Betrieblicher Gesundheitsschutz während Corona
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Interview mit Sven Drust, Fachkraft für Arbeitssicherheit beim ifb

Die Corona-Krise stellt ganz neue Herausforderungen an den Arbeits- und Gesundheitsschutz. Wie können geltende Regelungen im Betrieb gut umgesetzt werden? Wie werden die Kollegen im Home-Office und vor Ort am besten geschützt? Im Interview erklärt Sven Drust, Fachkraft für Arbeitssicherheit beim Institut zur Fortbildung von Betriebsräten (ifb), wie der Gesundheitsschutz auch in Krisenzeiten gut gelingen kann.

Sven, Du kümmerst Dich beim ifb um den Arbeitsschutz und die Arbeitssicherheit. Was waren Deine ersten Schritte im März, als klar wurde, dass die Corona-Pandemie Deutschland erreicht hat? 

Sehr schnell galt: Wir müssen mehr Abstand bei Meetings schaffen und Hygieneregeln in den Vordergrund stellen. Anfangs haben wir deshalb Besprechungen teilweise nach draußen verlegt oder größere Räume benutzt. An wichtigen Stellen haben wir Plakate zum richtigen Händewaschen sowie Verhaltensregeln aufgehängt und zusätzliches Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt. Als dann die Schulen und Kitas geschlossen wurden und die Ausgangsbeschränkungen bekannt wurden, haben wir mit Hochdruck daran gearbeitet, Home-Office bzw. flexibles Arbeiten für die Mitarbeiter möglich zu machen. Das war gar nicht so einfach, da wir erstmal nicht genug Arbeitsmittel zur Verfügung hatten. Die IT-Abteilung hat das aber innerhalb kürzester Zeit toll hinbekommen. Außerdem haben wir die Kantine und auch die meisten Kaffeetheken im Haus geschlossen. 

Bei all diesen Entscheidungen gab es natürlich ein enges Miteinander und viele Gespräche mit der Geschäftsleitung und dem Betriebsrat.  

Wie ist die Situation jetzt? 

Viele Kollegen sind inzwischen seit mehreren Wochen im Home-Office bzw. arbeiten flexibel. Im Home-Office müssen wir zurzeit leider auf den idealen ergonomischen Arbeitsplatz verzichten. Wir haben den Kollegen aber bei Bedarf die großen Monitore aus dem Büro mitgegeben, um zumindest Augen und Rücken zu schonen. Wichtig war uns erstmal, Arbeitsplätze ohne Ansteckungsgefahr zu schaffen. Untereinander bleiben wir durch Telefon- und Videokonferenzen in Verbindung – man sieht sich, man diskutiert und arbeitet miteinander. Das tut auch moralisch gut.

Wichtig war uns erstmal, Arbeitsplätze ohne Ansteckungsgefahr zu schaffen.

Anfang nächster Woche gibt es auch in Bayern Lockerungen der Einschränkungen. Wie gelingt jetzt der Wiedereinstieg bei Euch im Haus? Und was bedeutet das für den Seminarbetrieb? 

Wir sind noch in der Planung. Es gilt, gesetzliche und rechtliche Regelungen zu beachten. Unsere Mehr-Personen-Büros sind meist groß genug, um die Abstandsregeln einzuhalten. Präsenzmeetings werden wir weiter vermeiden oder nach draußen verlegen und ein gemeinsames Essen oder Pausen wird es erstmal nicht geben. Ganz wichtig natürlich: Wer sich auch nur irgendwie krank fühlt, darf nicht zur Arbeit kommen. Unsere Personalabteilung hat außerdem ein offenes Ohr für alle Belange, Risikogruppen, Eltern mit Kindern etc.

Was den regulären Seminarbetrieb betrifft, müssen wir natürlich die weiteren Entwicklungen abwarten. Ich arbeite beim ifb auch in der Hotelabteilung. Wir sind in ganz engem Kontakt und Gesprächen mit den Hotels, um zu überlegen, wie wir den Wiedereinstieg ideal gestalten, sobald dies möglich ist. Höchste Sicherheit für die Seminarteilnehmer, Referenten und die Seminarleitungen steht für uns dabei an oberster Stelle.

Woher holst Du Dir Infos und Ideen für Deine nun ganz neue Aufgabe? 

Neben den Regierungserklärungen und den staatlichen bzw. bayerischen Regelungen nutze ich Infoportale für den Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie Newsletter, um mich zu informieren. Hier im Haus arbeite ich auch eng mit den Kollegen in der Seminarabteilung für Arbeitsschutz und -sicherheit zusammen. Und ich ziehe auch ganz viel aus den Medien, es gibt so viele gute Ideen anderer.

Sven Drust, Fachkraft für Arbeitssicherheit im ifb
Foto: ifb


Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 23. April 2020 um 05:38 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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