Ralf Rangnick gehört dazu, Miriam Meckel, Peter Plate von Rosenstolz, Sven Hannawald und Tim Mälzer. Alles prominente Persönlichkeiten, über die bekannt wurde, dass sie an Burn-out erkrankten. Und natürlich war da noch Robert Enke, der ehemalige Fußball-Nationaltorwart, der sich im November 2009 als Folge einer Depression umgebracht hat. Burn-out-Fälle und Depressionen haben unsere Gesellschaft, so scheint es, mittlerweile fest im Griff!

„Wer heutzutage keinen Stress hat, gilt ja fast schon als Looser, oder?“ Dr. Tatjana Reichhart (links) stellt die Frage provozierend in den Raum. Die psychiatrische Ärztin hält als Gastrednerin den Eröffnungsvortrag auf der Fachtagung „Wenn Arbeit krank macht: Burn-out, Stress und innere Kündigung“, die vom ifb Institut zur Fortbildung von Betriebsräten Ende November 2011 in Leipzig veranstaltet wurde. Über 100 Betriebsräte und Personalräte nahmen daran teil. Keiner von ihnen widersprach auf die Frage wegen dem Looser! Mit ihrem Interesse für Burn-out seien alle hier sehr eng am Puls der Zeit, so die Ärztin. Das Thema ihres Vortrags: „Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz – Was können Unternehmen dafür tun?“

Arbeitgeber von Tatjana Reichhart ist das Centrum für Disease Management (CFDM), eine klinische Einrichtung der Technischen Universität München. Das CFDM beschäftigt sich intensiv mit dem Thema „Psychische Erkrankungen“: In der Klinik werden akute Patientenfälle versorgt, für Betriebe, Schulen und Krankenkassen gibt es Informationsveranstaltungen und wissenschaftliche Forschung wird auch noch betrieben.

Früher habe man psychische Erkrankungen im Betrieb schlicht ignoriert, so die Ärztin: „Wir haben hier nur stramme Jungs, so „Psychofälle“ gibt’s bei uns nicht. Diese Haltung sei in vielen Firmen verbreitet gewesen.“ Wahrscheinlich waren es auch die zahlreichen Fälle prominenter Opfer, die den Burn-out im Lauf der Zeit „salonfähig“ gemacht haben. Jetzt spreche man zumindest schon halbwegs offen darüber.

Immerhin fast 30 Prozent aller Beschäftigten erleiden nach aktuellen Zahlen während ihres Berufslebens mindestens ein Burn-out-Syndrom. Die Folgen sind nicht nur für die Betroffenen schlimm, auch die Unternehmen trifft es wirtschaftlich hart: Eine durchschnittliche psychische Erkrankung dauert im Schnitt um die 30 Tage. Bei einem Unternehmen mit 1.000 Mitarbeitern würden derzeit aufgrund von Burn-out-Fällen statistisch zusätzliche Kosten in Höhe von 5 Millionen Euro pro Jahr verursacht. Das sind einmal die Fehltage selbst, zum anderen aber der weitaus höhere Schaden aufgrund verminderter Produktionsleistung. Die Ärztin weiß: Fälle von Burn-out existieren in jedem Unternehmen. Nur seien die wenigsten davon auf solche Situationen vorbereitet, wodurch sich Lösungen zum Teil erheblich verzögern.

Eine Stunde lang berichtete Tatjana Reichhart aus ihrer ärztlichen Praxis, sie erzählte von Beispielen, erklärte Hintergründe, Ursachen und verdeutlichte die gesundheitlichen Folgen. „Die Betriebe können etwas tun! Man kann sowohl vorbeugend als auch unterstützend tätig werden. Gerade im Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements gebe es wichtige strukturelle Maßnahmen, die eingeleitet werden können.“ Dazu gehöre etwa die Schaffung von Stellen mit betrieblichen Ansprechpartnern, die Durchführung von Informationsveranstaltungen für die Mitarbeiter aber auch die qualifizierte Schulung von Führungskräften. „Viele Führungskräfte haben immer gleich eine Lösung parat, schütteln sie aus dem Ärmel. Aber sie müssten den Betroffenen halt auch erst mal zuhören, daran fehlt es oft.

Die Nachfrage bleibt hoch: Das ifb wird die Veranstaltung vom 13. bis 15. Juni 2012 in Dresden (Nr. 91-601A) erneut durchführen, gab ifb-Institutsleiter Hans Schneider bekannt. Mehr Informationen erhält man beim Institut (Link zum Veranstalter).

Peter

Bildquelle: © ifb



Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 15. Dezember 2011 um 09:34 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Burn-out, Gesundheitsschutz, ifb intern, Seminare abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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