von Peter am 02.02.2011, 11:49 Uhr , Kategorie: Hartz IV, Leiharbeit, Mindestlohn

Eins kann dem Arbeitgeberpräsidenten Dieter Hundt nicht zum Vorwurf gemacht werden: Dass man bei ihm nicht weiß, woran man ist. Jetzt spielt er mit offenen Karten. Er sagt, wie es ist. Aber der Reihe nach:

Die Verhandlungen im Vermittlungsausschuss zur Hartz IV-Reform steuern langsam auf ein Ende zu. Am Sonntag 06.02. findet die nächste und vielleicht letzte Runde statt. Die Unterhändler debattieren und streiten dabei nicht nur über den Hartz IV-Regelsatz, sondern auch über andere sozial- und arbeitsmarktpolitische Themen. Dazu gehört die Leiharbeit. Im Gespräch sind ein branchenübergreifender Mindestlohn sowie eine sog. „Equal Pay“-Regelung, wonach Leiharbeiter nach einer gewissen Frist genauso entlohnt werden müssen wie die Stammbelegschaft. Wie lange diese Frist sein soll, darüber gehen die Meinungen noch auseinander.

Dieter Hundt ist Präsident der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA). Geht es um’s große Ganze, meldet er sich zu Wort. Darauf ist Verlass. Insofern war seine Stellungnahme zu diesem Thema längst überfällig. Bei einer Pressekonferenz in Berlin letzte Woche redete er Klartext: Der Jobmotor Zeitarbeit sei durch die Pläne des Vermittlungsausschusses gefährdet. Um den Motor am laufen zu halten kündigte er an, dass „strengere Regeln von der Wirtschaft unterlaufen werden“. Original-Ton: „Die großen Unternehmen werden Wege finden, um durch Auswechseln der Zeitarbeitnehmer mit dem Problem fertig zu werden.“ Eine offene Kampfansage an die Politik!

Stop! Was ist noch mal der eigentliche Sinn und Zweck der Zeitarbeit? Richtig, Produktionsspitzen sollen leichter aufgefangen werden können. Tatsächlich wird Zeitarbeit aber von vielen Unternehmen längst als gewichtiges Intrument der Kostenersparnis und Personalplanung mißbraucht. Sollte in Zukunft vorgeschrieben sein, dass Leiharbeitnehmer zum Beispiel nach drei Monaten Einsatz den gleichen Lohn bekommen müssen wie die Stammbelegschaft, dann wollen Arbeitgeber diese Menschen zu diesem Zeitpunkt einfach hinausrotieren. Alte raus, neue rein. Hauptsache nicht „mehr“ zahlen müssen.

Der Mensch ist nur noch reine Ware und Kostenfaktor. Wohin soll das am Ende führen? Ethisch geht anders! Aber wen interessiert das schon?

Peter



Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 02. Februar 2011 um 11:49 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Hartz IV, Leiharbeit, Mindestlohn abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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2 Comments »

  1. Wenn die beteiligten Poltiker diese Kampfansage ernst nehmen würden, sollten sie das „equal pay“-Gebot (meinethalben inkl. Frist) eben nicht an den konkreten Arbeitsvertrag, sondern den ausgefüllten Arbeitsplatz binden. Dazu ne enge Umgehungsklausel, aufgrund auch bei formeller Umbelegung das Gebot greift.

    Damit würde auch die aktuelle Praxis ein Stückchen reglementiert werden.
    Sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss – aber besser als die meist halbgaren Lösungen der Politik.

    Kommentar von: Malte S. – am 02. Februar 2011 um 13:51

  2. Leiharbeit sollte deutlich teurer sein als „normale“ Arbeiter. Denn durch Leiharbeit spart sich der AG unter anderem den Kündigungsschutz. Dass dieser Vorteil des AG noch durch niedrigere Löhne subventioniert wird, braucht man sich nicht wundern, wenn dieses Geschenk gerneangenommen wird. Dieses Geschenk ist aber ganz bewußtgemacht worden, um nach der Politikkarriere nochzehn bis zwanzig nette Aufsichtsratposten zu ergattern…

    Kommentar von: Manuel D. – am 03. Februar 2011 um 12:56

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