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Burn-out-Syndrom: Oft als Krankheitsgrund missbraucht

Ist das Burn-out-Syndrom eine Modeerscheinung oder eine ernstzunehmende Krankheit? Zu dieser Frage nimmt der Ärztliche Direktor der Panorama-Fachkliniken Scheidegg, Dr. Christian Dogs in einem Interview [1] Stellung. Seinem Eindruck nach täuschen immer mehr Patienten in Deutschland psychische Erkrankungen vor, um früher in Rente gehen, sich in wunderschön gelegenen Kliniken erholen oder unberechtigterweise Krankengeld kassieren zu können. Und beuten damit mit einer erschreckenden Selbstverständlichkeit das System aus. Besonders bei einem Krankheitsbild wie dem Burn-out-Syndrom gibt es viele Pseudo-Patienten, so Dogs.

Wie kann das sein?
„Früher waren psychische Erkrankungen stigmatisiert. Heute sind sie salonfähig und werden zu einer ernsthaften Belastung der Volkswirtschaft und der Krankenkassen“, sagt der Ärztliche Direktor. „Wir erkennen in der Klinik, dass psychisch Kranksein so attraktiv sein kann, dass Symptome absichtlich übertrieben werden. Es gibt Patienten, die ein Pseudo- Burn-out kreieren, um die Vorteile des Krankseins zu erleben.“

Was tun?
Dr. Christian Dogs verlangt, viel stärker zu differenzieren, wer wirklich behandlungsbedürftig ist und wer nur den Erholungseffekt einer Auszeit nutzen will. Er plädiert außerdem allgemein für die Einführung von Fallpauschalen, die zu einer geringeren Verweildauer in den Kliniken führen. Und schließlich darf das Krankengeld nicht höher sein als das Arbeitslosengeld, damit der Reiz des Krankmachens wegfällt.

Eine Aussage, die polarisiert – aber über die es sich nachzudenken lohnt.

Ines H.