Reinigungskräfte haben in der Corona-Krise ein hohes Ansteckungsrisiko
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„Die Angst vor Ansteckung ist immer dabei“

In der Corona-Krise völlig aus dem Blick geraten sind die Reinigungskräfte, meint die Betriebsratsvorsitzende Manuela Oeckei. Sie gehen in Krankenhäusern und auch Altenheimen täglich an ihre körperlichen Grenzen – Extrageld bekommen sie dafür nicht, meistens noch nicht einmal ein Dankeschön. Und dabei haben Sie wegen Corona sogar noch mehr zu tun als sonst.

Frau Oeckei, alle sprechen im Moment von Pflegekräften. Von dem Druck auf die Reinigungskräfte durch Corona spricht kaum jemand. Wie empfinden Sie und ihre Kollegen die Situation?

Kritisch, da die Reinigungskräfte in dieser Krise sehr angespannt sind. Sie haben Angst, sich bei der Arbeit anzustecken. Auch Reinigungskräfte sind systemrelevant. Als Reinigungsfachkräfte sind wir professionell geschult in Hygienethemen. Wir machen einen sehr anspruchsvollen Job. Der ist extrem wichtig – gerade jetzt in dieser Krise.

Was ist anders seit Corona? Gibt es mehr zu tun also sonst?

Natürlich gibt es mehr zu tun. Keime, Viren und Bakterien sind unser Tagesgeschäft. Eine Pandemie, so wie wir sie nun erleben, ist aber natürlich auch für uns eine Ausnahmesituation. Mit Corona muss jeder sich der Verantwortung doppelt bewusst sein, das vieles von der richtigen Durchführung seiner Arbeit abhängt und dass die Aufgaben entsprechen bewältigt werden. Es geht hier um die Gesundheit der Menschen: Der Patienten, aller Mitarbeiter und der Kollegen.

Es geht hier um die Gesundheit der Menschen!

Wie kann man sich denn so einen Tag vorstellen, wie und wo sind die Kollegen im Einsatz?

Die Kollegen arbeiten in der ganzen Klinik, auf allen Stationen, OP-Bereichen, Bürobereichen, Funktionsbereichen und viele mehr. Hygiene wird immer besonders großgeschrieben. Auf den Corona-Stationen, die extra eingerichtet wurden, wird besonders sorgsam und aufmerksam gearbeitet. Man muss dort besondere Schutzkleidung anlegen, um sich nicht anzustecken. Im ganzen Haus müssen die vorgeschriebenen Hygienevorschriften exakt beachtet werden. Für die Kollegen bedeutet das z.B. das ständige Neuanlegen der Schutzkleidung. Das ist mit extremem Stress verbunden und geht mit einer Angst einher. Die Kollegen äußern sich teilweise, dass diese besondere Aufgabenerfüllung verhältnismäßig wenig Geld und keine Anerkennung einbringt – im Gegensatz zu den Kollegen aus der Pflege, die aktuell sehr viel Würdigung und sogar Sonderzahlungen erhalten.

Was würden Sie sich wünschen, von Kollegen, vom Arbeitgeber, und insbesondere von der Politik?

Ich persönlich würde mir mehr Verantwortung auch diesen Kräften gegenüber wünschen, mehr Anerkennung ihrer Arbeit. Generell wünsche ich mir von der Politik keine Ausgrenzung der Arbeitnehmer im Mindestlohnsektor.

Kann man bei dem Druck noch gründlich arbeiten – sprich: gründlich putzen? Und schwingt nicht auch die Sorge mit, sich selbst anzustecken?

Für professionelle Reinigungskräfte ist die Arbeit nicht „nur“ putzen. Wir sind Fachkräfte, die eine professionelle Ausbildung erfahren. Besonders im Krankenhaussektor ist es wichtig, immer gründlich zu arbeiten. So können wir helfen, auch das Corona-Virus nicht weiter zu verbreiten. Die Sorge, sich eventuell selbst anzustecken, ist immer trotzdem mit dabei, praktisch der unsichtbare neue Kollege.

Immer wieder liest man, dass im Reinigungsbereich vieler Krankenhäuser seit Jahren massiv gespart wird. Rächt sich das jetzt?

Ich persönlich denke ja, es wurde in der Vergangenheit in vielen Häusern gespart. Bei uns im Haus wird sehr auf Hygiene und Sauberkeit geachtet. Das ist gut!

Wenn Sie heute Gesundheitsminister Jens Spahn oder Bundeskanzlerin Angela Merkel treffen würden – was würden Sie ihnen sagen?

Die Fehler der Vergangenheit kommen jetzt zum Tragen. Das Gesundheitssystem (einschl. Reinigung) wurde aus meiner Sicht extrem kaputtgespart. Man hätte früh genug handeln müssen, um die jetzigen Probleme zu vermeiden.

Manuela Oeckei ist Betriebsratsvorsitzende der Helios Reinigung West Klinikum Wuppertal

Helios Klinik Wuppertal
HELIOS Klinikum Wuppertal Standort Barmen, Eingang Haus 18 11.04.2011



Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 23. April 2020 um 05:32 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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1 Kommentar »

  1. Ein sehr guter Beitrag. Ich würde empfehlen, bundesweit sich mit anderen Betriebsräten zusammmenzuschließen und einen Brief an die beiden Herrschaften Gesundheitsminister Jens Spahn und Bundeskanzlerin Angela Merkel zu schreiben. Mit dem Hinweis, dass das Gesundheitssystem (einschl. Reinigung) jetzt neu aufgestellt werden muss. Die Corona Pandemie hat gezeigt, dass diese Art von Sparphilosophie EXTREM TEUER ist. Wir Deutschen neigen dazu, Dinge einfach hinzunehmen. JETZT ist die Zeit des HANDELNS!
    Vielen Dank für diesen wertvollen Beitrag!

    Kommentar von: Mussel, Kirsten – am 12. Mai 2020 um 14:08

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