Privatsphäre, Datenschutz, Urheberrechte – es ist nicht immer einfach, sich im Web 2.0 zurechtzufinden, zumal man bei jeder Aktivität im Internet digitale Spuren hinterlässt. Auch Meldungen wie diese führen nicht gerade dazu, einen beruhigten Umgang mit den Social Media zu fördern. Da gilt es aufzuklären.

Aus diesem Grund wurde auf der diesjährigen JAV-Arena ein Workshop zum Thema Social Media angeboten. Vom 19. bis 21. März 2012 trafen sich über 100 Jugend- und Auszubildendenvertreter/innen („JAVis“) in Berlin, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und auf verschiedenen Workshops viel Input zu erhalten. „Social Media im Betrieb: Alles über Facebook, Twitter & Co“, so lautete der Titel des Workshops, in welchem ifb-Referentin und Datenschutzexpertin Heidi Schuster die Tücken und rechtlichen Stolpersteine im Zusammenhang mit der Nutzung von Social Media aufzeigte.

Von wegen keine Medienkompetenz: Das weit verbreitete Vorurteil, junge Menschen würden oft unbedarft ins Netz gehen und wüssten nicht, wie sie sich schützen können, wurde hier klar widerlegt. Die JAVis zeigten in dem Workshop, wie reflektiert sie an das Thema „Social Media“ herangehen. Viele von ihnen sind nicht einmal Mitglied bei Facebook – und zwar ganz bewusst, da sie unter Abwägung von Nutzen und Risiko keinen wirklichen Vorteil darin sehen können.

Welchen Nutzen eine „Fanpage“ für ein Unternehmen haben kann und wo eventuell Risiken liegen, erarbeiteten die Teilnehmer zunächst in Gruppenarbeit. Hier gab Heidi Schuster den Teilnehmern vier Merkposten an die Hand: Zunächst sollte geklärt werden, was das Unternehmen überhaupt erreichen möchte (Strategie). Davon hänge wiederum ab, wer berechtigt ist, die Fanpage zu pflegen. Zudem sollte ein dienstlicher Account angelegt werden. Last but not least sollte vorab feststehen, wie mit (negativen) Kommentaren oder Fragen umgegangen wird.

Immer mehr – vor allem große – Unternehmen lösen dies über gezielte Betreuung. Facebook, Twitter & Co haben so ein neues Berufsbild geschaffen: Die sogenannten „Social-Media-Manager“, die sich hauptberuflich um den Auftritt in Online-Netzwerken kümmern. Das hat durchaus seine Berechtigung, denn ein Unternehmen kann schnell in Ungnade fallen. „Man motzt schneller, als dass man lobt“, so die Referentin. Und, ganz klar: Die Pflege der Fanpage ist Arbeit und findet deshalb während der Arbeitszeit statt. Hierzu sollte man einen dienstlichen Account haben. Denn: Der Arbeitgeber kann weder verlangen, dass man mit seinem Privat-Account dienstliche Angelegenheiten erledigt, noch dass man dies in seiner Freizeit macht.

Die Vorstellung, dass jede Aktion im Netz eine unauslöschliche digitale Spur hinterlässt, mit der jeder von uns in den kommenden Jahren konfrontiert werden kann, erschreckt viele. Vorsicht ist deshalb angebracht, alleine schon, weil immer mehr Arbeitgeber ihre (zukünftigen) Mitarbeiter im Netz suchen. Aber ist es denn wirklich erlaubt, nach Mitarbeitern im Internet zu suchen („Facebook-Stalking“)? „Es kommt darauf an“, so die Datenschutzexpertin. Hier müsse man unterscheiden, ob der Arbeitgeber im öffentlichen Netz sucht oder ob er versucht, in einen Nicht-öffentlichen Bereich hineinzugelangen. Nach dem Bundesdatenschutzgesetz gelte der Grundsatz:  Alles, was man öffentlich finden kann, darf auch verwendet werden. Im Moment gebe es zwar einen neuen Gesetzesentwurf, welcher vorsieht, dass Informationen aus Bereichen, die für den privaten Bereich gedacht sind, nicht genutzt werden dürfen. Nur: wer kann das schon kontrollieren? Deshalb rät Heidi Schuster zur Vorsicht: „Ich kann jedem nur den Tipp geben, auch mal nach sich selbst zu suchen, um die Kontrolle zu behalten, was über einen im Netz steht.“ Und: Man sollte nicht unbedingt den eigenen Chef seiner Freundeliste auf facebook hinzufügen. Zwar müsse auch dieser Privates und Berufliches trennen. Hier gerate man aber in eine Grauzone, wie der Fall einer Auszubildenden zeige. Das Fazit der Referentin: „Vieles ergibt sich aus dem gesunden Menschenverstand“.

Zu guter Letzt wurde gemeinsam ein Leitfaden zum Umgang mit Social Media entwickelt. „Das ist etwas, was ich jedem empfehle“, so die Referentin. Viele Unternehmen haben bereits sogenannte „Social Media Guidelines“ oder „Social Media Policies“„Diese sind immer ein Mix aus Vorgaben und Empfehlungen.“ Social Media Guidelines sollten all das enthalten, was entweder vertraglich vereinbart oder gesetzlich vorgeschieben, verboten und/oder strafbar ist. Und auch wenn man nicht alles vorschreiben könne, wie z.B. die Nutzung im Privatbereich, sollte man hierfür zumindest Empfehlungen aussprechen. Wie ein Unternehmen auf vorbildliche Art und Weise seine Mitarbeiter im Umgang mit Social Media sensibilisieren kann, zeigt Heidi Schuster am Ende des Workshops in einem Film.



Dieser Beitrag wurde am Montag, 02. April 2012 um 16:46 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Datenschutz, ifb intern, Jugend- und Auszubildendenvertretung abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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