Fotolia 37305182 XS Kirche oder Rechtsstaat: Lesbische Erzieherin bangt um JobWeil sie lesbisch ist, bangt eine 39-jährige Erzieherin nun um ihren Job: Ihr katholischer Arbeitgeber sieht in der offen gelebten Homosexualität einen Verstoß gegen die kirchliche Moral und will ihr deshalb kündigen. Solche Fälle kommen in der katholischen Kirche immer wieder vor. Doch dieser Fall ist besonders: Die Kindergartenleiterin hatte vergangenen August ihrem kirchlichen Arbeitgeber die Geburt ihres Kindes mitgeteilt und diesen über ihre kurz zuvor standesamtlich geschlossene gleichgeschlechtliche Partnerschaft informiert. Aufgrund ihrer Elternzeit genießt sie jedoch besonderen Kündigungsschutz. Somit muss das Gewerbeaufsichtsamt dem Rauswurf zustimmen. Doch die Behörde weigerte sich, der Kündigung zuzustimmen. Das wollte die Kirche nicht auf sich sitzen lassen: Die katholische Pfarrkirchenstiftung, vertreten durch die Rechtsabteilung der Diözese, zog deshalb gegen den Freistaat Bayern vor Gericht.

Die Kirche beruft sich auf ihr Selbstbestimmungsrecht. “Aus Sicht der Diözese handelt es sich um einen so schwerwiegenden Verstoß gegen die Loyalitätspflicht eines Mitarbeiters, dass eine Kündigung keinen Aufschub duldet“, so der Bistumssprecher Markus Kremser. Die kirchliche Grundordnung sei Bestandteil jedes Arbeitsvertrages. Die Mitarbeiter wüssten, dass ihnen bei Verstößen die Kündigung drohe. Insbesondere Erzieher müssten die Grundsätze des katholischen Glaubens und der Sittenlehre akzeptieren. Nach Ansicht des Gewerbeaufsichtsamts hingegen überwiegen die Interessen der Arbeitnehmerin – unabhängig davon, ob ein besonderer Grund für die Kündigung vorliegt.

Am morgigen Dienstag entscheidet das Verwaltungsgericht Augsburg über die Rechte der 39-Jährigen. Mit Spannung kann erwartet werden, wie das Verwaltungsgericht mit einem so sensiblen Thema umgeht. Kritiker wie die innerkirchliche Reformbewegung “Wir sind Kirche” werfen der Kirche vor, sie beharre auf ihren Moralvorstellungen. “Die Moral wird durchgefochten – koste es, was es wolle.” Wenn es um Sexualität gehe, sei die kirchliche Moral sehr undifferenziert. “Ein weniger verkrampfter und verbotsbetonter Umgang der katholischen Kirche mit Homosexualität ist dringend nötig”, so der “Wir sind Kirche”-Sprecher Christian Weisner gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Bildquelle: © Jiri Hera – Fotolia.com



Dieser Beitrag wurde am Montag, 18. Juni 2012 um 11:39 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Gerichtsmassig, Kündigungsschutz abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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6 Kommentare »

  1. Die Kündigung während der Elternzeit war unwirksam, so das Ergebnis des Prozesses vor dem Verwaltungsgericht Augsburg. Zwar habe die Kirche sehr wohl das Recht, jemandem zu kündigen, der gegen religiöse Glaubenssätze verstoße. Dies rechtfertige aber nicht, die besonderen Elternzeit-Schutzbestimmungen außer Kraft zu setzen. Allerdings droht der Erzieherin der Rauswurf nach Ende der Elternzeit. (http://www.sueddeutsche.de/bayern/lesbische-erzieherin-siegt-vor-gericht-wer-fuer-die-kirche-arbeitet-ist-selber-schuld-1.1387341)

    Kommentar von: Susanne – am 20. Juni 2012 um 07:48

  2. Wenn die Kirche mit ihren Angestellten, die sich an Kindern vergreifen genauso konsequent wäre, dann wäre den christlichen Moralvorstellungen mehr geholfen.

    Kommentar von: C. Trentzsch – am 02. Juli 2012 um 13:50

  3. Ich finde, dass die Kirche endlich aufhören sollte
    wie um die Jahundertwende zu denken. Wir leben im 20. Jahrhundert und die Zeiten haben sich geändert.Auch was solche Themen betrifft!

    Kommentar von: Beatrice – am 04. Juli 2012 um 14:04

  4. Ich für meinen Teil bin bereits im 21. Jhdt. angekommen.

    MFG

    Kommentar von: Daniel – am 18. Juli 2012 um 14:59

  5. Ich kenn einen sehr engagierten katholischen Geistlichen (inzwischen Monsignore) der immer gesagt hat: “Die Kirche soll sich aus den Schlafzimmern der Menschen raushalten. Da hat sie nichts zu suchen.”
    Bleibt nur zu hoffen, dass er noch weiter Karriere macht und seine Meinung innerhalb der Kirche weiter verbreiten kann.

    Kommentar von: Ludger – am 02. August 2012 um 16:20

  6. Die Frage, die sich mir hier stellt: Warum wurde die Mitarbeiterin überhaupt eingestellt, wenn sie doch nicht den Moralvorstellungen der katholischen Kirche entspricht?

    Aber auch meine Meinung ist, dass sich Arbeitgeber(auch kirchliche) aus dem Privatleben der Mitarbeiter herauszuhalten haben, solange das nicht unmittelbar schlechten Einfluss auf die Arbeit oder den Ruf des Arbeitgebers in der Öffentlichkeit haben.

    Kommentar von: A. R. – am 06. August 2012 um 10:24

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