Ist das Burn-out-Syndrom eine Modeerscheinung oder eine ernstzunehmende Krankheit? Zu dieser Frage nimmt der Ärztliche Direktor der Panorama-Fachkliniken Scheidegg, Dr. Christian Dogs in einem Interview Stellung. Seinem Eindruck nach täuschen immer mehr Patienten in Deutschland psychische Erkrankungen vor, um früher in Rente gehen, sich in wunderschön gelegenen Kliniken erholen oder unberechtigterweise Krankengeld kassieren zu können. Und beuten damit mit einer erschreckenden Selbstverständlichkeit das System aus. Besonders bei einem Krankheitsbild wie dem Burn-out-Syndrom gibt es viele Pseudo-Patienten, so Dogs.

Wie kann das sein?
„Früher waren psychische Erkrankungen stigmatisiert. Heute sind sie salonfähig und werden zu einer ernsthaften Belastung der Volkswirtschaft und der Krankenkassen“, sagt der Ärztliche Direktor. „Wir erkennen in der Klinik, dass psychisch Kranksein so attraktiv sein kann, dass Symptome absichtlich übertrieben werden. Es gibt Patienten, die ein Pseudo- Burn-out kreieren, um die Vorteile des Krankseins zu erleben.“

Was tun?
Dr. Christian Dogs verlangt, viel stärker zu differenzieren, wer wirklich behandlungsbedürftig ist und wer nur den Erholungseffekt einer Auszeit nutzen will. Er plädiert außerdem allgemein für die Einführung von Fallpauschalen, die zu einer geringeren Verweildauer in den Kliniken führen. Und schließlich darf das Krankengeld nicht höher sein als das Arbeitslosengeld, damit der Reiz des Krankmachens wegfällt.

Eine Aussage, die polarisiert – aber über die es sich nachzudenken lohnt.

Ines H.

 



Dieser Beitrag wurde am Montag, 06. Juni 2011 um 09:06 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Burn-out, Gesundheitsschutz abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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11 Comments »

  1. Tatsächlich versteckt sich hinter dem Wort Burn-Out häufig nur die „gute“ alte Depression – die neue Bezeichnung wird aber eher damit verbunden, dass der/diejenige erst einmal ordentlich „Leistung“ erbracht hat. Zum Burn-Out kann sich auch mal ein Manager ohne Gesichtsverlust bekennen.

    Die Aussagen von Herrn Dogs sind allerdings völlig subjektive Zuspitzungen ohne jeglichen Beleg. Wer dieses wichtige Thema auf einem Niveau diskutieren möchte, das über dem der Bild-Zeitung liegt, sollte da schon mehr zu bieten haben.

    Kommentar von: Gerald Schröder – am 06. Juni 2011 um 11:03

  2. Ich kenne die Situation des Burn-Out aus dem Bekanntenkreis und kann bestätigen, daß hier nichts simuliert wird. Herr Dogs macht es sich sehr einfach!
    Allerdings ist er weder von einem prekären Arbeitsverhältnis noch von dem großen Druck in Beschäftigungsverhältnissen selbst betroffen.
    Natürlich mag es den Einen oder Anderen geben, der eine solche Sitauation ausnutzt, aber dies ist doch nicht die Masse. Die meisten Arbeitnehmer werden diesen Zustand (leider) verbergen, solange sie können, statt sich rechtzeitig helfen zu lassen.

