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Ab sofort: Funkstille in französischen Büros

Gestresster Arbeitnehmer am Abend mit Handy [1]Stellen Sie sich vor, Sie schreiben eine E-Mail, aber sie geht nicht raus. Der Server des Unternehmens blockiert den Versand. Ein kurzer Blick auf den Kalender: Es ist Wochenende. Ach so, wahrscheinlich ein technischer Fehler? Keineswegs! Denn die Blockade erfolgte absichtlich, auf Anweisung des Arbeitgebers.

Was für den zunehmend digitalisierten deutschen Arbeitnehmer kaum vorstellbar ist, wurde für seinen französischen Kollegen zum Jahreswechsel zumindest ein klein wenig zur Realität. Der Gesetzgeber führte ein weltweit einmaliges Gesetz ein: Das „droit à la déconnexion„, übersetzt etwa so wie das Recht auf Abschalten oder auch das Recht auf Funkstille.

Dabei geht es um die Erreichbarkeit bzw. die Nicht-Erreichbarkeit von Beschäftigten. Zu normalen Arbeitszeiten ist das kein Problem. Aber was, wenn der Anruf des Kollegen im Urlaub oder die E-Mail des Chefs am Feierabend kommt? Da entsteht dann plötzlich diese Angst, vielleicht einen beruflichen Nachteil zu haben, wenn man nicht antwortet. Verständlich? Nun, so sind die Zeiten.

In Frankreich macht der Gesetzgeber nun damit Schluss. Oder versucht es zumindest. Wie die „Welt“ berichtet [2], brauchen Arbeitnehmer in Belle France ab sofort nicht mehr rund um die Uhr erreichbar sein. Ist das die erste Mauer wider die Digitalisierung?

„Arbeitgeber sollen die Freizeit ihrer Angestellten respektieren.“ Dieser Satz stammt aus dem französischen Arbeitsministerium. Und: „Die Balance zwischen Arbeits- und Privat- und Familienleben muss gewährleistet werden.“

Wie aber funktioniert das neue Recht? Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten sind ab sofort dazu verpflichtet, mit den Sozialpartnern eine Lösung zu finden, wie die Beschäftigten vor digitalen Zugriffen geschützt werden. Erst mal eine gute Idee, denn: Das macht individuelle Lösungen auf betrieblicher Ebene möglich. Aber, nun der Nachteil: Erfolgt keine Einigung, bestimmt der Betrieb die Lösung selbst. Und Rechtsfolgen wie etwa Strafen sieht das Gesetz nicht vor. Das macht Bauchweh, bleibt es so letztlich doch sehr oft im Bereich der Freiwilligkeit. Nur: Wenn Unternehmen freiwillig etwas machen sollen, das sie nicht unbedingt wollen, weiß man ja wie das erfahrungsgemäß ausgeht. Es wird dann nicht viel passieren.

Unabhängig davon haben Einzelne schon gehandelt: Konzerne wie Axa Versicherung, Solvay Chemie, Michaelin oder Orange Telecom stellten interne Regeln für den Umgang mit persönlicher Erreichbarkeit auf. Orange zum Beispiel prüft, was man tun kann, um die Belastung der Mitarbeiter durch digitale Vernetzungen zu verringern.

Gesetzliche Vorhaben sind in Deutschland nicht geplant. Aber auch hier handeln Unternehmen. Volkswagen etwa richtete schon vor Jahren eine Sperre ein, die das persönliche E-Mail-Postfach nach Dienstschluss offline setzt. Und das Management der Deutschen Telekom wies die Abteilungsleiter an, Mitarbeitern außerhalb des Dienstes keine E-Mails zu schreiben. Wenn die Großen es vormachen, werden viele andere folgen. Irgendwann haben dann vielleicht auch wir zumindest wieder etwas mehr Funkstille.

Bildquelle: © Bits and Splits – fotolia.com