von Peter am 02.03.2010, 11:15 Uhr , Kategorie: Hartz IV, Wirtschaftskrise

Viele können es schon nicht mehr hören: Guidos Geschwätz (so betitelt es die Süddeutsche Zeitung) von den spätrömischen Verhältnissen und dem vermeintlich anstrengungslosen Wohlstand, zu dem unser Sozialstaat einlädt. Besonders brisant: In letzter Zeit scheint sich in der breiten Öffentlichkeit immer mehr die Meinung durchzusetzen, dass sich Arbeit tatsächlich nicht mehr lohnt, dass man als Hartz IV-Empfänger mehr oder zumindest nicht viel weniger hat, wie wenn man arbeiten würde.

Was für ein Unsinn! Der Paritätische Wohlfahrtsverband, der Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege in Deutschland, hat den Taschenrechner in die Hand genommen und genau nachgerechnet. Und zwar 196 mal! Dabei kam er zu einem völlig anderen Ergebnis: Das Lohnabstandsgebot ist nach wie vor gewahrt! In allen Beispielrechnungen weist der Verband nach, dass für Hartz IV-Bezieher selbst bei niedrigen Löhnen ein Anreiz zur Arbeitsaufnahme besteht. Die Süddeutsche Zeitung zitiert Ulrich Schneider, den Geschäftsführer des Verbandes: „Es drängt sich der Verdacht auf, dass hier mit fehlerhaften Berechnungen Klima und Politik gemacht werden sollen“. Damit meint er unter anderem das Karl-Bräuer-Institut vom Bund der Steuerzahler. Dieses habe mit seiner Meinung nach recht „dubiosen Zahlenspielen“ in der F.A.Z. zu belegen versucht, dass man mit Hilfe von Hartz IV auf das gleiche Niveau kommt, wie wenn man arbeiten gehen würde.

Man muss bestimmte Thesen nur oft genug wiederholen, irgendwann werden sie plötzlich nicht mehr hinterfragt. Das ist manipulative Meinungsmache aus dem Lehrbuch! Denn das Problem sind nicht die Empfänger von Arbeitslosengeld 2, von denen man das pauschale Bild zeichnet, dass sie am liebsten dekadent in ihrer sozialen Hängematte herumlungern. Ich bezweifle, dass es in dieser Gruppe einen nennenswerten Anteil solcher Menschen gibt. Die Wirklichkeit sieht bei Langzeitarbeitslosen und Niedriglohnempfängern ganz anders aus! Ein Besuch bei einem Sozialverband oder bei einer Schuldnerberatungsstelle würde manchem sicher sehr gut tun. Denn: Das eigentliche Problem sind auch weiterhin diejenigen, die vor einiger Zeit die Wirtschafts- und Finanzkrise durch ihre maßlose Gier verursacht und verschuldet haben! Aber darüber spricht kein Mensch mehr. Dafür wird nun gegen die Ärmsten der Gesellschaft Stimmung gemacht. Bislang leider mit großem Erfolg. Wie erbärmlich ist das nur!

Peter



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