    Kommentar von: Andrea Schäfer – am 15. Juni 2011 um 12:56

  3. Ich bin selbst depressiv und war auch schon in der Panorama-Klinik. In sehr kurzer (5 Wochen) wurde mir mehr geholfen als die 12 (!!!) Wochen in dem Bezirksklinikum, in dem ich vorher war. Die Therapie war anstrengende und fordernd, es gab aber etwa 10 – 15 % der Patienten, die nicht daran teilgenommen haben, sondern einfach Urlaub gemacht haben. Das ärgert und stört vorallem die Patienten, die Therapie machen möchten.
    Das gleiche Phänomen habe ich letztes Jahr in meiner tiefenpsychologischen Therapie erlebt. Dort wurde es dem Personal direkt gesagt und mit entsprechender Elan ging man an die Therapie ran. Leider konnte das Personal das nicht ändern, da eine Einweisung vorlag, meistens jedoch nur von einem Hausarzt. Das stört einfach nur. Und um ein paar Wochen mehr „Urlaub“ zu machen, riskiert man die Gesundheit der anderen und kümmert sich einen „Dreck“ um die Belange der Gesellschaft.
    Klar ist: das Phänomen „Burn out“ greift um sich. Klar ist auch, viele Menschen in Deutschland haben psychische Probleme, aber nicht alles muss behandelt oder kann behandelt werden. Dies geht auf Kosten derer, die wirklich die Hilfe brauchen und wegen den „Urlaubern“ nicht bekommen bzw gestört werden

    Kommentar von: Florian Severloh – am 15. Juni 2011 um 14:59

  4. Herr Dogs müsste jeden Simulanten aus seiner Klinik weisen. Wenn er das nicht tut, wird er m.E. zum Komplizen des Betrügers, d.h. er leistet Beihilfe zum Betrug. Aber auch Herr Dogs wird im Zweifel die Kuh, von der er lebt, nicht schlachten, sondern melken.
    Ich habe in Scheidegg im Greenhouse Café mit meiner Band Feelin´ Alright gespielt. Eine Patientin hat mir zugeflüstert: „Ihr seid viel besser als jede Therapie.“ Schade, dass es uns nicht auf Krankenschein gibt…

    Kommentar von: Egbert Dreher – am 15. Juni 2011 um 17:04

  5. Den Menschen, die wirklich unter dem Burnout-Syndrom leiden, wird es sicherlich helfen, wenn durch Fallpauschalen und Kürzung des Krankengeldes noch mehr Druck aufgebaut wird. Das passt wunderbar in die heutige Zeit. Die ehrlichen und guten werden kollektiv mit bestraft um die wenigen Betrüger zu erwischen. Das kann doch nicht wahr sein, oder?

    Kommentar von: Frank Hartmann – am 20. Juni 2011 um 07:40

  6. Seit vielen Jahren leide ich bereits an Depressionen. Durch die Tätigkeit als Betriebsrat hat sich die Situation gravierend verschlechtert.
    Als ich das Interview von von Herrn Dr. Christian Dogs las, fehlten mir fast die Worte. Es gibt immer und überall Trittbrettfahrer, aber eine derartige Äußerung, hat mich schon sehr irritiert.Wo bleibt der Mut, einem Arzt noch zu trauen!

    Kommentar von: Herbert Becker – am 08. November 2011 um 13:28

  7. Klar gibt es immer wieder Menschen, die den Burnout als Vorwand nutzen, um sich krank schreiben zu lassen. Dennoch denke ich, dass das Burnout-Syndrom keine Modeerscheinung ist, sondern eine ernst zu nehmende „Krankheit“.

    Gruß,
    Günter

    Kommentar von: Günter Moos – am 14. Oktober 2012 um 21:56

  8. Auch ich denke, dass Dinge wie z.B. Burn-Out eher von den Medien zu einer Modeerscheinung gemacht werden, als von den Betroffenen. Dass es Burn-Out und Depressionen gibt, ist ja schließlich Fakt. Wie man das Kind nennt, eher zweitrangig.

    Andererseits ist es ja auch nicht schlecht, wenn sich durch die vermehrte Berichterstattung mehr Menschen trauen, sich dazu zu bekennen und Behandlung zu suchen, statt sich irgendwann den Strick zu nehmen… Damit ist nämlich auch keinem geholfen. Da nehme ich lieber einen geringen Prozentsatz „Simulanten“ in Kauf!

