ist nicht „ein Mann[, der] zur Frau wird“, und auch kein Mann, der „sich für ein Leben als Frau [entscheidet]“.

    Männer, die bei/nach Geburt weiblich zugewiesen wurden, sind entsprechend nicht „Frauen[, die] zu Männern werden“.

    „Transmänner“ und „Transfrauen“ ist eine (eher) respektvolle Möglichkeit. Diese durchgängiger zu verwenden, evtl. mit einer kurzen (auch respektvollen) Erklärung wäre doch möglich gewesen.

    Kommentar von: Hannah – am 16. Juli 2015 um 13:20

  2. Geschlechtsspezifische Lohndiskriminierung wird sich leider, so hart das klingt auch nicht durch Gesetze ändern lassen sondern es wird einfach Zeit brauchen. So hart das klingt.Denn wenn man Gesetze einführt dann werden einfach diese versucht zu hintergehen. Leider 🙁 Lg Hanna

    Kommentar von: hanna – am 12. November 2015 um 22:37

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