Das wär‘ was: Endlich mal nicht alleine stehen! Viele Schwerbehindertenvertreter (SBV) kennen das: Sie üben im Betrieb ihr Amt aus und sind dabei völlig auf sich allein gestellt. Nicht wie der Kollege aus dem Betriebsrat. Der ist fast immer Teil eines mehrköpfigen Teams, eines Gremiums. Da kann man sich beraten, Meinungen austauschen, Strategien entwickeln. Und neben den schwierigen Themen, die es oft zu besprechen gibt, auch immer mal wieder lachen, scherzen und sich gegenseitig Bestätigung und damit Motivation abholen. Davon können Schwerbehindertenvertreter meist nur träumen!

Juristin Conny Huber (Foto) kennt diese Situation genau. Seit sechs Jahren betreut sie beim Seminarveranstalter ifb den Fachbereich „Schwerbehindertenvertretung“. Sie erklärt: „Die SBV ist im Normalfall im Betrieb auf sich allein gestellt.  Einige sind zwar auch noch im Betriebsrat tätig. Wenn sie aber die Tür zu machen, um sich ihrer SBV-Arbeit zu widmen, sind sie allein. Das sind schon echte Einzelkämpfer! Da bleibt ein Austausch mit Menschen, die in derselben Situation sind, die Ausnahme.“ Nun hat der Gesetzgeber den Schwerbehindertenvertretern einen rechtlichen Anspruch auf Weiterbildung gegeben. Conny Huber hat schon viele solcher SBV-Schulungen veranstaltet: „Hier trifft ein SBV’ler nicht nur auf Referenten, die wissen, wo ihn der Schuh drückt und die ihm Wege aufzeigen, wie er seine Aufgaben im Betrieb erfüllen kann. Er trifft auch auf Kolleginnen und Kollegen aus anderen Betrieben, mit denen er sich intensiv austauschen kann.“

Zum Highlight im Weiterbildungsbereich ist mittlerweile eine Fachtagung geworden, die der Schulungsveranstalter ifb ins Leben gerufen hat: Der Tag der Schwerbehindertenvertretung. Als dieser 2010 in Hamburg zum ersten Mal stattfand, rieben sich viele vor Ort erstaunt die Augen: Rund 100 Teilnehmer waren gekommen und jeder von ihnen war gewählte Vertrauensperson der schwerbehinderten Menschen eines Betriebs. So viele SBV’ler auf einem Haufen sah man bislang selten. Ein ungewohntes Bild für die meisten, die Reaktionen deshalb deutlich: Von einem bislang nicht erlebten Gemeinschaftsgefühl berichteten die Anwesenden. Und dass es super gewesen sei, live zu erleben, dass es noch so viele andere Menschen gibt, die sich ebenfalls als SBV für die behinderten Beschäftigten engagieren.

Ein Wunsch, den wir am Ende dieser Veranstaltung und auch danach am häufigsten gehört haben, war der nach einer Neuauflage. Und das bieten wir nun an.Conny Huber erläutert die Hintergründe: „Das Tolle am Tag der Schwerbehindertenvertretung ist, dass es hier ganz spezielle Angebote für die wesentlichen Knackpunkte der SBV-Arbeit gibt. Denn für jeden SBV’ler ist fundiertes juristisches Wissen existentiell wichtig, genauso wie kommunikative Fähigkeiten. SBV’ler müssen sich rechtlich unbedingt auf dem Laufenden halten.“ Ein Beispiel: Wichtige Aufgabe einer SBV sei die fachliche Begleitung von Kolleginnen und Kollegen, die einen Antrag auf Anerkennung einer Schwerbehinderung stellen. Im Betrieb kenne sich damit normalerweise niemand aus. Die SBV sei die Ausnahme, sie verfüge über wichtiges Spezialwissen. Aber das veraltet schnell, wie man an der Versorgungsmedizin-Verordnung (VersMedV) sehen kann. Diese ist erst seit 2009 in Kraft und mittlerweile bereits zum vierten Mal geändert worden. Was solle man da anderes machen als sich möglichst rasch weiterzubilden?

Die Expertin weist noch auf etwas anderes hin: „Es ist leider so, dass in dem Verfahren auf Anerkennung als Schwerbehinderter in der Regel nicht der Mensch persönlich beurteilt wird, sondern die dem Sachbearbeiter vorliegende Akte. Deswegen muss der Antrag so korrekt wie möglich gestellt werden, Fehler wirken sich da fatal aus. Auf dem „Tag der SBV“ bieten wir extra einen Workshop speziell dazu an.

Gastvorträge bilden den Rahmen des zweitägigen Programms. Der Münchner Fachbuchautor Matthias Nöllke wird über das Thema Vertrauen sprechen und darüber „wie man es aufbaut, nutzt und wieder verspielt“. Nicola Fritze, Motivationstrainerin aus Reutlingen möchte dagegen erreichen, dass ihre Zuhörer „lieber auf neuen Wegen stolpern, als auf ausgelatschten Pfaden auf der Stelle treten„. Passt gut zum Motto der Veranstaltung: Einen Schritt weiter kommen! Wieder ein Schritt weiter, möchte man sagen.

Der Tag der Schwerbehindertenvertretung findet vom 2.-4. Mai 2012 in Berlin statt. Rund 150 Schwerbehinderten werden daran teilnehmen. Aufgrund der großen Nachfrage wurde ein zweiter Termin vom 14.-16. Mai 2012 ebenfalls in Berlin eingerichtet. Beide Veranstaltungen sind fast vollständig ausgebucht, es gibt Restplätze, der Veranstalter bietet auch die Möglichkeit an, über eine Warteliste im Nachrückverfahren noch an einen Platz zu kommen. Für weitere Infos einfach auf einen der beiden Banner im Anschluss klicken.

Tag der Schwerbehindertenvertretung 2012 Tag der SBV 2012 die zweite



Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 08. Februar 2012 um 11:36 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie ifb intern, Schwerbehindertenvertretung, Seminare abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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  1. […] zum Thema “Schwerbehinderung” finden Sie bei jurablogs.com unter Betriebsrat Blog, Recht Sozial, StuWa, andere ansicht, sozialrechtsexperte, Jus@Publicum und […]

    Pingback: BAG: Arbeitgeber darf Arbeitnehmer nach Schwerbehinderung fragen - Kanzlei Blaufelder – am 16. Februar 2012 um 16:08

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