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Das Suchtrisiko von Millionen Beschäftigten hat nicht nur persönliche Auswirkungen auf den Einzelnen, sondern auch gravierende Folgen für die Arbeitswelt. Das zeigt der aktuelle DAK-Gesundheitsreport „Sucht 4.0“. Nach der repräsentativen Studie hat jeder zehnte Arbeitnehmer einen riskanten Alkoholkonsum – hochgerechnet betrifft das vier Millionen Menschen. Doch auch neue Suchtformen sind auf dem Vormarsch: Erstmals untersucht der Report das Thema Computerspielsucht („Internet Gaming Disorder“) in der Arbeitswelt. Ergebnis: Rund 2,6 Millionen Erwerbstätige haben ein riskantes Nutzungsverhalten – oft sogar auch während der Arbeit. Nach wie vor ist jedoch das Rauchen die verbreitetste Sucht. 22 % der Erwerbstätigen greifen zum Glimmstängel.

Fehlzeiten

Laut DAK-Gesundheitsreport 2019 fehlen Arbeitnehmer mit Hinweisen auf eine Substanzstörung deutlich öfter im Job als nicht betroffene Kollegen. Der Krankenstand ist mit 7,6 % sogar doppelt so hoch. Ursache für die Fehlzeiten ist übrigens oft nicht die Sucht selbst. Egal welche Diagnose, Betroffene sind grundsätzlich verhältnismäßig länger krank – insbesondere bei den psychischen Leiden. Hier sind es bis zu dreimal so viele Fehltage. Der Großteil der direkten Krankmeldungen bei Suchtproblemen ist auf Alkohol zurückzuführen.

Kosten für Krankentage

Schätzungen zufolge kosten kranke Mitarbeiter den Arbeitgeber durchschnittlich 400 Euro pro Fehltag – kleine und mittlere Unternehmen immerhin noch 250 Euro. Laut einer Studie von Booz & Company für die Felix-Burda-Stiftung kosten kranke Arbeitnehmer die deutsche Volkswirtschaft jedes Jahr rund 225 Milliarden Euro.

Sonstige Auswirkungen auf die Arbeitswelt

Beschäftige mit einer Suchtproblematik (mögliche Abhängigkeitserkrankung oder auch „nur“ riskantes Suchtverhalten)

• waren wegen Alkohol oder Gamen abgelenkt oder unkonzentriert bei der Arbeit

• kamen wegen Alkohol oder Gamen zu spät zur Arbeit oder haben früher Feierabend gemacht

• tranken oder spielten auch mehrmals pro Monat oder häufiger bei der Arbeit

• hatten wegen der Folgen des Trinkens oder Gamens eine oder mehrere Krankmeldungen innerhalb des vergangenen Jahres

Rauchen ist nach wie vor die häufigste verbreitetste Sucht

Fast jeder zweite Raucher greift auch während seiner Arbeitszeit regelmäßig zur Zigarette und verlässt hierfür seinen Arbeitsplatz über die gesetzlichen Pausenregelungen hinaus. Das heißt, Raucher machen in der Regel mehr Pausen als Nichtraucher. Eine Rauchpause für eine Zigarette dauert etwa sechs Minuten. Bei acht Zigaretten am Tag sind das 48 Minuten, in einer Woche sogar 4 Stunden. Hochgerechnet auf ein Jahr arbeiten Raucher im Schnitt 22 Tage weniger als Nichtraucher. Der Wirtschaft entgehen jährlich hohe Summen durch rauchende Mitarbeiter, die häufig ihren Arbeitsplatz verlassen. Die Rede ist von einem Schaden in Höhe von 4000 Euro im Jahr pro Raucher pro Unternehmen bzw. von jährlich 28 Millionen Euro für die deutsche Wirtschaft.

Hinsehen, hinhören, handeln

Für das Unternehmen und insbesondere auch für den Betriebsratsarbeit ist Offenheit gegenüber der Suchtthematik sehr wichtig. Es heißt: Ansprechen, nicht ignorieren! Nur so wird der Betroffene nicht allein gelassen und auf betrieblicher Ebene für Sicherheit und Aufklärung gesorgt. Sprüche wie „Wer säuft ist selbst schuld“ oder „Trinken ist ausschließlich Privatsache“ sind nicht akzeptabel. Denn: Die Beschäftigtenbefragung im Rahmen des DAK-Reports verdeutlichte auch mögliche arbeitsbedingte Risikofaktoren für den Umgang mit z.B. Alkohol: Häufig trinkt, wer an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit arbeitet. Auch starker Termin- und Leistungsdruck sowie emotional belastende Situationen bei der Arbeit werden als mögliche Risikofaktoren für einen erhöhten Alkoholkonsum genannt.

Seminare zum Thema:

Betriebliche Suchtprävention (Teil I)

Neue Suchtformen in der Arbeitswelt



Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 02. Juli 2019 um 07:00 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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