Aktualisiert am 25.02.2020

Ganze Ortschaften abgeriegelt, Züge gestoppt, Werke geschlossen: Das Coronavirus hat in Italien drastische Maßnahmen ausgelöst. Mehr als 220 Menschen haben sich dort bisher angesteckt, sieben sind gestorben (Stand 25.02.2020). In Deutschland gibt es aktuell keine weiteren neuen Fälle. Wegen des Reiseverkehrs steigt jedoch auch hier die Sorge, dass es vielleicht bereits unbemerkte Infektionen gibt und sich das Virus weiter ausbreitet.

Als Betriebsrat sind Sie für Ihre Kolleginnen und Kollegen in Sachen Arbeits- und Gesundheitsschutz meist der erste Ansprechpartner. Auf mögliche Fragen zum Coronavirus sollten Sie deshalb vorbereitet sein:

  • Darf ich als Arbeitnehmer geplante Dienstreisen nach Italien oder China absagen?
  • Wie sieht es mit internationalen Messen aus, bei denen Unternehmen aus vielen verschiedenen Ländern vertreten sind?
  • Kann ich selbst entscheiden, im Homeoffice zu arbeiten, wenn ich Angst vor Ansteckung habe?
  • Muss der Arbeitgeber Schutzmaßnahmen treffen?
  • Was sind die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus? Was ist, wenn Zulieferer im Ausland länger geschlossen bleiben?

Kurz zusammengefasst, gilt folgendes:

Dienstreisen trotz Coronavirus?

Eine Dienstreise nach Italien, China oder zu einer internationalen Messe im Ausland dürfen Arbeitnehmer nur dann verweigern, wenn für das betreffende Gebiet eine Reisewarnung vorliegt. Geht die Reise in ein Land ohne Reisewarnung und Ihr Kollege hat trotzdem Angst vor Ansteckung, können Sie als Betriebsrat vermitteln. Ist die Reise unbedingt nötig? Könnte jemand anderes einspringen, der damit keine Probleme hat? Kann die Reise verschoben werden?

Homeoffice aus Angst vor Ansteckung?

Einfach zuhause bleiben dürfen Arbeitnehmer nicht, ohne vorher eine Vereinbarung mit dem Arbeitgeber getroffen zu haben. Wer dennoch unentschuldigt fehlbleibt, dem droht die Abmahnung. Grundsätzlich haben Sie beim Thema Homeoffice als Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht. Vielleicht gibt es in Ihrem Unternehmen dazu ja bereits eine Betriebsvereinbarung. Die hier getroffenen Regelungen gelten natürlich weiterhin.

Welche Schutzmaßnahmen müssen Unternehmen treffen?

Generell hat der Arbeitgeber eine Fürsorgepflicht für seine Mitarbeiter. Da das Infektionsrisiko in Deutschland bisher gering ist, müssen die meisten Arbeitgeber derzeit keine zusätzlichen Schutzmaßnahmen durchführen. Ausnahmen sind Unternehmen, bei denen es bereits infizierte Mitarbeiter gibt. Auch wenn kürzlich Mitarbeiter aus China zurückgekehrt sind, können Arbeitgeber verpflichtet sein, Schritte zum Schutz der Belegschaft einzuleiten.

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat das Coronavirus?

Gefährdete Lieferketten, Einbußen bei Konsum und Tourismus, Einbrüche an den Börsen: Beim G-20 Finanzministertreffen in Riad war die sich ausbreitende Epidemie ein wichtiges Thema. Denn die Auswirkungen auf das wirtschaftliche Wachstum machen sich bereits jetzt bemerkbar. Wie die sueddeutsche.de berichtet, hat IWF-Chefin Kristalina Georgiewa die Wachstumsprognosen für dieses Jahr gesenkt: um 0,4 Prozentpunkte für China und um 0,1 Prozentpunkte für die Welt.

Auch das IFO-Institut befürchtet, die Epidemie könnte Deutschlands wirtschaftliches Wachstum weiter schwächen. Für Sie als Betriebsrat bedeutet das: Wachsam bleiben, Krisenindikatoren im eigenen Unternehmen im Auge behalten und Ihre Mitspracherechte als Betriebsrat frühzeitig nutzen.

Wir wünschen Ihnen und Ihrem Betrieb: Bleiben Sie gesund!

Seminare zum Arbeits- und Gesundheitsschutz finden Sie hier:
https://www.ifb.de/aug



Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 11. Februar 2020 um 14:59 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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4 Comments »

  1. Hallo,
    in NRW ist die erste Schula und Kita geschlossen. Somit muss einer die Kinder versorgen. Muss ich freigestellt werden? Was ist, wenn der ÖPNV eingestellt wird, wie kommw ich zur Arbeit. Diese Fragen erreichten uns gestern fanz aktuell.

    Kommentar von: Bowitz, Petra – am 27. Februar 2020 um 05:19

  2. Es gab bei uns ein Meeting bezüglich Schutzmaßnahmen der Mitarbeiter wegen dem Virus ( Hände waschen, desinfizieren.. ) Uns wurde jedoch gesagt, dass man im Lager keine Desinfektionsflaschen aufhängen darf und auch nicht die Handtaschendesinfektion mit ins Lager nehmen darf, da es Gefahrgut ist und wir keine Genehmigung für Gefahrgut im Lager haben. Ist das nicht eine Ausnahmesituation und sollte der Schutz der MA nicht vorrangig sein in diesem Fall ? Die meisten MA arbeiten im Lager und die Toietten sind ausserhalb des Lagers..

    Kommentar von: Rebecca – am 27. Februar 2020 um 07:27

  3. Was gilt für Arbeitnehmer, die Kinder in einer Schule oder einer Kita / einem Kindergarten haben, der wegen des Coronavirus geschlossen ist? Wenn Ihr Kind nicht von jemand anderem betreut werden kann, sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber. Ist zum Beispiel Homeoffice möglich? Oder können Sie Gleitzeit abbauen oder unbezahlten Urlaub nehmen?

    Was den Nahverkehr betrifft, haben Sie als Arbeitnehmer grundsätzlich das Wegerisiko. Sie müssen also in eigener Verantwortung dafür sorgen, alternative Transportmittel zu finden – z. B. Fahrgemeinschaften, Taxi o. ä..

    Kommentar von: Nicola – am 27. Februar 2020 um 08:09

  4. Leider kann man hier keine allgemein gültige Aussage treffen, denn es kommt natürlich immer darauf an, welche Waren in einem Lager gelagert werden und welches Gefahrenpotenzial es gibt. Selbstverständlich sollte der Betriebsrat darauf schauen, dass die Mitarbeiter die Toiletten gut erreichen können und dort die Möglichkeit haben, sich die Hände zu waschen und zu desinfizieren. Die Gesundheit der Mitarbeiter ist natürlich sehr wichtig, ebenso aber auch der Schutz der Kollegen vor möglichen Gefahren.

    Kommentar von: Nicola – am 27. Februar 2020 um 11:34

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