Noch ist es nur ein Spielzeug. Ein teures Spielzeug, das es in Deutschland derzeit nicht zu kaufen gibt. Aber das wird sich wohl bald ändern.

Google Glass ist eine Hightech-Brille. In ihr Gestell ist ein Hochleistungs-Computer im Miniformat montiert. Das Brillenglass wird zum Monitor. Auf dieses werden Daten projiziert, die der Träger der Brille direkt vor Augen hat. Egal wohin er seinen Blick richtet. Das Bild der echten Umgebung wird für ihn um weitere Daten ergänzt. Für den sog. Lifestyle-Bereich funktioniert das offenbar schon ganz gut. Da hat der Läufer seine aktuelle Zeit vor Augen, der Autofahrer die Navigation und als Besucher einer Stadt kann man sich wichtige Infos zu Sehenswürdigkeiten einblenden lassen.

Wie gesagt, bisher ist es nur ein Spielzeug. Ein Spielzeug aber, das bald den Sprung in die Arbeitswelt vornehmen wird. Auf der Sonderausstellung „Schöne schlaue Arbeitswelt“ der DASA in Dortmund kann man sich darüber informieren.

Eine Visison: Ein Ingenieur repariert eine komplizierte Maschine. Die Datenbrille zeigt ihm genau an, wo sein nächster Handgriff sitzen muss und um was es sich bei dem dem einen oder anderen Teil genau handelt. Noch eine Vision: Der Chemiker, der im Labor an Substanzen forscht, bekommt die nächsten Schritte eingeblendet. Samt detaillierter Arbeitsanweisung und wichtigen Warnhinweisen.

Manche Arbeitgeber sind offenbar schon ganz verrückt danach. Der erste Gedanke: Eine aufwändige und teure Ausbildung der Mitarbeiter entfällt. Statt dessen heißt es: Brille auf und los! Steigerungen der Produktion um bis zu 30 Prozent sind im Gespräch.

Aber was ist mit dem Gesundheitsschutz? Ist es unbedenklich, den ganzen Tag einen solchen Computer auf der Nase zu tragen? Was ist etwa mit den Augen der Betroffenen? Und wie wirkt sich eine Datenbrille auf das Stressverhalten aus? Alles noch nicht geklärt.

Wie steht es um die Mitbestimmung? Welche Rechte hat ein Betriebsrat, wenn der Arbeitgeber die Einführung von Datenbrillen ankündigt? Lässt sich der angesprochene Gesundheitsaspekt nachweisen, so wird ein Mitbestimmungsrecht nach § 87 Abs. 1 Zf. 7 BetrVG nicht von der Hand zu weisen sein. Stellen sich die Brillen in dieser Hinsicht jedoch als unbedenklich heraus, wird man immer noch auf den § 90 Abs. 1 Zf. 3 BetrVG abstellen können. Denn durch die betriebliche Einführung von Datenbrillen werden sich zwangsläufig Arbeitsverfahren und Arbeitsabläufe ändern. Hier besteht für den Betriebsrat zumindest ein Unterrichtungs- und Beratungsrecht.

Wird die Datenbrille zum Jobkiller? Wie bei jeder Automatisierung von Prozessen liegt diese Gefahr nahe. Wieder werden Menschen von Maschinen ersetzt. Das soll kein übermäßiger Kulturpessimismus sein. Aber eins darf man dabei nicht vergessen: Die Abhängigkeit gerade vom Internet und dessen Verfügbarkeit wird immer größer. Fällt das Ding mal aus, egal ob Netz oder nur Brille, ist irgendwann keiner mehr da, der dann weitermachen könnte. Echte Fähigkeiten und tatsächliches Können werden verloren gehen.

Die Ausstellung „Schöne schlaue Arbeitswelt“ der DASA in Dortmund läuft noch bis zum 23.11.2014. Auf dem ifb-SeminarArbeitsstättenverordnung: Tipps und Handlungshilfen für Betriebsräte“ ist ein Besuch der DASA im Rahmen des Seminarprogramms vorgesehen.

Bildquelle: © Jürgen Fälchle – fotolia.com (bei der Brille auf dem verwendeten Foto handelt es sich nicht um das Modell „google glass“)



Dieser Beitrag wurde am Freitag, 07. November 2014 um 15:04 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Arbeitsschutz, Betriebsrat, Gesundheitsschutz abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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