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Kaum ein Thema hat in den letzten Jahren eine so steile Karriere gemacht wie die psychische Gesundheit. Zu Recht, immerhin sind psychische Leiden laut Krankenkassenberichten nach wie vor der zweithäufigste Grund für Fehlzeiten im Unternehmen. Alle Welt redet darüber – und scheint darüber eines manchmal ganz zu vergessen: Die Nummer 1! Der häufigste Grund, warum Menschen krank werden sind immer noch Muskel- und Skeletterkrankungen. Wen wundert’s! Harte körperliche Arbeit ist nach wie vor weit verbreitet. Fast ein Drittel aller Beschäftigten ist sehr häufig oder oft davon betroffen, mehr als die Hälfte muss regelmäßig in ungünstigen Körperhaltungen arbeiten. Das berichtet die Hans-Böckler-Stiftung unter Berufung auf eine Auswertung des DGB-Index Gute Arbeit.

Physische Belastungen sterben also auch im Zeitalter der Digitalisierung nicht aus. Am häufigsten im Dienstleistungssektor betroffen sind Mitarbeiter in Pflegeberufen (74%), gefolgt von Beschäftigten in Verkaufsberufen (53%). Das Geschlecht spielt dabei laut der Studie übrigens nur eine untergeordnete Rolle. Frauen erkranken fast genauso häufig wie Männer. Zu den Beschäftigtengruppen, die vergleichsweise oft körperlich harte Arbeit verrichten, gehören Leiharbeiter (53%), Geringqualifizierte (52%) und Schichtarbeiter (50%). Bei einem Verdienst von weniger als 2000 Euro brutto im Monat ist die Betroffenheit höher (42%) als bei einem Verdienst von mehr als 4000 Euro Gehalt (6%). Die Auswirkungen auf die Gesundheit sind, wie die Zahlen der Krankenkassen zeigen, immens.

Um körperliche Gesundheitsschäden vorzubeugen bzw. um bereits Erkrankte zu unterstützen, sind bessere Arbeitsbedingungen dringend erforderlich. Insbesondere Entlastungsmöglichkeiten wie zusätzliche Pausen oder ein vorübergehender Wechsel zu weniger anstrengenden Tätigkeiten schaffen hier Erleichterung, so die Studie. Doch hierzulande sieht es dabei gar nicht so gut aus: Obwohl es das Arbeitsschutzgesetz nur seit über 20 Jahren gibt, haben fast die Hälfte der Betriebe in Deutschland bisher keine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt und nur jeder vierte Betrieb hat sie vollständig umgesetzt, also Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen eingeführt. Dies zeigt eine vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales, dem Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik und dem Spitzenverband der gesetzlichen Unfallversicherung beauftragte Untersuchung. Es gibt also nach wie vor in diesem Bereich viel zu tun. 



Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 23. Juli 2019 um 07:00 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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