Gastbeitrag von unserer ifb-Expertin für die SBV Gisela Scholz

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Viel Papier hat der „gelbe Schein“ in Deutschland verbraucht: über 75 Millionen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen wurden allein im Jahr 2017 verschickt! Mit der Zettelwirtschaft soll jetzt Schluss sein: Ab 1.1.2021 wird das Papierformular durch eine elektronische Meldung abgelöst werden. Was müssen Sie als Betriebsrat / Schwerbehindertenvertretung dazu wissen?

Wie läuft eine Krankmeldung bisher?

Ist ein Arbeitnehmer arbeitsunfähig, stellt der Arzt eine dreiteilige Bescheinigung aus. Der Patient schickt je eine Durchschrift an seine gesetzliche Krankenkasse, an seinen Arbeitgeber und behält einen Durchschlag bei seinen persönlichen Akten.

Viel Aufwand – viel Ärger!

Briefe an die Krankenkasse und den Arbeitgeber frankieren und zum Postkasten bringen, krankheitsbedingt schafft man es vielleicht nicht gleich zur Post, danach wird der Versand vergessen, die Bescheinigungen landen unter einem Stapel Papier….und schon ist der Ärger vorprogrammiert: die Frage, ob der gelbe Zettel pünktlich beim Arbeitgeber vorlag oder nicht, sorgt heute für viele Konflikte in den Betrieben. Denn: Wenn die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Tage andauert, muss die AU-Bescheinigung spätestens am darauffolgenden Tag dem Arbeitgeber vorliegen. Und auch die Krankenkasse muss rechtzeitig informiert werden.

Was ändert sich mit der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung?

Das Gesundheitsministerium hat bereits eine Neuerung beim digitalen Meldewesen auf den Weg gebracht: Ab 2021 werden die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen von den Ärzten nur noch elektronisch an die Krankenkassen übermittelt. Dieser Meldeprozess wird nun erweitert: Ebenfalls ab 2021 sollen die Krankenkassen die Arbeitgeber elektronisch über die Krankmeldung ihrer gesetzlich versicherten Arbeitnehmer informieren.

Datenschutz bei digitaler Krankmeldung: Dauer ja, Diagnose nein!

Für Sie als Betriebsrat/Schwerbehindertenvertretung stellt sich hier die Frage: „Wie sieht es mit dem Datenschutz der Kollegen aus? Werden mit dem neuen Verfahren auch weitergehende Informationen an den Arbeitgeber übermittelt“?

Nein! Der Arbeitgeber soll auch bei dem neuen Verfahren keine Kenntnis von der Diagnose seines erkrankten Arbeitnehmers erhalten; lediglich Beginn und die voraussichtliche Dauer der Erkrankung kann über die Meldung abgefragt werden.

Weiterlesen:
Krankmeldung und AU: Was Sie dürfen und was nicht
Krankschreibung per WhatsApp



Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 12. November 2019 um 09:43 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Gesundheitsschutz, Schwerbehindertenvertretung abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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