Es ist ein kniffliger Spagat, den Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat oft zu erfüllen haben: Einerseits gilt es, die Interessen der Beschäftigten gut zu vertreten, anderseits will auch die Mitverantwortung bei der Unternehmensführung gemeistert sein. Das ist nicht selten schwierig und nervenaufreibend. Im „Kontrollorgan Aufsichtsrat“ werden strategische Weichen gestellt, Verkäufe von Unternehmensteilen eingeleitet und ähnlich bedeutende Grundsatzentscheidungen getroffen. Nun sind in den letzten Jahren die Anforderungen an die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat gestiegen. Diverse neue Gesetze wurden erlassen, Vorstände mussten gehen, Schadensersatzklagen gegen Aufsichtsräte häufen sich.

Aber was genau hat sich geändert? Welche Aufgaben sind neu dazugekommen? Und was sagt die aktuelle Rechtsprechung dazu? Fragen, die sich Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat am besten von Experten vor Ort beantworten lassen. Auf der ersten Fachtagung für Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat etwa, die in Kürze vom ifb (Institut zur Fortbildung von Betriebsräten) veranstaltet wird. Vom 21. bis 23. März 2012 treffen sich knapp 100 Kolleginnen und Kollegen in Hamburg, um neues Praxis-Wissen für eine moderne Aufsichtsratsarbeit zu erlangen. Fachtagungsleiterin Sonja Saffer erklärt: „Auf Seminaren für Arbeitnehmervertreter steht man oft vor der Situation, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den verschiedensten Branchen kommen, die alle ganz unterschiedliche Besonderheiten aufweisen. Da wird es schnell sehr speziell und dann ist der Referent natürlich schwer gefragt, alle unter einen Hut zu bekommen. Mit dieser Fachtagung wollen wir einen gemeinsamen Nenner finden, damit alle Branchen einen größtmöglichen Nutzen ziehen können“, so die Juristin.

Den Teilnehmern werden in Hamburg sechs Workshops angeboten. Rechtsanwalt Matthias Lindow behandelt das Thema Corporate Governance. Bei Rechtsanwalt Prof. Dr. Daniel Knickenberg geht es um Compliance in der arbeitsrechtlichen Praxis. Bilanzen, Kennzahlen und Ratings erklärt ibt-Institutsleiter Wolfgang Hobmaier. Diplomkaufmann und Fach-Redakteur Frank Romeike spricht über Risiko-Management, Wirtschaftsingenieur Frank Ihlenburg erläutert den eingangs erwähnten schwierigen Spagat zwischen Kapital- und Arbeitnehmerinteressen. Andreas Schmidtberg schließlich will die argumantativ-dialektische Kompetenz erweitern: In seinem Workshop geht es um das richtige Argumentieren im Aufsichtsrat.

Auf ganz besonderes Interesse wird der Abschlussvortrag der Veranstaltung stoßen, für den Professor Dr. Michael Wolff (Foto) als Top-Experte gewonnen werden konnte. Der Göttinger Wissenschaftler spricht über das Thema Komplexität, das sich als ganz neue Herausforderung für Aufsichtsräte darstellt. Dabei präsentiert er auch Ergebnisse seines Forschungsauftrags, den er für die Hans-Böckler-Stiftung wahrgenommen hat.

Die Fachtagung für Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat findet vom 21. – 23.03.2012 in Hamburg statt: Link zur Veranstaltung.

 

Peter

Bildquelle: © Michael Wolff / Universität Göttingen


Dieser Beitrag wurde am Freitag, 24. Februar 2012 um 08:59 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Aufsichtsrat, ifb intern, Seminare abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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