Erich Kempfner (*Name geändert) schüttelt den Kopf: „Ganz ehrlich, so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Als ich zur Vertrauensperson der schwerbehinderten Kollegen gewählt wurde, wollte ich mich für deren Belange einsetzen, in meiner Vorstellung war das vor allem Reden, Überzeugen, Verhandeln, darum ging es mir. Ich hatte keine Ahnung, wie sehr ich mich mit dem vielen Schriftkram abmühen musste. Aber der gehört halt dazu.“

Seit drei Jahren ist Kempfner SBV-Vertreter bei einem großen Reiseveranstalter im Ruhrgebiet: „Was ich aus dem Stand weg alles auf Papier bringen musste. Und dann such mal schnell eine Vorlage für deine Stellungnahme, wenn du dringend eine brauchst, da sieht’s auch im Internet düster aus. Und beim Betriebsrat kriegst man das auch nicht.“

Das sind Sorgen, wie sie Conny Huber bestens kennt. Seit sieben Jahren plant die Juristin Seminare und Weiterbildungen für die Schwerbehindertenvertretung. Beim ifb Institut zur Fortbildung von Betriebsräten leitet sie den entsprechenden Fachbereich. „Vor einiger Zeit haben wir die SBVs deutschlandweit dazu aufgerufen, uns ihre Nöte zu schildern, damit wir unser Schulungsangebot noch besser ausrichten können. Gleich mehrere SBV’ler haben sich daraufhin gemeldet und auf dieses Thema mit dem Schriftverkehr hingewiesen. Man komme in das Amt, müsse plötzlich viel schreiben, Stellungnahmen, Anträge, förmliche Mitteilungen, aber nirgendwo gibt es Hilfen, wie man das formuliert geschweige denn gut hinkriegt.“

Keine Seminarangebote, keine Bücher, keine Vorlagen im Internet zum Herunterladen – so stellt sich die Situation für viele SBV-Vertreter dar. Sie sind Einzelkämpfer und hier werden sie nochmal ein Stück mehr allein gelassen.

Gudula Völkel, Rechtsanwältin

Gudula Völkel, Rechtsanwältin

Gemeinsam mit Gudula Völkel, Fachanwältin für Arbeits- und Sozialrecht, konzipierte Conny Huber deshalb ein neues Schulungsangebot. Völkel ist wie sie seit vielen Jahren in der Fortbildung von Schwerbehindertenvertretungen aktiv: „Das ist kein Seminar für Anfänger. Man braucht Vorkenntnisse. Für die vielen Schreiben, die wir im Seminar üben, gibt es einen tatsächlichen und rechtlichen Hintergrund. Den können wir aus Zeitgründen leider nicht groß erklären. Der Schwerpunkt liegt im Formulieren und Ausarbeiten. Und dazu gibt es viele Übungen. Man sollte am besten schon ein Grundlagenseminar für die SBV besucht haben und sich mit den Basics ein wenig auskennen“, meint Referentin Gudula Völkel.

Conny Huber Porträt

Conny Huber, Juristin beim ifb

Seit 2013 bietet das ifb Institut nun das neue Seminar „SBV-Schreiben rechtssicher und stichhaltig formulieren“ an. Nur besonders erfahrene Referenten kommen hier laut ifb-Juristin Conny Huber zum Einsatz: „Dadurch gewährleisten wir zum einen ein breites inhaltliches Hintergrundwissen, zum anderen aber auch eine große anwaltliche Praxiserfahrung aus dem SBV-Bereich.“ Dennoch: Das Besondere an diesem Seminar sind die Unterlagen. Diese gebe es laut Referentin Gudula Völkel anderswo nicht: „Die Vorlagen, mit denen wir im Seminar arbeiten, haben wir alle selber erstellt. Sie beruhen auf unserer Erfahrung und sind gezielt auf die Praxis der Schwerbehindertenvertretung zugeschnitten.“

Als SBV’ler Kempfner im letzten ifb-Spezialprogramm das Seminar entdeckte, wusste er sofort, dass er er besuchen will: „Ich hab mich über die  Jahre in meine Schreiben reingefuchst und mir einen größeren Fundus an eigenen Vorlagen angelegt. Aber ich war neugierig, mit was Gudula Völkel, die Referentin, im Seminar dann arbeiten wird. Ich kenne sie ja schon von den Grundlagenseminaren. Sie hat mir viel für die SBV-Arbeit beigebracht.“

Kempfner besuchte eines der ersten „Rechtssicher Schreiben“-Seminare im Frühjahr 2013. Er lacht: „Gar nicht schlecht, was ich selbst schonalles  hatte. Tut gut, zu erkennen, dass man richtig an die Sache rangeht. Aber es waren auch ein paar Fehler drin, die ich nun beseitigt habe. Ich kann das Seminar für alle meine Kollegen sehr empfehlen, man bekommt eine Menge an die Hand und der lästige Schriftverkehr ist danach ein ganzes Stück umkomplizierter.“

Bildquelle: © Photoroller – Fotolia.com



Dieser Beitrag wurde am Freitag, 22. Februar 2013 um 17:22 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie ifb intern, Schwerbehindertenvertretung, Seminare abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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