    Kommentar von: A. R. – am 17. Oktober 2012 um 10:39

  9. Burnout ist ja nur eine neue Ausrede für gewisse Menschen um nicht arbeiten zu gehen ! Den Fall habe ich in meinem noch engeren Freundeskreis ! Seit 3 Jahren ist die Person angeblich unfähig zu arbeiten … geht aber dafür 5 mal in der Woche mindestens ins Fitness Studio, läuft Kilometer in der Gegend, Radelt was das Zeug hält, wie zB vor ein paar Wochen eine 120 km Radtour am Wochenende da „Frau“ ja sonst nicht weg kann, ist ja im Krankenstand ! Vom Tanzkellerbesuch ganz zu schweigen so wie von den vielen Tanzlokalenbesuchen bis tief in der Nacht.
    Da darf man sich wohl fragen, wie kommt es, daß der Staat sich so betrügen lässt ? Ach ja, nur nebenbei erwähnt, die Schwester der betroffenen Person ist auch wegen Burnout schon mit 48 in Pension … kann aber dafür 2-3 Mal im Jahr nach Thailand auf Boxseminare ….

    Kommentar von: Karine Gottwalles-zacher – am 25. Juni 2014 um 11:59

  10. Die Fähigkeit sportlich aktiv zu sein hat doch rein gar nichts damit zu tun, ob man wirklich unter Burn Out leidet oder nicht! Im Gegenteil, Aktivität kann dabei helfen, über den Burn Out hinweg zu kommen.

    Burn Out ist eine psychische Erkrankung; das heißt, der Körper kann dennoch durchaus fit sein, wohingegen die Psyche bei bestimmten „Belastungen“ einfach nicht mitmacht.

    Selbstverständlich mag es einzelne Ausnahmen geben, aber deshalb alle Betroffenen über einen Kamm zu scheren, halte ich für falsch.
    Wer nach drei Jahren noch zu Hause ist und vermutlich Harz IV bezieht (weil er dann schon lange kein Krankengeld mehr bekommt), statt gutes Geld zu verdienen hat möglicherweise vielleicht doch ein psychisches Problem mit Arbeit??

    Kommentar von: A. R. – am 25. Juni 2014 um 15:21

  11. Ich denke hier ist es wie mit einigen anderen Krankheiten. Es gibt immer wieder Menschen, die das ausnutzen.

    Jedoch denke auch ich, dass grade mit einem Burn Out Sport und Ablenkung hilft, dass man darüber hinweg kommt und wieder zur Arbeit kann. Aber das ist sicher nicht so schnell kuriert.

    Es wurde hier erwähnt, dass der Burn Out nichts anderes ist als eine Depression. Dem muss ich wiedersprechen. Zwar führt ein Burn Out Syndrom, wenn man nichts dagegen macht, in der Regel zur Depression, aber ist mit Nichten das selbe. Es ist aktuell vor allem ja so, dass laut WHO und aktuellem ICD10 das Burn Out Syndrom keine Krankheit im eigentlichen Sinne ist. Es sind „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“.

    Ich arbeite in einem Service Center und da ist es leider die Regel, dass die Leute sich übernehmen, weil sie der Meinung sind, dass es ihre Pflicht ist alles und jedes zu machen, nur damit sie ihren Job behalten oder gut da stehen. An ihre Gesundheit denken die Kollegen da recht wenig, so dass wir hier Mitarbeiter haben, die teilweise an schweren depressiven Episoden leiden. Sogar eine Betriebsrätin so wie ein leitender Angestellter war wegen Überlastung in Kur.

    Meiner Meinung nach ist niemand vor so etwas gefeit und auch würde sich jeder angegriffen fühlen, wenn man ihm vorwirft, dass es nur eine Ausrede sei, nicht zur Arbeit zu gehen.

    Kommentar von: J. R. – am 19. August 2014 um 16:40

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